Auf Bio Umstellen?

Wie tickt der Biomarkt? Premium

Die Verbraucher geben immer mehr Geld für Biolebensmittel aus – wo Biobetriebe profitieren können, erklärt Diana Schaack von der AMI.

top agrar-Serie

Was muss ich produzieren, um als Biobetrieb wirtschaftlich zu sein? Diese Frage stellt sich wohl jeder Umsteller. Sich ein Bild von den Chancen auf dem Biomarkt zu verschaffen, ist für Umstellungswillige aber nicht gerade einfach. Denn der Biomarkt funktioniert anders als der konventionelle:

  • Der Markt ist klein, Einsteiger sorgen leicht für Ungleichgewichte.
  • Oft sind unterschiedlichste Qualitäten gesucht. Landwirt und Verarbeiter stimmen sich oft sehr eng ab.
  • Biolandwirte handeln sehr viel untereinander, auch sind Tauschgeschäfte wie insbesondere Futter-Mist-Kooperationen gang und gäbe.
  • Große Erfasser steigen erst jetzt in den Markt ein, teilweise fehlt Infrastruktur wie dezentrale Lagerkapazitäten mit vielen Lagerzellen.
  • Durch das Wachstum des Bio-Marktes tummeln sich viele noch unerfahrene Akteure im Markt.
  • Durch die vielen Verbände und EU-Bio spaltet sich der Markt zusätzlich auf.
  • Notierungen von zentralen Produktbörsen wie etwa der Matif in Paris oder eine offizielle Preisfindung über die Landwirtschaftskammern, die für Transparenz sorgen, gibt es nicht.

Das alles macht den Biomarkt zunächst einmal intransparenter. Dazu kommt: Durch die Umstellungswelle seit 2016/17 mussten manche Umsteller ihr Getreide im Herbst 2019 zu konventionellen Preisen vermarkten. Nun fürchten viele Landwirte, dass die Politik bei der Ausweitung von Bio zu sehr auf das Tempo drückt und die Preise für Biowaren sinken.

Einzelhandel: 11% Wachstum

Andererseits gibt es vom Biomarkt auch ein ganz anderes Bild. Er wächst mit Wachstumsraten, von denen andere Wirtschaftsbereiche nur träumen können: Im Jahr 2019 stiegen die Verbraucherausgaben von 10,91 Mrd. € um knapp 10% auf 11,97 Mrd. €, wie Übersicht 1 zeigt. Vor allem der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) startet im Biogeschäft durch. So meldet der Discounter Lidl ein Jahr nach Beginn der Kooperation mit Bioland einen Wachstumssprung von 40% im Biosegment. Insgesamt setzten Discounter und Vollsortimenter knapp 60% der gesamten Biowaren ab. Aber auch der traditionelle Naturkosthandel wächst. Alles gute Botschaften, die Frage ist aber: Wo liegen hier Chancen für heimische Biobetriebe? Wo lassen sich hohe Importe zu angemessenen Preisen durch inländische Ware ersetzen?

Wo stehen die Produkte?

Die einzelnen Marktsegmente stellen sich derzeit wie folgt dar:

Gemüse: Stark nachgefragt sind weiterhin Kartoffeln, Gemüse und Obst. Alle LEH-Ketten haben ihre betreffenden Sortimente ausgeweitet. Die Importraten sind immer noch hoch, teils höher als im konventionellen Bereich. Gäbe es mehr Kartoffeln, Äpfel, Zwiebeln aus heimischem Angebot, könnte der Handel auf ausländische Frühkartoffeln und Überseeäpfel verzichten.

Milch: Trotz Mengensteigerung sind die Biomilchpreise nahezu stabil geblieben (s. Übersicht 2). Im Jahr 2019 lagen sie durchschnittlich bei 47,4 ct/l nach 48,37 ct/l im...

Verpassen Sie nichts mehr!

Erhalten Sie Zugriff auf diesen und alle weiteren relevanten Beiträge sowie auf unsere exklusiven Newsletter. Testen Sie jetzt ganz unverbindlich.

30 Tage kostenlos testen

Das könnte Sie auch interessieren


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Auf Kommentar antworten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen