Vielfalt muss sich lohnen

Weite Fruchtfolgen sind im Kommen. Doch rechnen sie sich? Darüber entscheiden vor allem Fruchtfolgeeffekte zwischen den Kulturen, die oft unterschätzt werden.

Ackerbohne, Soja, Roggen – die Anbaufläche alternativer Kulturen neben Weizen, Gerste und Raps ist in der Vergangenheit stetig gestiegen. Landwirte erweitern ihre Fruchtfolgen – selbst nach ernüchternden Anbauerfahrungen in Trockenjahren und (noch) unterentwickelten Absatzmöglichkeiten für die Nischenkulturen. Wie rechnen sich weite Fruchtfolgen vor diesem Hintergrund?

Wer für den Deckungsbeitrag seiner Fruchtfolge nur den Durchschnitt der Standarddeckungsbeiträge der einzelnen Kulturen heranzieht, unterschlägt dabei die Vorzüge einer weiten Fruchtfolge. Denn die Wechselwirkungen neuer Kulturen auf bewährte Früchte sind nicht zu unterschätzen:

  • Weniger Krankheiten: Kohlhernie im Raps, Fusarien sowie Halm- und Wurzelkrankheiten im Getreide treten in weiten Fruchtfolgen durch längere Anbaupausen deutlich seltener auf.
  • Geringerer Ungrasdruck: Besonders resistente Ungräser wie Ackerfuchsschwanz lassen sich durch den Anbau von Sommerungen in Schach halten.
  • Weniger Resistenzen: Enge Getreidefruchtfolgen begünstigen Fungizidresistenzen. Weite Fruchtfolgen mit Wechsel von Halm- und Blattfrüchten beugen diesen vor, weil der Selektionsdruck mit weniger Maßnahmen sinkt.
  • Bessere N-Bilanz: Raps und Getreide können hohe N-Überschüsse haben. Mit Kulturen wie Mais, Hafer oder Roggen in weiten Rotationen lässt sich die N-Bilanz verbessern, weil sie den im Boden mineralisierten Stickstoff besonders effizient nutzen.
  • Mehr Ertrag: Gleichzeitig steigen die Erträge der bewährten Kulturen und schwanken weniger in der erweiterten Fruchtfolge. Die Kosten für Pflanzenschutz und Arbeitserledigung sinken.

Wie sich diese positiven Effekte auf die Fruchtfolge auswirken, zeigen wir anhand der einzelnen Früchte in Übersicht 1. Dort vergleichen wir Sommerungen und Winterungen mittels ihrer direkt- und arbeitskostenfreien Leistung (DAL). Die oben genannten positiven Wirkungen der einzelnen Kulturen auf die Folgekulturen bewerten wir mit dem Fruchtfolgewert in €/ha.

Beispiel: Der Ackerbohne haben wir mit 160 €/ha einen hohen Fruchtfolgewert gegeben. Als Sommerung senkt sie den Ungrasdruck und bringt Stickstoff in den Boden, den die Folgekultur aufnehmen kann. Die Zuckerrübe hat dagegen einen negativen Wert. Die Reihenkultur ist ein Humuszehrer, auch wenn das Blatt auf dem Acker bleibt. In einem nassen Spätherbst drohen Strukturschäden durch die Ernte. Das müssen Landwirte über Zwischenfrüchte und die Bodenbearbeitung ausgleichen. Der Fruchtfolgewert drückt diese Effekte in Zahlen aus. Ohne den Fruchtfolgewert beträgt die DAL-Differenz zwischen Ackerbohne und Zuckerrübe 422 €/ha, mit...