Bundesländervergleich: So sehen es die Regionen

Die Ergebnisse des Bundesländervergleichs zeigen auf, wie gut die Energiewende in den Regionen vorankommt. Die Ergebnisse werden unterschiedlich interpretiert.

Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern belegen die Spitzenplätze beim neuen Bundesländervergleich der Agentur für Erneuerbare Energien. Platz 1 bestätige die ambitionierte Energie- und Klimaschutzpolitik der Landesregierung, erklärte Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller: „Das belegt, dass wir beispielsweise mit unserem Landesklimaschutzgesetz, unserem Integrierten Energie- und Klimaschutzkonzept oder mit unserem bundesweit einzigartigen Erneuerbare-Wärme-Gesetz auf dem richtigen Weg sind.“ Allerdings gebe es keinen Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen, betonte Untersteller. „Wir wissen, dass wir weiter hart arbeiten müssen, wenn wir unsere hoch gesteckten Ziele erreichen wollen. Insofern enthält die Studie für uns auch wichtige Hinweise, in welchen Bereichen wir Nachholbedarf haben und uns noch weiter verbessern müssen.“


Beim Ausbau der Windkraft stehe Baden-Württemberg bereits deutlich besser da als im Bundesländervergleich dargestellt, sagte Franz Untersteller. Der Grund hierfür seien die der aktuellen Studie zugrundeliegenden Zahlen des Jahres 2015. „Das bisherige Rekordergebnis aus dem Jahr 2016 mit insgesamt 120 neuen Windenergieanlangen im Land, das wir im Jahr 2017 wahrscheinlich sogar nochmals verbessern werden, hat die Agentur für Erneuerbare Energien noch gar nicht berücksichtigt. Umso mehr freut mich unser Erfolg.“

Im Bereich Wirtschaft ist Mecklenburg-Vorpommern top

Mecklenburg-Vorpommern belegt im Ranking Platz 2. „Ich sehe die Bemühungen und die Arbeit der Landesregierung der vergangenen Jahre im Bereich der erneuerbaren Energien durch die Studie bestätigt“, zeigte sich Energieminister Christian Pegel erfreut. „Das Land weist den zweithöchsten Anteil von EE-Unternehmen wie auch von EE-Beschäftigten auf. Bei Umsätzen mit erneuerbaren Energien erreicht es gemessen am Bruttoinlandsprodukt sogar die Spitzenposition“, so Pegel.

Seit dem ersten Ranking im Jahr 2008 konnte Mecklenburg- Vorpommern seine Gesamtpunktzahl in der Studie kontinuierlich erhöhen und ist vom Mittelfeld auf einen Spitzenplatz vorgedrungen. Vor allem der wirtschaftliche und technologische Wandel sorgte in diesem Jahr für das gute Abschneiden Mecklenburg-Vorpommerns. Bei den politischen Anstrengungen zur Beförderung dieses Wandels erreicht das Land gar den Spitzenplatz, bei entsprechenden Erfolgen Rang zwei.

„Die Studie zeigt uns neben den Erfolgen auch auf, in welchen Bereichen wir uns noch weiter verbessern und verstärkt engagieren müssen. Dieser Herausforderung werden wir uns stellen“, resümiert Minister Pegel. Insbesondere bei flankierenden Maßnahmen wie der Bereitstellung von Informationen oder dem Monitoring bestünden laut Studie noch Möglichkeiten zur weiteren Optimierung. Niedrigere Plätze nimmt das Land zudem im Bundesvergleich unter anderem im Bereich Elektromobilität (Fahrzeuge: Rang 15, Ladeinfrastruktur: Rang 11) sowie bei dem Anteil von Speichern für PV-Kleinanlagen (Rang elf ) ein.

Nordrhein-Westfalen: Großer Sprung nach vorn

Nordrhein-Westfalen (NRW) liegt beim Ausbau und den Erfolgsfaktoren für erneuerbare Energien nur auf dem zehnten Rang. Zwar hat NRW im Gesamtranking der Länder den größten Sprung von Platz 14 (Studie 2014) auf Platz zehn gemacht. Die Autoren sehen für das Land auch insgesamt eine leicht positive Entwicklung, warnen aber, dass die neue Landesregierung diese jüngsten Erfolge – etwa mit Einschränken bei der Windenergie – aufs Spiel setzt. Gerade der immer noch maßgeblich durch die Kohlenutzung geprägte Energiestandort NRW brauche laut Studie eine verstärkte politische Unterstützung und gezielte Ansiedelungsstrategien im Bereich der Erneuerbaren Energien.

„Die Studie zeigt, dass in den letzten Jahren einiges für die Energiewende in NRW erreicht wurde, zugleich aber weiterhin große Aufgaben vor uns liegen. Gerade angesichts der Herausforderungen des Klimaschutzes, die aktuell auf der Weltklimakonferenz in Bonn diskutiert werden, sollte die Studie für die Landesregierung Ansporn und Mahnung zugleich sein, den begonnenen Weg in allen Bereichen der Energiewende mit Nachdruck weiterzuführen“, kommentierte der Geschäftsführer des Landesverbandes Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW), Jan Dobertin, die Ergebnisse.

Dabei wiesen die Ansätze und Maßnahmen der neuen Landesregierung bei der E-Mobilität in die richtige Richtung. Basis für eine klimafreundliche Strom-, Wärme- und Mobilitätsnutzung müsse aber ein deutlicher Schub beim Ausbau aller Erneuerbaren sein und keine neuen unverhältnismäßigen Restriktionen, wie bei der Windenergie. Bei den Anstrengungen zur Nutzung erneuerbarer Energien liegt NRW auf Platz sieben, kommt bei den energiepolitischen Anstrengungen aber nur auf einen der hinteren Plätze (Platz elf). Aufgrund des Regierungswechsels im Frühjahr bewertet die Studie die Energiepolitik der Vorgängerregierung: „insgesamt gut“ – NRW belegt hier den dritten Platz. Deutlich schwächer fällt das Urteil unter Berücksichtigung des aktuellen Koalitionsvertrages für die Windenergie aus. Das Land schafft es hier nicht über den geteilten zehnten Platz hinaus.
In NRW beruht die Energieversorgung mit 37,4 Prozent noch immer maßgeblich auf der Kohle (Steinkohle 19%, Braunkohle 18,4%), Erdgas folgt mit 16,4 Prozent – gemessen am Primärenergieverbrauch. Erneuerbare Energien tragen in NRW nur knapp fünf Prozent bei. Bundesweit beträgt der Anteil fast 13 Prozent.

Dobertin resümiert: „Klar ist: Nur mit einem ambitionierten Ausbau Erneuerbarer Energien und einem gleichzeitigen Rückzug aus der Kohle kann Nordrhein-Westfalen seinen notwendigen Beitrag zum Klimaschutz leisten und zugleich zukunftsorientierte Wertschöpfung und neue Arbeitsplätze im Land sichern!“


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