„Kein Überfluss von Umstellungsgetreide mehr“

Ob Saatgut, Futter oder Mehl – Gut Rosenkrantz aus Schleswig-Holstein handelt und verarbeitet Biogetreide, -leguminosen und -körnermais. Im Interview geben Johanna und Louisa von Münchhausen Tipps zur Bioumstellung und nennen aktuelle Preise.

Neben Ware von Bioland, Naturland, Demeter und Bio-Suisse verarbeiten und handeln Sie auch EU-Ökoware. Was raten Sie einem Landwirt, der überlegt, auf Bio umzustellen?

Johanna von Münchhausen: Ich rate allen Landwirten, sich wegen der Vermarktungsvorteile bei einem Verband anzuschließen. Jeder sollte sich zudem fragen, ob er einen regionalen Nährstoffkreislauf darstellen kann, und ausreichend Lagermöglichkeiten für die Vermarktung sowie Liquidität für die Umstellungszeit hat. Auch Überzeugung spielt eine Rolle: Niemand sollte deshalb Biolandwirt werden, weil „die Gesellschaft das will“. Wichtig ist auch eine gute Ökoberatung – das scheint manchmal zu fehlen.

Wie äußert sich das Beratungsdefizit?

Johanna von Münchhausen: Oft fehlt schlicht Wissen. Viele kennen die FiBL-Liste über z.B. zugelassene Ökodüngemittel nicht, oder wissen nicht, dass Bittersalz für den Ökolandbau zugelassen ist. Manchmal ist auch nicht bekannt, dass Gärreste aus NaWaRo-Biogasanlagen als Düngemittel erlaubt sind. Teilweise bauen Landwirte in der Umstellungszeit Umstellungsroggen (U-Roggen), U-Hafer oder U-Dinkel an. Das macht aber keinen Sinn, denn Brotgetreide aus der Umstellung lässt sich auf dem Biomarkt nicht vermarkten – da landet man direkt beim konventionellen Preis. Das sind teure Fehler, die eine gute Bioberatung vermeiden kann.

Welchen Verband empfehlen Sie?

Johanna von Münchhausen: Besonders Ackerbaubetrieben sage ich: Schau Dir die Nachbarn an! Wo bekommt man Nährstoffe her, wo kann man kooperieren? Die Verbandsrichtlinien unterscheiden sich in einigen Punkten. Gut Rosenkrantz vermarktet derzeit überwiegend Biolandware, aber Naturland holt auf.

Was sollten Landwirte in der Umstellungsphase anbauen?

Johanna von Münchhausen: Ich empfehle Körnermais, Körner- und Futterleguminosen sowie Weizen für die Futternutzung.

Louisa von Münchhausen: Manche Betriebe bauen in der Umstellung auch konventionelle Früchte an, z.B. Hafer, wenn eine Schälmühle in der Nähe ist.

Wie wirkt das neue Biorecht auf die Anbauplanung in der Umstellung?

Louisa von Münchhausen: Das neue Biorecht gilt ab dem 1.1.2022. Es gibt aber noch keine Rechtssicherheit im Futterbereich. U-Ware dürfen wir bisher zu 30% im Biofutter einsetzen, ab Januar 2022 sind vermutlich nur noch 25% erlaubt. Immerhin, denn zuerst drohte ein komplettes Verbot von U-Ware in Biofutter, außer als Futter im eigenen Betrieb. Das wäre für Ackerbaubetriebe katastrophal gewesen. Wichtiger wird im neuen Biorecht die Regionalität: Statt bislang 20% müssen in Futtermischungen nun 30% regional sein, also aus...