So halten Sie Ihre Rüben sauber

Immer weniger Wirkstoffe bei den Rübenherbiziden erfordern Ihre volle Aufmerksamkeit. Vor allem bei Problemunkräutern ist es wichtig, die noch verfügbaren Mittel richtig zu kombinieren.

Den optimalen Zeitpunkt, die Aufwandmenge und die Produktwahl selbst gilt es beim Herbizideinsatz in Rüben in jedem Jahr flächenspezifisch neu zu prüfen. Besonders herausfordernd: Die Wahl der richtigen Menge je nach Witterung. Erschwerend kommt hinzu, dass immer weniger Wirkstoffe verfügbar sind. Neben der Verträglichkeit der Mischungen sind auch die Kosten der Herbizidbehandlungen von erheblichem Interesse und das besonders, wenn nach extremer Trockenheit unvorhergesehene Nachbehandlungen nötig werden.

Immer weniger Wirkstoffe

Die Palette der einsetzbaren Herbizidwirkstoffe ist geschrumpft und wird weiter schrumpfen. Chloridazon und Desmedipham sind schon länger nicht mehr zugelassen. Phenmedipham steht weiterhin im EU-Bewertungsverfahren – es ist zunächst genehmigt bis zum 31.7.2022. Eine erneute Genehmigung wird Mitte 2023 erwartet.

Ethofumesat ist langfristig bis zum 31.10.2031 genehmigt. Metamitron befindet sich weiterhin in der EU-Bewertung. Aktuell ist der Wirkstoff bis zum 31.8.2022 zugelassen. Die Wirkstoffe Triflusulfuron und Lenacil sind sogenannte Substitutionskandidaten, deren Genehmigung bislang nur bis Ende 2022 sicher ist.

Diese Mittel bilden die Basis

Bei dem rasant fortschreitenden Wirkstoffverlust stellt man sich als Rübenanbauer die Frage: „Welche Herbizide sind in der nächsten Saison überhaupt erhältlich“ Weil sich zudem bei den generischen Produkten die zugelassenen Aufwandmengen teilweise erheblich unterscheiden, sind die wichtigsten Basispräparate inklusive ergänzender Bemerkungen in Übersicht 1 dargestellt.

Das Produkt Belvedere Duo steht mit den Wirkstoffen Phenmedipham und Ethofumesat in einer EC-Formulierung zur Verfügung. Es lässt sich im Nachauflauf (NA) als Splittingmaßnahme verwenden, aufgeteilt zu 2 x 2,0 l/ha oder 3 x 1,3 l/ha. Das Mittel wird mit preislichen Vorteilen auch gemeinsam mit Goltix Titan als Belvedere Duo Pack angeboten.

Weiterhin sind die Wirkstoffe Phenmedipham plus Ethofumesat als Eigenmischung aus Betasana SC mit Oblix, Stemat oder Tramat 500 verfügbar. Die produktspezifischen Unterschiede in der Zulassung entnehmen Sie der Übersicht 1 auf Seite 107. Besonders zu beachten ist, dass man Betanal Tandem nicht auf drainierten Flächen einsetzen darf (NG 405). Zudem ist es an das Additiv Mero gebunden.

Bei den Metamitron-Solo-Produkten sind neben Goltix Gold oder Metafol SC noch weitere Mittel erhältlich. Metafol SC, Nymeo und VextaMitron 700 SC dürfen nur zweimal im NA eingesetzt werden, haben aber zusätzlich eine Zulassung zur Anwendung im Vorauflauf (VA). Glotron 700 SC ist dreimal im NA einsetzbar. Das unter den Metamitronprodukten besonders breit wirksame Goltix Titan hat ebenfalls eine Zulassungserweiterung für den VA. So darf Goltix Titan entweder mit 3 x 2,0 l/ha im NA zum Einsatz kommen oder mit 3,0 l/ha im Vorauflauf und 3 x 1,0 l/ha im NA verwendet werden.

Was ist bei den Ergänzenden Produkten zu beachten?

Je nach Verunkrautung ist es erforderlich, den Basisprodukten weitere Mittel hinzuzufügen. Bei den Ergänzungen gibt es zahlreiche Zulassungserweiterungen und unterschiedliche Zulassungen, Formulierungen oder Wirkstoffkonzentrationen. Einen Überblick mit wichtigen Bemerkungen zu den Präparaten finden Sie in der Übersicht 2.

Shiro ist hinsichtlich Wirkstoffgehalt und Einsatzmöglichkeiten dem Debut gleichzusetzen. Das Mittel darf man zulassungsbedingt viermal pro Anwendungsjahr einsetzen – Debut, Shiro 500 oder Kaskad nur dreimal.

Kezuro enthält 571 g/l Metamitron und 71 g/l Quinmerac in einer SC-Formulierung und zeichnet sich daher besonders durch seine Bodenwirkung aus. Kezuro lässt sich höchstens dreimal anwenden (insgesamt max. 3,5 l/ha). Es kann daher im VA mit 3,5 l/ha oder im NA im Splitting mit 0,9 l/ha zu NAK 1 und mit 1,3 l/ha zu NAK 2 und 3 in Mischung mit anderen Rübenherbiziden zum Einsatz kommen. Achten Sie darauf, dass Sie die maximale Obergrenze von 250 g/ha Quinmerac in einer Tankmischung nicht überschreiten (NG 343).

Tanaris enthält die Wirkstoffe Quinmerac und Dimethenamid-P. In Versuchen wirkte es gut gegen Taubnessel, Klette, Hundspetersilie, Storchschnabelarten, Amarant, Franzosenkraut, Nachtschatten, Ehrenpreis und Hirsearten.

Der Wirkstoff Lenacil ist in dem Produkt Venzar 500 SC verfügbar. Die Zulassung als Splittinganwendung ermöglicht den Einsatz ab dem 16. März (Drainauflage NW 800). Die Ausbringung der vollen Aufwandmenge in einer Anwendung ist auf drainierten Flächen untersagt (NG 405). Ein Splittingeinsatz der vollen Aufwandmenge von 1,0 l/ha ist vorrangig zu empfehlen, allerdings nur mit einer Teilmenge von 0,25 l/ha (bis zu viermal pro Jahr und Fläche). Nur so ist es möglich, bis an den länderspezifischen Mindestabstand zu wasserführenden Gräben zu applizieren. ▶

Die maximale Wirkstoffmenge von 500 g Lenacil pro Hektar darf auf derselben Fläche keinesfalls überschritten werden (bußgeldbewährte Anwendungsbestimmung NG 360). Auf bindungsschwachen Böden (Sand, humusarme Böden) sollte aus Verträglichkeitsgründen eine Anwendung von Venzar 500 SC unterbleiben. Insgesamt verbessert der Zusatz von Lenacil in der Spritzbrühe die Wirkung auf Ausfallraps, Gänsefuß, Erdrauch, Kamille und Knötericharten. Lenacil wirkt auch gegen Clearfield-Ausfallraps.

Venzar 500 SC wird in einem Pack mit Debut unter dem Namen Debut DuoActive Pack und auch als Fertigformulierung namens Debut DuoActive zur Verfügung stehen. Die Packlösung bietet gegenüber dem bekannten Debut plus Trend eine Wirkungsabsicherung gegen Gänsefußarten, Melde, Klettenlabkraut, Bingelkraut, Knötericharten und Kreuzblütlern sowie Ausfallraps (incl....