Windenergie

Windbrache in NRW kritisiert neue Abstandspläne der Landesregierung

Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen arbeite mit illusorische Annahmen und realitätsfernen Zahlen bei der Windenergie, kritisiert der Landesverband Erneuerbare Energien NRW.

Der gestern veröffentlichte Zwischenbericht der Landesregierung über die Potenziale der Windenergie in NRW offenbart eine massive Einschränkung der Windenergie in Nordrhein-Westfalen. Unter den geplanten Abstandsregeln zwischen Windenergieanlagen und Wohnbebauung bliebe nicht annähernd genügend Fläche übrig, um die Klimaschutzziele zu erreichen, kritisiert der Landesverband Erneuerbare Energien in Nordrhein-Westfalen (LEE NRW).

Die Landesregierung lege ihren Berechnungen theoretische Annahmen zugrunde, die mit der genehmigungsrechtlichen Praxis nicht vereinbar seien. So würden topographische Begebenheiten gar nicht berücksichtigt und beispielsweise zu Flughäfen, Gewässern oder Autobahnen Abstände angenommen, die in der heutigen Genehmigungspraxis allesamt nicht zulässig seien.

"Ziele nicht zu erreichen"

Der Bericht suggeriere dabei, dass die Landesregierung ihre eigenen Ziele erreiche, während aus realistischer Perspektive absehbar sei, dass die getroffenen Annahmen diese Schlussfolgerung nicht zulassen. Stattdessen errechnet das LANUV in seinem deutlich realitätsnäheren sogenannten „Restriktionsszenario“ eine Potenzialfläche von gerade mal 0,22 Prozent der Landesfläche. Selbst dabei sind die Annahmen im Vergleich der aktuellen Genehmigungspraxis noch zu optimistisch gewählt. „Das Potenzial des Leitszenarios ist aufgrund völlig realitätsferner Annahmen erst recht nicht erreichbar und die dort skizzierte Flächenkulisse allenfalls Schönfärberei“, so der LEE. Zum Vergleich: Für das Erreichen der Klimaziele wären 2 Prozent der Landesfläche für die Windenergie notwendig.

Zudem offenbaren beide von der Landesregierung vorgelegte Szenarien, dass das dringend benötigte Repowering – also der Austausch ausgedienter Anlagen durch moderne und leistungsstärkere – unter den geplanten Abstandsregeln kaum mehr möglich wäre, trotz anderslautender Versprechungen der Landesregierung. Obwohl sie an längst etablierten und breit akzeptierten Standorten stehen, würden so zahlreiche Windenergieanlagen mittelfristig verloren gehen.

Rückbau droht

Da auch die übrige Flächenkulisse stark eingeschränkt werden soll, sei absehbar, dass nicht genügend Windenergie zugebaut werden kann, um bis 2030 eine nennenswerte Steigerung der Windleistung zu erreichen. Stattdessen steht ein Rückbau an. Die LANUV-Gutachter schlussfolgern selbst, dass außerhalb der Eifel und dem Paderborner-Raum praktisch kein Ausbau mehr stattfinden könnte. „Angesichts des fortschreitenden Kohleausstiegs und dem steigenden Bedarf nach mehr klimafreundlicher Energie entsteht so eine Ökostromverknappung, die sowohl den Klimaschutz als auch den Industrie- und Energiestandort NRW langfristig gefährdet“, kritisiert Reiner Priggen, Vorsitzender des LEE NRW.

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