Stromlieferverträge

PPA-Verträge als Schlüssel für die Energiewende

Industrie und Gewerbe betrachten langfristige Abnahmeverträge für Strom aus erneuerbaren Energien (PPA) als große Chance, zeigt eine Umfrage der Deutschen Energieagentur.

Langfristige Lieferverträge für grünen Strom (Corporate Green Power Purchase Agreements - PPA) können einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, den Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch wie von der Bundesregierung geplant bis 2030 auf 65 Prozent auszubauen. Dies ergab eine breit angelegte dena-Umfrage unter allen relevanten Marktakteuren. Danach sehen Großabnehmer aus Industrie, Gewerbe und Dienstleistungen die Stromabnahmeverträge mehrheitlich als Möglichkeit, Strom auf Basis erneuerbarer Energien langfristig zu stabilen Preisen zu beziehen und gleichzeitig die eigenen Produktionsprozesse zu dekarbonisieren. Gleichzeitig sehen die Teilnehmer aber auch Hindernisse beim Abschluss von PPA.

Wichtiges Geschäftsmodell

86 Prozent der Befragten betrachten Corporate Green PPA als wichtiges beziehungsweise sehr wichtiges Geschäftsmodell im zukünftigen Strommarkt. Potenzielle Nachfrager sehen den Bezug grüner Energie in großem Maßstab als Säule ihrer unternehmerischen Nachhaltigkeitsstrategie. Dabei spielen sowohl ökonomische als auch ökologische Überlegungen eine Rolle. 74 Prozent der Teilnehmer bewerten langfristige Preissicherung als größten Vorteil, während 72 Prozent den Bezug von grüner Energie mit Herkunftsnachweis als Motivation nennen. Für 81 Prozent der Marktakteure sind PPA vor allem als Geschäftsmodell für den Weiterbetrieb von Anlagen interessant, die nach 20 Jahren das Ende ihrer Vergütungsdauer im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) erreicht haben. 72 Prozent finden diese auch als Finanzierungsmodus für Neuanlagen relevant.

Bis 2030 werden voraussichtlich Wind-Onshore-, Photovoltaik- und Biogasanlagen mit einer Kapazität von über 51 Gigawatt aus der EEG-Vergütung fallen. Die Möglichkeiten, diese Anlagen durch neue, leistungsstärkere Anlagen zu ersetzen, sind nach Einschätzung der Befragten begrenzt. Die Mehrheit (60 Prozent) hält dies bei 20 bis 50 Prozent der Altanlagen für möglich. Umso wichtiger sind aus Sicht der dena alternative Geschäftsmodelle wie PPA. Mit ihnen könnten Altanlagen, die nicht für das sogenannte Repowering geeignet sind, länger in Betrieb bleiben.

Rechtsrahmen erschwert Entwicklung der Stromlieferung

Gleichzeitig hat die Umfrage Hindernisse und Risiken identifiziert, die aus Branchensicht die Entwicklung eines nachfrageorientierten Marktes mit PPA erschweren. Als Haupthindernisse nennen die Teilnehmer die fehlenden Erfahrungswerte in Deutschland (51 Prozent), die Komplexität der Verträge (47 Prozent) sowie die Ungewissheit staatlicher Regulierung in diesem Bereich (42 Prozent). Aus Sicht der dena führt auch die mangelnde Preistransparenz beim Abschluss von PPA besonders bei potentiellen Nachfragern zu großen Unsicherheiten.

dena-Chef fordert "neue Impulse"

„Der Ausbau der erneuerbaren Energien braucht dringend neue Impulse“, sagt Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung. „Die Lage ist ernst: Der Bau von Neuanlagen gerät immer mehr ins Stocken, vor allem bei der Windkraft an Land. Zudem verlieren immer mehr Altanlagen ab 2021 die Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz.“ Der Bedarf an erneuerbarem Strom steigt. Wenn sich diese Entwicklungen fortsetzen, werde Deutschland auch sein 2030er-Ziel zum Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung deutlich verfehlen, so Kuhlmann.

Umso wichtiger sei es deshalb, alternative Geschäftsmodelle wie PPA auf den Weg zu bringen, so Kuhlmann weiter: „Wir reden täglich über die Klimaziele, aber wir laufen Gefahr, die konkreten Veränderungen zu verschlafen. Das gilt für die Chance auf neue Geschäftsmodelle, aber auch für die Auflösung von Zielkonflikten, die dem Ausbau der erneuerbaren Energien und der dazugehörigen Infrastruktur für Energiewende und Klimaschutz immer stärker entgegenwirken."

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