Bio-Methan könnte Schiffsdiesel ersetzen

Methan, das mithilfe der Elektrolyse aus regenerativem Strom hergestellt wird, könnte Schweröl und Diesel bei Schiffen ersetzen. Damit ließen sich schädliche Emissionen vermeiden.

Feinstaubpartikel, Schwefel- und Stickoxide aus Schiffsmotoren belasten das Klima und die Gesundheit der Küstenbewohner stark. Selbst während der Liegezeiten im Hafen stoßen Schiffe massiv Abgase aus, wenn ihre Diesel-Generatoren den Strom an Bord erzeugen. Auf See kommt dagegen häufig Schweröl zum Einsatz, das günstiger als Schiffsdiesel ist und noch mehr schädliche Emissionen verursacht.

Entschärfen ließe sich dieses Problem durch Methan, das in „Power-to-Gas“ (PtG)-Anlagen aus überschüssigem Wind- oder Solarstrom hergestellt wird. Darauf weist das Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff- Forschung Baden-Württemberg (ZSW) hin. In einem vom ZSW entwickelten Verfahren wird zunächst aus überschüssigem Ökostrom mittels Elektrolyse Wasserstoff hergestellt. Dieser lässt sich zusammen mit Kohlendioxid – z.B. aus Biogasanlagen – zu Methan umwandeln, das sich im Erdgasnetz speichern oder aber direkt in Haushalten, der Industrie und als CO2- neutraler Kraftstoff für Erdgasautos verwenden lässt.

Das synthetische Gas könnte als klimafreundlicher und fast feinstaubfrei verbrennender Antrieb dienen – für Kreuzfahrtschiffe, Frachter, Fähren und andere Fahrzeuge. Dazu lässt sich Methan zu sogenanntem LNG (Liquefied Natural Gas) verflüssigen. Die Technik, um damit Schiffsmotoren und Bordstrom-Generatoren anzutreiben, ist laut ZSW vorhanden und werde in der Binnenschifffahrt bereits eingesetzt. Dabei würden so gut wie keine Feinstaubpartikel mehr ausgestoßen. Wichtig sei dabei aber, dass das LNG nicht aus fossilen Quellen stamme. Denn schon beim Transport könne Methan in die Atmosphäre entweichen; zum anderen würde sich Europa, wie beim Erdöl, in eine starke Importabhängigkeit begeben. Mit Power-to-Gas indes lässt sich der Kraftstoff in Deutschland oder anderen europäischen Staaten herstellen.

Beim Einsatz von LNG würden auch andere Schadstoffe ebenfalls stark gesenkt. Ein Vergleich (IAV Gruppe, Oktober 2015) zeigt, dass ein Erdgasauto nicht nur 99 Prozent weniger Partikel, sondern auch 90 Prozent weniger Stickoxid als ein Diesel-Fahrzeug (Euro 6) ausstößt. Diese Werte seien laut ZSW auch auf die Schifffahrt übertragbar.

Der Wirkungsgrad von Strom zu LNG beträgt heute etwa 50 Prozent. Das könne man in Kauf nehmen, sofern Deutschland die Erzeugungskapazitäten für regenerativen Strom ausbaue und damit den Weg in ein postfossiles Zeitalter gehe. Die EU-Kommission teilt offenbar diese Sichtweise: In ihrer am 20. Juli 2016 vorgelegten „Europäischen Strategie für Mobilität mit niedrigen Emissionen“ befürwortet sie den Einsatz von LNG und Power-to-Gas in der Schifffahrt sowie im LKW-Verkehr ausdrücklich.

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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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