PV-Anlagen richtig bewerten

Was ist Ihre Photovoltaik-Anlage eigentlich wert? Diese Frage stellt viele Landwirte immer wieder vor eine Herausforderung, z.B. bei einem Erbe oder wenn sie Geschwister nachabfinden müssen.

Für viele Landwirte ist die Solarstromproduktion zu einem weiteren Betriebszweig geworden. Entsprechend gut kennen Sie sich mit der Technik aus. Doch wenn es darum geht, was die Anlage eigentlich wert ist, herrscht Unsicherheit. Dabei muss sich fast jeder Betreiber früher oder später einmal damit auseinandersetzen, den Wert der Anlage richtig zu bestimmen:

  • Erbschaft: Wenn Sie die PV-Anlage nur einem Kind vererben wollen, die weichenden Erben aber angemessen abfinden möchten. Oder wenn Sie die gewerbliche Anlage Ihrer Eltern erben und die Höhe der Erbschaftsteuer abschätzen wollen.4

  • Nachabfindung: Häufig kommt es vor, dass der Nachfolger erst nach der Hofübergabe eine gewerbliche PV-Anlage installiert. In diesem Fall muss er nach der nordwestdeutschen Höfeordnung die weichenden Erben nachabfinden und die künftigen Erlöse der Anlage mit seinen Geschwistern teilen. Das gilt auch für die 2019 eingeführte brandenburgische Höfeordnung. Wir zeigen Ihnen anhand zweier Beispiele aus der Praxis, wie Sie Ihre PV-Anlage richtig bewerten.5

1. Anlage vererben

Wollen Sie die Höhe eines Pflichtteilsanspruchs nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) bestimmen, müssen Sie hierfür den Verkehrswert der PV-Anlage zugrunde legen. Das ist der Wert, den ein Dritter bereit wäre, für die Anlage zu zahlen. Weil in der Regel keine Angebote von Käufern vorliegen oder ein Marktwert für die Anlage bestimmt werden kann, empfehlen Steuerberater, sich am sogenannten Bewertungsgesetz (BewG) zu orientieren. Mit den im BewG vorgesehenen Methoden können Sie den Verkehrswert Ihrer Anlage schätzen. Danach entspricht der Verkehrswert dem Ertragswert. Sie dürfen aber einen sogenannten Mindestwert nicht unterschreiten. Was damit gemeint ist, zeigt unser Beispiel:

Bei Familie Wolf (entfremdetes Beispiel) steht der Generationswechsel an. Senior Wilhelm hatte die Hofübergabe des Milchviehbetriebes zum 31.12.2020 an seine Tochter Marlen geplant. Neben der Tierhaltung und dem Ackerbau betreibt er eine 30 kW-PV-Anlage.

Da er den gesamten Strom veräußert und nicht im landwirtschaftlichen Betrieb nutzt, handelt es sich um eine gewerbliche Anlage. Die Anlage gehört damit nicht zu dem nach Höfeordnung bzw. Landguterbrecht privilegierten Hofvermögen. Der Landwirt muss sie davon gesondert nach allgemeinem Erbrecht betrachten: Bei der Übergabe des betrieblichen Vermögens zu Lebzeiten (vorweggenommene Erbfolge) haben die weichenden Erben zunächst keinen Anspruch auf eine Abfindung.

Sollte der Senior jedoch innerhalb von zehn Jahren nach der Übergabe sterben und machen die weichenden Erben dann angesichts des bereits zu Lebzeiten verschenkten Vermögens Pflichtteilsrechte geltend, müsste die Tochter Marlen den weichenden Erben einen Pflichtteils-Ergänzungsanspruch zahlen. Das will der Landwirt verhindern. Zudem möchte er seiner zweiten Tochter eine angemessene Summe zukommen lassen und eine für alle Seiten gerechte Vermögensaufteilung bei der Übergabe finden. Im Gegenzug soll die zweite Tochter als weichende Erbin im Rahmen des notariellen Übergabevertrages auf ihren Pflichtteil verzichten. Somit wäre die Hoferbin vor der Geltendmachung nachträglicher Pflichtteilsansprüche geschützt.

Zwei Rechnungen

Wolf muss zwei Rechenwege vornehmen, um den Wert seiner Anlage und die Höhe einer Ausgleichszahlung an die zweite Tochter zu ermitteln. Zuerst berechnet er den Wert nach dem Substanzwert (Mindestwert), anschließend nach dem Ertragswert. Für die Ermittlung des Verkehrswerts muss er dann den höheren Wert auswählen, damit es keinen Ärger mit dem Fiskus gibt. ▶

  • Bewertung mit Substanzwert (Mindestwert): Den Mindestwert der PV-Anlage ermittelt er zu einem Stichtag, hier dem Tag der Hofübergabe, der 31.12.2020. Um ihn zu berechnen, muss Wolf die Besitzpositionen mit den Schulden gegenrechnen:13
  • Zunächst erfasst der Landwirt die Besitzpositionen. Dazu benötigt er den...

top agrar plus

Mit top+ weiterlesen

top agrar
Digital

Monatsabo

9,80 EUR / Monat

1. Monat kostenlos

  • Tagesaktuelle Nachrichten, Preis- und Marktdaten
  • Exklusive Beiträge, Videos und Hintergrundinfos
  • Artikel kommentieren und mitdiskutieren
  • Preisvorteile auf Webinare und Produkte
Jetzt abonnieren
top agrar
Digital + Print

Jahresabo

124,20 EUR / Jahr

Sehr beliebt

  • Alle Vorteile des Digitalabos
  • 12x pro Jahr ein Heft
  • Zusätzliche Spezialteile Rind und Schwein wählbar
  • Kostenlose Sonderhefte
Jetzt abonnieren
top agrar
Digital

Jahresabo

117,60 EUR / Jahr

Spare 6% zum Monatsabo

  • Tagesaktuelle Nachrichten, Preis- und Marktdaten
  • Exklusive Beiträge, Videos und Hintergrundinfos
  • Artikel kommentieren und mitdiskutieren
  • Preisvorteile auf Webinare und Produkte
Jetzt abonnieren
Bereits Abonnent?