Wenn Ihre GbR in die Gewerbefalle tappt …

Sie ist tückisch und wird für immer mehr landwirtschaftliche GbRs zur Gefahr: Die gewerbliche ­Abfärbung. Was steckt dahinter? Wie können Sie ­steuerliche Nachteile sicher vermeiden?

Zwei wichtige Trends haben sich in der Landwirtschaft weiter verstärkt:

Immer mehr Betriebe entwickeln gewerbliche Aktivitäten, z. B. in der Direktvermarktung oder bei der Photovoltaik, weil sonst das Einkommen nicht mehr reicht.

Viele Betriebe werden inzwischen als Vater-Sohn-GbR oder als Ehegatten-GbR geführt. Auch Kooperationen zwischen „fremden“ GbR-Partnern nehmen weiter zu.

Beides zusammen kann jedoch – aus steuerlicher Sicht – zur brisanten Mischung werden. Der Grund: Die erzielten Gewinne können immer nur einer Einkunftsart zugerechnet werden, entweder Landwirtschaft oder Gewerbe. Deshalb wird es kritisch, sobald in einer GbR landwirtschaftliche und gewerbliche Einkünfte zusammentreffen. Die gewerblichen Einkünfte färben dann auf die landwirtschaftlichen ab. Die Folge: Der gesamte Betrieb wird gewerblich, auch der landwirtschaftliche Teil! Das geschieht immer dann, wenn die gewerblichen Einkünfte mehr als nur „geringfügig“ sind. Die Folgen können fatal sein, wie das Beispiel im Kasten zeigt (S. 46/47).

Wichtig: Die Abfärbe-Problematik betrifft nur Personengesellschaften. Neben landwirtschaftlichen GbRs sind dies auch Betriebe, die in der Rechtsform einer KG, GmbH & Co.KG oder OHG geführt werden.

Nicht gefährdet sind sonstige Mitunternehmerschaften, wie sie auch in der Landwirtschaft häufiger vorkommen. Beispiele: Erbengemeinschaften, Bruchteilsgemeinschaften, aber auch Betriebe, die von beiden Ehegatten im Rahmen einer Gütergemeinschaft bewirtschaftet werden. Diese können nebeneinander z. B. landwirtschaftliche und gewerbliche Einkünfte haben, so dass hier gewerbliche Aktivitäten nicht auf den landwirtschaftlichen Betrieb „abfärben“.

Zwei Fälle sind es, die in der Praxis immer häufiger zu steuerlichen Problemen führen:

Eine landwirtschaftliche GbR entwickelt selbst gewerbliche Aktivitäten. Beispiele: Übernahme von Kommunalarbeiten, Wurst- und Fleischverkauf im Rahmen der Direktvermarktung.

Die GbR wird zwar nicht selbst gewerblich tätig, beteiligt sich aber an anderen Gesellschaften, die gewerblich sind. Beispiel: Eine landwirtschaftliche GbR beteiligt sich an einer Maschinengemeinschaft, die gewerbliche Einkünfte erzielt, weil sie z. B. im größeren Rahmen auch für Nicht-Mitglieder oder für Nicht-Landwirte (z. B. Kommunen) tätig wird.

In beiden Fällen wird die landwirtschaftliche GbR durch die Gewerblichkeit „infiziert“. Dies lässt sich nur vermeiden, wenn Sie rechtzeitig gegensteuern, um die gewerbliche Abfärbung zu vermeiden. Im Prinzip gibt es dazu zwei sichere Strategien:

Die gewerblichen Aktivitäten werden aus der landwirtschaftlichen GbR ausgelagert, z. B. in eine zweite GbR.

Die gewerblichen Aktivitäten bzw. Beteiligungen werden nicht von der landwirtschaftlichen GbR als Ganzes durchgeführt, sondern von einem oder mehreren ihrer Gesellschafter, jeweils im eigenen Namen und auf eigene Rechnung.

Allerdings sind bei der Umsetzung dieser Strategien einige Fallstricke zu beachten, wie die folgenden Beispiele zeigen.

D Zweite GbR für Photovoltaik-Anlage

Beispiel 1: Zwei Milcherzeuger haben gemeinsam einen größeren Laufstall errichtet. Der Betrieb wird in der Rechtsform einer GbR bewirtschaftet. Jetzt soll auf dem Kuhstall-Dach eine Photovoltaik-Anlage installiert werden. Geschieht dies durch die landwirtschaftliche GbR, kommt es zur gewerblichen Abfärbung.

Lösung: Für den Betrieb der Photovoltaik-Anlage gründen die beiden Milcherzeuger eine zweite, separate GbR. Diese wird mit der Solarstrom-Erzeugung gewerblich tätig. Eine negative Rückwirkung (gewerbliche Abfärbung) auf die landwirtschaftliche GbR gibt es nicht, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:

Die zweite GbR muss als eigenständige Gesellschaft auftreten.

Zwischen der landwirtschaftlichen und der gewerblichen GbR dürfen keine entgeltlichen Pacht- oder Mietverträge (z. B. über die Dachnutzung für die...