Fachgespräch

Zuviel Wirtschaftsdünger: „Die Politik muss sich bewegen!“ Premium

Die Veredlungszentren produzieren zu viel Wirtschaftsdünger. Tierhalter, Nährstoffhändler und Ackerbauern fordern von der Politik, dass Dokumentation und Bau von Lagerstätten erleichtert werden.

Für den neuen top agrar-Ratgeber "Wirtschaftsdünger" sprachen wir mit Stefan Klaus, Schweinehalter aus Nutteln; Frank Sowa, Ackerbauer aus Lüchow-Dannenberg; Heinrich Tabeling, LWK Niedersachsen; Karin Martens, Maschinenring Lüchow; Ingrid und Josef Mählmeyer, Lohnunternehmen Mählmeyer aus Steinfeld; Wilhelm Schepers, LWK Niedersachsen.

Niedersachsen ist das Agrarland Nummer eins. Wie viel Wirtschaftsdünger muss jährlich aus den Veredlungshochburgen abtransportiert werden?

Schepers: Laut Nährstoffbericht lag der Export an Wirtschaftsdüngern aus der Weser-Ems-Region im Jahr 17/18 bei ca. 2,8 Mio. t. Das entspricht gut 32 000 t Stickstoff (N). Davon sind rund 17 000 t N in die Ackerbauregionen Niedersachsens gegangen. Trotzdem hielten nicht alle Landkreise die Obergrenze von 170 kg N pro ha ein.

In welche Regionen gehen die Wirtschaftsdünger?

Schepers: Einen Großteil nehmen Landwirte in der Leine-Weser-Region und in den ostniedersächsischen Landkreisen Gifhorn, Lüchow-Dannenberg und Uelzen auf. Darüber hinaus erreichen vorwiegend Geflügelmist, aber auch Gülle und Gärreste die benachbarten Bundesländer Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Ein kleiner Teil geht nach Thüringen.

Wer nimmt den Wirtschaftsdünger ab?

Martens: In der Regel sind es Ackerbauern ohne eigene Tierhaltung. Aktuell fragen bei uns aber auch verstärkt Betreiber von Biogasanlagen nach Wirtschaftsdüngern. Das hat mehrere Gründe: Zum einen verlieren viele Biogasanlagenbetreiber ihre Güllelieferanten, weil immer mehr Veredler aus der Produktion aussteigen. Auf diese Lieferanten sind sie aber angewiesen, um den Güllebonus halten zu können. Zum anderen fehlt vielen Besitzern von Biogasanlagen durch die Trockenheit Mais. Sie fragen deshalb verstärkt Hühnertrockenkot als alternativen Inputstoff nach.

Ich bin Tierhalter und möchte Gülle abgeben: Wo melde ich mich?

Martens: Tierhalter können sich z. B. bei uns als zertifiziertem Nährstoffhändler melden. Bei einem Neukunden nehmen wir zuerst die Daten des Betriebes sowie Gülleart und die abzugebende Güllemenge auf. Meine Aufgabe besteht dann darin, einen passenden Abnehmer zu finden.

Klaus: Bei uns im Betrieb setzen wir auf langfristige Direktbeziehungen. Ich kümmere mich daher größtenteils selbst um die Abgabe meiner Nährstoffüberschüsse. Den Vorteil sehe ich darin, dass Gülle und Transport aus einer Hand kommen. Mit der eigenen Vermarktung habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Die eigene Organisation lohnt sich für uns auch deshalb, weil ich jedes Jahr über 400 Lkw-Ladungen Gülle abgebe.

Worauf kommt es an, wenn man als Tierhalter Gülle abgibt?

Klaus: Entscheidend sind Offenheit, Zuverlässigkeit und ein enger Austausch mit den Geschäftspartnern. Ich kenne viele meiner Abnehmer persönlich. Dadurch kann ich sicherer und langfristiger planen, da ich weiß, was meine Abnehmer wünschen. Selbstverständlich ist für mich, dass ich meinen Partnern die Produkte liefere, die ich angekündigt habe. Wenn wir zum Beispiel die Lieferung von Mastschweinegülle vereinbart haben, kann ich nicht nährstoffarme, dünne Sauengülle abgeben. Eine gute Vertrauensbasis ist in diesem Geschäft das A und O.

Knackpunkt bei der Abgabe von Wirtschaftsdüngern ist oft der Transport. Wie weit fahren Sie?

Mählmeyer: Als Lohnbetrieb bieten wir Transport und Ausbringung aller Wirtschaftsdünger im Paket an. Wir fahren dabei fast nur mit Tankaufliegern. Unsere Erfahrung zeigt, dass...

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