Wasserstoff

Lies zur Wasserstoffwirtschaft: "Umsonst gibt es das nicht"

Bei einer Diskussionsrunde zur Zukunft der Wasserstoffwirtschaft machten Vertreter aus Politik und Wirtschaft auf fehlende Rahmenbedingungen aufmerksam.

Grüner Wasserstoff wird zu einem zentralen Baustein der Energiewende. „Verschiedene Anwendungen existieren bereits, wir sind aber noch weit entfernt von einer tatsächlich umfassenden Wasserstoffwirtschaft", sagte Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Olaf Lies bei einer Diskussionsrunde im Rahmen der Ratspräsidentschaft mit Fachexperten zur Zukunft der Wasserstofftechnologie. „Wir müssen jetzt aufs Tempo drücken und bei erneuerbar erzeugtem Wasserstoff in die großflächige Anwendung kommen - und zwar im industriellen Maßstab." Andernfalls sei weder die Energiewende zu schaffen, noch seien die Klimaschutzziele zu erreichen. „Wasserstoff ist Energieträger und genauso Grundstoff zur Dekarbonisierung der Industrie wie in der Chemie und bei der Stahlproduktion. Wir müssen allerdings heute schon dafür sorgen, dass sehr schnell die Produktionskapazitäten für grünen Wasserstoff ausgebaut werden. Wir werden in starkem Maße die Produktion von grünem Wasserstoff und den Import im Norden des Landes erleben und brauchen daher eine gut ausgebaute Verteilnetzinfrastruktur. Hinzu kommen die hervorragenden Speichermöglichkeiten durch die Kavernen im Norden", betonte Lies.

Sektorkopplung als Schlüssel

Tim Meyerjürgens, Mitglied der Geschäftsführung des Netzbetreibers TenneT, wies gleich auf wichtige Voraussetzungen für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft hin: „Ein wesentlicher Erfolgsfaktor wird die intelligente Kopplung der verschiedenen Sektoren und ein koordinierter Ausbau der Gas- und Strominfrastruktur sein. Wenn wir bis 2030 eine ernsthaft relevante Menge an Wasserstoff in das Energienetz integrieren wollen, dann müssen wir heute, also sofort damit starten." Dr. Jens Sprotte, Geschäftsbereichsleiter beim Bahntechnik-Unternehmen Alstom, ergänzte für den Schienenverkehr, dass dieser „ein Schlüssel für die weitere Sektorkopplung" sei. „Gerade im Bereich Wasserstoff", so Sprotte weiter, „gilt es jetzt, gemeinsam und zeitnah konkrete Projekte zu realisieren." Und Doris Petersen, Geschäftsführerin der hannoverimpuls GmbH (der gemeinsamen Wirtschaftsförderungsgesellschaft von Stadt und Region Hannover), fügte hinzu: „Wasserstoff wird Strukturen im Bereich Energie, Verkehr und Industrie verändern. Wir wollen die Chancen für die Wasserstoffregion Hannover aktiv erschließen und wünschen uns, dass Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft hierzu eng und auch überregional zusammenarbeiten."

Befreiung von der EEG-Umlage gefordert

Aber noch fehlen dafür laut Lies die notwendigen rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen: „Die Bundesregierung muss rasch dafür sorgen, dass die Erzeugung von grünem Wasserstoff von der EEG-Umlage befreit wird. Die seit langem diskutierten regulatorischen Rahmenbedingungen für den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur müssen schnellstmöglich auf den Weg gebracht werden. Nur dann werden auch die erforderlichen Investitionen stattfinden." Wo nötig müsse für eine Übergangszeit auch über Investitionszuschüsse, beispielsweise für den Bau von Großelektrolyseuren, nachgedacht werden. „Umsonst gibt es keine Wasserstoffzukunft, das muss allen klar sein", so Lies.

Niedersachsen hat viel Potenzial

Er begrüße es deshalb sehr, dass von Seiten der EU entsprechende Anstrengungen unternommen würden. „Das ehrgeizige Ziel der Europäischen Kommission von Klimaneutralität können wir nur mit der Nutzung der erneuerbaren Energien erreichen. Niedersachsen als Windenergieland Nummer Eins kann hier einen wichtigen Beitrag leisten", ergänzte die Niedersächsische Ministerin für Europaangelegenheiten, Birgit Honé. „Niedersachsen besitzt ein beeindruckendes Potenzial - sowohl bei der Herstellung, der Nutzung als auch bei der Speicherung von grünem Wasserstoff. Wir haben die erneuerbaren Energien vor Ort, um grünen Wasserstoff zu erzeugen und wir sind bereits heute überall im Land mit Projekten gut aufgestellt, um die Potenziale zu nutzen." Schon jetzt geht Niedersachsen mit gutem Beispiel voran und fördert Pilot- und Demonstrationsvorhaben der grünen Wasserstoffwirtschaft mit 75 Mio. € aus Corona-Investitionsmitteln.

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