Biogas: Repowering wird der Trend der Zukunft

Die Steigerung der Leistung von bestehenden Biogasanlagen wird in Niedersachsen in den nächsten Jahren wichtiger als der Zubau von neuen Anlagen. Davon ist Dr. Gerd Höher vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium überzeugt.

Die Steigerung der Leistung von bestehenden Biogasanlagen wird in Niedersachsen in den nächsten Jahren wichtiger als der Zubau von neuen Anlagen. Davon ist Dr. Gerd Höher vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium überzeugt. Wie Höher gestern Abend auf einer Tagung der „Innovations- und Kooperations-Initiative Bioenergie“ im niedersächsischen Zeven deutlich machte, gibt es in Niedersachsen derzeit 1300 Biogasanlagen mit rund 700 Megawatt (MW) Leistung. Potenzial sieht er landesweit für 1200 MW, was einem möglichen Zubau von 500 MW in den nächsten Jahren entspricht. „Die Hälfte der zusätzlichen Leistung wird aus Repowering stammen, also einer Effizienzsteigerung durch biologische, technische sowie organisatorische Maßnahmen“, erwartet der Biogas-Experte.

Rund 30 % der zusätzlichen Leistung wird außerdem von neuen Anlagen stammen, die in  Ackerbauregionen entstehen werden. Weitere 15 % dürften laut Höher von Anlagen in Milchviehregionen stammen. In den klassischen Veredelungsregionen wie in Rotenburg, Süd-Oldenburg oder im Emsland dagegen sind so gut wie keine nennenswerten Zuwächse zu erwarten, da hier das Potenzial weitgehend ausgereizt ist.
Das Potenzial für Repowering schätzt Höher enorm hoch ein. So hat es allein in den letzten fünf Jahren eine deutliche Reduzierung des Flächenbedarfs für Biogasanlagen gegeben. Grund war laut Höher der enorme Anstieg der Rohstoffpreise im Jahr 2007: „Damals haben wir pro 1 MW Leistung noch rund 500 ha Energiepflanzen benötigt, heute sind es nur 400 ha pro MW.“ Er geht von einer weiteren Effizienzsteigerung von 4 bis 5 % pro Jahr aus, so dass trotz zunehmender installierter Leistung in Niedersachsen der Flächenbedarf nicht steigen wird.

Die niedersächsischen Anlagen sind dafür gut gerüstet: Schon heute erzeugen sie 32 % des in Deutschland anfallenden Biogasstroms, während hierzulande nur 25 % der bundesweit installierten Leistung anzutreffen ist. „Das ist ein Indiz dafür, dass die Anlagen in Niedersachsen größer sind, einen höheren elektrischen Wirkungsgrad haben und insgesamt sehr professionell geführt werden“, resümiert Höher.
Doch sieht er noch mehrere große Herausforderungen, die die Biogasbranche in Zukunft dringend  lösen muss:

  1. Die gesellschaftliche Akzeptanz muss wieder hergestellt werden. Als mögliche Maßnahme regt Höher an, Biogas in der Gesellschaft nicht nur auf die Diskussion um den Maisanbau zu reduzieren, sondern die wirtschaftliche Bedeutung herauszustellen. Allein in Niedersachsen machen die 1300 Anlagen, die zu 80 % den Bauern gehören, einen jährlichen Umsatz von 1 Mrd. € und schaffen 1000 direkte und 4000 indirekte Arbeitsplätze.
  2. Die Anlagen müssen Strom künftig deutlich günstiger produzieren. Als Messlatte gibt Höher Stromgestehungskosten von 12 Cent je Kilowattstunde in den nächsten fünf bis acht Jahren an.
  3. Der Methanschlupf, also der Verlust von Methan in der Anlage sowie im Abgas der Blockheizkraftwerke, muss deutlich reduziert werden. Hier gibt es laut Höher noch viel Potenzial.
  4. Die Menge von Biomethan im Gasnetz muss deutlich erhöht werden. Höher setzt sich auch dafür ein, Biomethan künftig in effizienten Gaskraftwerken zusammen mit fossilem Erdgas zu verbrennen. „Diese Kraftwerke haben einen elektrischen Wirkungsgrad über 60 %, so dass Biomethan sehr effizient genutzt werden kann“, begründet er dieses. 
  5. Die Düngewirkung von Gärresten muss stärker erforscht werden. Höher sieht es als falsch an, Gärrest pauschal mit Gülle gleichzusetzen. „Die Zusammensetzung von Gärresten kann sehr unterschiedlich sein. Wir müssen die Wirkung auf den Ackerboden stärker berücksichtigen“, gibt er zu bedenken. (neu)


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