Wirtschaft vor Naturschutz

Beschlossene Waldstilllegung hinkt hinterher

Das ZDF-Magazin Frontal 21 kritisiert die schleppende Umwandlung in naturnahe Wälder laut Biodiversitätsstrategie. 5 % müssten es jetzt in jedem Bundesland sein, doch nicht alle interessiert das.

2007 hatte die Bundesregierung in ihrer Biodiversitätsstrategie beschlossen, bis 2020 dauerhaft 5 % der Waldfläche aus der Bewirtschaftung zu nehmen. Heute sind es allerdings erst 2,8 %, berichtet das ZDF-Magazin Frontal 21. Naturschützer machen dafür den Widerstand der Forstwirtschaft verantwortlich, die keine Flächen abgeben will.

Besonders gering ist die Umsetzung laut einer Umfrage des Magazin in Bayern (1,3 %) und Baden-Württemberg (2,0 %). Nur Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Schleswig-Holstein hätten das selbst gesteckte Ziel erreicht. Alle anderen Flächenländer lägen darunter, heißt es.

In Naturwäldern soll jenen Arten ein Überleben ermöglicht werden, die auf Altbäume, Totholz und unzerschnittene Lebensräume angewiesen sind. Klar war dabei von Anfang an, dass die Stilllegungen hauptsächlich in staatlichen Wäldern stattfinden müssen; etwa die Hälfte der deutschen Wälder befindet sich im Eigentum von Bund, Ländern und Kommunen. Auf dem Papier stehen diese auch zum Ziel, in der Praxis fehlt aber die Umsetzung.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kündigte gegenüber Frontal 21 an, einige alte Waldflächen "behutsamer" zu behandeln. Die Staatsregierung werde das Grundprinzip der Staatsforste ändern, weg vom Wirtschaftswald hin zum Klimawald.

Und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann versicherte im Magazin, am Naturwald-Ziel festzuhalten. Man sei insgesamt schon auf dem richtigen Weg. Der baden-württembergische Forstminister Peter Hauk (CDU) dagegen stellte das im Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel in Frage. Im Interview mit Frontal21 lehnte Hauck das Fünf-Prozent-Ziel ab, "weil es davon ausgeht, dass wir flächenhaft Wälder stilllegen". Dies sei "nicht notwendig", da sich die biologische Vielfalt auch im Wirtschaftswald erhalten lasse, etwa durch das Alt- und Totholzkonzept der Landesforste. Hauk plädiert für schnelle Aufforstung auch mit Nadelbäumen und "neuen Baumarten, weil die heimischen nicht mehr mit dem Klima klarkommen".

Naturschützer kritisieren jedoch, dass die Landesforsten – egal wo in Deutschland - statt schützenswerter Altbestände vielfach unrentable Waldstücke in die Naturwald-Kulisse geschoben hätten. In Schleswig-Holstein und Niedersachsen seien dies sogar Birkenwälder in Mooren, obwohl die eigentlich aus Naturschutzgründen wieder vernässt und von Wald freigehalten werden sollten.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Franz Josef Aussel

Ökologischer Unsinn

Totholz ist in unseren Wäldern mehr als genug vorhanden. Diejenigen, die nach mehr verlangen, sollten in ihren Gärten mit gutem Beispiel vorangehen! Jeder Baum dessen Holz nicht verwertet wird gibt CO2 ab und der Brennwert muss durch andere Energieträger ersetzt werden.

von Diedrich Stroman

Wald ist Natur!

Deutschland, Urwald, weiter so das Narrenschiff hat noch Platz setzt alle Wichtigtuer und ungelernte Politiker drauf, und ab damit in den Urwald!!Man oh man diese Strategen müsten alle mal Hunger leiden, leider gibt's noch zu viel an Nahrung für diesen Möchtegern Experten UND Weltverbesserer dìe selber noch nie gearbeitet und Land oder Waldarbeit geleistet haben!!!Deutschland wird zur Zeit zielstrebig in den Abgrund geführt!!Weiter so, dann geht's schneller!!

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