Sprit statt Strom – noch viele Hürden Plus

Der Biokraftstoffmarkt könnte eine Option für Biogasanlagen werden, die keine EEG-Förderung mehr erhalten.

Auch für die Biogasbranche bricht im Jahr 2020 eine neue Ära an: Die ersten 1000 Anlagen sind Ende des Jahres 20 Jahre und älter und erhalten keine Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mehr. Wer nicht am Ausschreibungsverfahren für eine Anschlussvergütung teilgenommen hat, muss neue Märkte suchen. Eine viel diskutierte Alternative könnte der Biokraftstoffmarkt sein. Hierzu gibt es mehrere positive Signale:

  • Die Treibhausgasminderungsquote für den Kraftstoffsektor ist im Jahr 2020 von 4 auf 6% gestiegen. Die Mineralölkonzerne benötigen also mehr Biokraftstoffe, um ihrer Klimaschutzverpflichtung nachzukommen.
  • Das regt den Quotenhandel an, von dem Biomethanerzeuger heute schon profitieren können.
  • Die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU (RED II) bevorzugt u.a. die Biomethanerzeugung aus Gülle oder Reststoffen wie Stroh. Das könnte einen Kraftstoff aus diesen Rohstoffen sehr attraktiv machen.
  • Mit dem neuen Brennstoff-Emissionshandelsgesetz (BEHG) hat die Bundesregierung einen Preis auf CO2 eingeführt, der fossile Kraftstoffe künftig teurer macht.

Im Folgenden erklären wir, was das für Biomethanerzeuger bedeutet und welche Chancen, aber auch welche Risiken in dem Markt stecken.

Höhere Treibhausgasquote

Jeder, der Kraftstoffe verkauft, muss seit dem Jahr 2015 eine Treibhausgasminderungsquote erfüllen. Diese lag bis 2019 bei 4% und ist in diesem Jahr auf 6% angestiegen. Das bedeutet: Mineralölkonzerne müssen nachweisen, dass sie beim Verkauf von Kraftstoffen 6% Treibhausgase im Vergleich zu dem Referenzwert für fossilen Sprit einsparen. Das kontrolliert die Hauptzollamt-Außenstelle in Cottbus. Hält ein Inverkehrbringer die Quote nicht ein, muss er eine Strafe von 470 €/t CO2 zahlen.

Die Quote können die Mineralölkonzerne u.a. mit der Beimischung erreichen: Aktuell werden 7% Biodiesel, Altspeisefett oder hydriertes Pflanzenöl zu fossilem Diesel bzw. 5% Ethanol standardmäßig in Benzin beigemischt. Dazu gibt es den Sonderkraftstoff E10 mit 10% Ethanol. „Manchmal sind aber andere Optionen interessanter, um die THG-Quote zu erfüllen“, sagt Dr. Stefan Rauh, Geschäftsführer beim Fachverband Biogas.

Hohe Einsparung mit Gülle

Da kommt Biomethan ins Spiel: Wenn Tankstellenbetreiber Biomethan als Kraftstoff verkaufen, müssen auch sie die THG-Quote einhalten. Da Biomethan mehr als 6% THG gegenüber fossilem Kraftstoff einspart, kann die restliche CO2-Einsparung als Quote verkauft werden. „Wenn Mineralölkonzerne die THG-Quote mit der Bei-mischung von Biokraftstoffen nicht erfüllen können, müssen sie Quoten dazukaufen. Mit der Erhöhung auf 6% THG-Minderungsquote ist der Bedarf an zusätzlichen Quoten gestiegen“, erklärt Rauh. Das macht sich finanziell so bemerkbar: Lag der Preis für eine THG-Quote in zurückliegenden Jahren noch bei durchschnittlich 150 €/t, stieg er im Jahr 2020 auf 250 €/t an.

Voraussetzung für den Quotenhandel ist, dass die Betreiber die Biokraftstoffnachhaltigkeitsverordnung einhalten und sich von einer anerkannten Institution zertifizieren lassen. „Die Höhe der THG-Minderung hängt dann vom eingesetzten Rohstoff ab“, erklärt Rauh. Besonders hoch ist sie z.B. beim Einsatz von Gülle: In der RED II sind die Emissionen bei Biomethan aus Gülle...


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