BMU-Staatssekretär Pronold fordert pestizidfreie Kommunen

Der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesumweltministerium (BMU), Florian Pronold hat die Kommunen aufgefordert, ihre Flächen pestizidfrei zu halten. Dies gelte sowohl für öffentliche Flächen als auch für die Verpachtung von Landwirtschaftsflächen. Das BMU wolle nicht nur bei einem Glyphosat Verbot stehenbleiben.

Der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesumweltministerium (BMU), Florian Pronold (SPD) hat die Kommunen aufgefordert, ihre Flächen pestizidfrei zu halten. Dies gelte sowohl für öffentliche Flächen als auch für die Verpachtung von Landwirtschaftsflächen. Das BMU wolle nicht nur bei einem Glyphosat Verbot stehenbleiben.
 
Pronold besuchte in dieser Woche die Große Kreisstadt Dachau, die Ackerflächen nur noch an Landwirte, die auf bestimmte Pflanzenschutzmittel verzichten, verpachtet. Die Kommune hatte im vergangenen Jahr einen Stadtratsbeschluss gefasst, wonach Landwirte auf städtischen Pachtflächen auf Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat und auf Neonikotinoide verzichten müssen. Dies gilt jedoch nur für Neuverpachtungen. Bestehende Pachtverträge sind von dem Stadtratsbeschluss nicht betroffen.
 
Laut Pronold haben sich in Deutschland bereits mehr als 200 Städte dazu entschieden, zunehmend auf Glyphosat und andere Pflanzenschutzmittel zu verzichten. „Die weitgehend pestizidfreie Kommune ist möglich. Dies setzt ein verändertes Denken hinsichtlich des Schönheitsideals einer Stadt, die Bereitschaft zu Verhaltensänderungen und politischen Veränderungswillen voraus“, sagte Pronold in Dachau.
 
Er erneuerte bei seinem Besuch den Willen des SPD-geführten Bundesumweltministeriums, grundsätzlich bis zum Ende der Legislaturperiode aus dem Einsatz von Glyphosat auszusteigen. Er machte außerdem keinen Hehl daraus, dass er, den Pflanzenschutzeinsatz generell zurückfahren will. „Letztlich dürfen wir nicht bei Glyphosat stehenbleiben, wenn wir eine insgesamt umwelt- und naturverträglichen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln erreichen wollen“, sagte Pronold. Die Erfahrungen von Landwirten und Kommunen, die sie beim Vermeiden von Pflanzenschutzmitteln machten, seien ihm und dem BMU sehr wichtig, so Pronold weiter.
 
Die Stadt Dachau arbeitet laut dem Oberbürgermeister Florian Hartmann schon seit den 80er-Jahren daran, auf bestimmten Flächen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu vermeiden und zu minimieren. So werden störende Pflanzen zum Beispiel auf Gehwegen oder öffentlichen Eingangsbereichen abgeflammt, mechanisch oder mit Kehrmaschinen beseitigt. Des Weiteren hat die Stadt Ackerflächen, die sie 2014 erworben hat, an einen Biobauern verpachtet. „Das Verbot von Glyphosat auf städtischen Flächen ist ein erster Schritt hin zu einer umweltfreundlichen Bewirtschaftung“, sagte er. Zum Erhalt der Artenvielfalt in Flora und Fauna in Deutschland seien aber bundesweite gesetzliche Regelungen notwendig, forderte er.


Diskussionen zum Artikel

von Harald Finzel

Bauernverbände, lasst ihr euch auch diese Chance entgehen?

Es ist an der Zeit, dass der Bauernverband sich endlich einmal klar zur Willkür von Kommunen und Kreisen bei der Pachtvergabe positioniert. Klauseln wie eine "Pestizidfreiheit" mögen in Pachtverträgen von Privat legal sein. Aber bei Pachtverträgen von öffentlicher Seite gelten andere ... mehr anzeigen

von Heinrich Esser

Schön und gut

Das sind die Flächen der Kommune und damit darf sie machen, was sie will. Aber dann sollte in der Kommune auch verboten werden, Lebensmittel zu verkaufen, bei denen diese PSM eingesetzt worden sind. So würde es bei den betroffenen Landwirten zu keinem Wettbewerbsnachteil kommen, ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

So ist es richtig, Harald Finzel

In den Kommunen, auf Kreis- und auf Landesebene gehen die Bauernverbände auch auf die Barrikaden, so meine Erfahrungen. Wie wir sehen, reicht das nicht. Da muss mit härter und leidenschaftlicher gekämpft werden.

von Harald Finzel

Korrektur, Herr Grimm

Nicht "die Bauernverbände" gehen auf die Barrikaden, sondern einzelne Vertreter der Bauern, Ortsverbände und teilweise auch Kreisverbände. Was kommt denn von den Landesverbänden und insbesondere vom DBV? Weder habe ich bisher eine fachliche noch eine juristische Stellungnahme gesehen, ... mehr anzeigen

von Albert Maier

Juristisch....

...wird da nichts zu machen sein. Bleibt nur die Möglichkeit, dass die Flächen keiner mehr pachtet. Zusammenhalt wäre da gefragt.

von Hans-Josef Graeven

Es ist nicht zu glauben damit sind selbst Bio Betriebe betroffen! Bei uns im Kreis Wesel, am Niederrhein, gibt es so einen Antrag auch von der SPD Fraktion im Kreistag für kreiseigene Flächen. Dieser wurde selbst von den Grünen abgelehnt, weil man befürchtete, dass Bio Betriebe im ... mehr anzeigen

von Heinrich Roettger

Zuerst mal die Deutsche Bahn AG

Warum setzt das BMU.nicht bei der Deutschen Bahn AG ein Pestizidverbot um?? Hier könnte man mit Drahtbesen und Abflammen die Bahngleise frei halten.Die Punkteinträge von Glyphosat und Vorox entlang der Bahnschienen sind eine Zeitbombe auch für uns Landwirte.Die Wirkstoffe werden in ... mehr anzeigen

von Jörg Meyer

Fragt doch mal den Staat!

Über die Platt "https://fragdenstaat.de/" sollten wir Landwirte unsere kommunalen Verwaltungen einmal fragen, welche chemischen Mittel von den Bauhöfen oder städtischen Dienstleistern auf öffentlichen Flächen (Nichtkulturland) eingesetzt wurden, wie viel Menge und wie man denn ohne ... mehr anzeigen

von Karlheinz Gruber

Sollte man vielleicht auch in den Privatgärten und Spielplätzen machen

, aber da würde ja der Wähler getroffen. Habe vor ein paar Wochen unseren Bauhof darauf hingewiesen, daß ich im vorbeifahren mit dem Auto gesehen habe, wie ein Vater mit einem kleinen Handsprühgerät sich unter den Kinderspielplatzgeräten auf öffentlichem Grund zu schaffen gemacht ... mehr anzeigen

von Alfons Hümmer

Ich wünsche mir Politiker, die einen Arsch in der Hose habe und nicht immer nur irgendwelchen Gesellschaftstrends hinterher hecheln oder sich der Parteiräson unterordnen. Einerseits wird gefordert, dass die Landwirte ohne Umweltbelastung produzieren, andererseits wird gekauft, was am ... mehr anzeigen

von Erwin Schmidbauer

Es muss weiter gehen!

Was kommt eigentlich nach der "pestizidfreien Kommune"? Zuerst vielleicht die autofreie Kommune (Feinstaub, Stickoxide), danach die rauchfreie Kommune und schliesslich die alkoholfreie Kommune (beide wegen bekannter, unbestrittener Krebsgefahren!). Aber dann als absolute Krönung: die ... mehr anzeigen

von Christop Bommes

Weitsicht oder Schaumschlägerei?

Leider letzteres - Zwangökologisierung pur! (...) Letzten Endes offenbart sich hier die ganze als Gutmenschentum getarnte Menschenverachtung der Verantwortlichen.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen