Agrarsektor kritisiert neuseeländische Klimaschutzziele

Neuseeland will bis 2050 klimaneutral werden. Ein Gesetzentwurf der Regierung sieht auch einen deutlichen Rückgang der Methangasemissionen aus der Landwirtschaft vor. Agrarverbände fürchten einen dafür notwendigen Bestandsabbau in der Tierhaltung.

Im neuseeländischen Parlament ist am vergangenen Mittwoch ambitionierter Gesetzentwurf vorgestellt worden, nach welchem das Land bis 2050 klimaneutral werden soll. Vorgesehen ist dabei, den fossilen CO2-Ausstoß auf Nettonull zu senken. Für die landwirtschaftlichen Methanemissionen wird - ausgehend von 2017 - bis 2030 eine Reduktion von 10 % und bis 2050 eine später noch genau festzulegende Senkung zwischen 24 % und 47 % vorgeschrieben. Premierministerin Jacinda Ardern betonte, dass Neuseeland mit dem Gesetz dazu beitragen werde, die durchschnittliche globale Erwärmung auf 1,5 °C Grad Celsius zu begrenzen. Der Landwirtschaft und der oppositionellen Nationalpartei ist insbesondere das Ausmaß der Senkung von Methanemissionen ein Dorn im Auge. „Wir sind nicht überzeugt, dass die vorgeschlagene Reduktion von Methan um 24 % bis 47 % nötig ist, denn sie geht über glaubwürdige wissenschaftliche Empfehlungen hinaus und hat gravierende Folgen für die Tierhalter“, erklärte Oppositionsführer Simon Bridges. Der Vizepräsident des neuseeländischen Bauernverbandes, Andrew Hoggard, merkte an, dass mit der Methanreduktion und der zusätzlich geforderten Senkung der Lachgasemissionen auf Null die Landwirtschaft gezwungen sei, die Produktion herunterzufahren und Tierbestände abzuschaffen.

Landwirtschaft benachteiligt

Nach Regierungsangaben stammt knapp die Hälfte der Treibhausemission in Neuseeland aus der Landwirtschaft. Klimaschutzminister James Straw erklärte, dass die Land- und Agrarwirtschaft wirtschaftlich eine hohe Bedeutung für das Land habe, sie aber auch „Teil der Lösung im Kampf gegen den Klimawandel“ sein müsse. Das sieht auch der Bauernverband so und verwies auf den bereits geleisteten Beitrag der Farmer gegen die Erderwärmung, der noch intensiviert werden solle. Allerdings dürfe es keine Ungleichbehandlung der Sektoren mit einer Benachteiligung der Landwirtschaft geben, die zu einer Aufgabe der Weidewirtschaft führe, forderte Hoggard.

Ziele laut Fleischwirtschaft nicht umsetzbar

Auch bei anderen Verbänden der Land- und Ernährungswirtschaft stießen die Klimaschutzpläne der Regierung bezüglich der Methanreduktion auf Vorbehalte. Der Geschäftsführer des Fleischindustrieverbandes (MIA), Tim Ritchie, erklärte, dass die Emissionssenkungen mit der derzeitigen Technologie nicht möglich seien und deshalb nur durch den Abbau von Viehherden erreicht werden könnten. „Dies wird dem Land enorme wirtschaftliche Kosten auferlegen und viele regionale Gemeinschaften bedrohen, die von der Weidelandwirtschaft abhängig sind", so Ritchie. Der Vorsitzende der Branchenorganisation Beef+Lamb New Zealand (B+LNZ), Andrew Morrison, wies darauf hin, dass die Emissionen im Sektor Schaf- und Rindfleisch seit 1990 bereits um 30 % zurückgegangen seien. Nun verlange die Regierung im Gesetz eine stärkere Methanreduktion, als von Wissenschaftlern empfohlen werde; sie gehe zudem über den vergleichbaren Beitrag anderer Sektoren hinaus. Ein sinnvoller Ansatz wäre, bis 2050 den Ausstoß von CO2 und Lachgas auf Nettonull zu bringen und bei Methan eine Senkung zwischen 10 % und 22 % zu erreichen, schlug Morrison vor.

Molkereibranche befürchtet Produktionsverlagerung

Der neuseeländische Milcherzeugerverband (DairyNZ) und der Molkereiverband (DCANZ) bekräftigten beide, weiterhin die Treibhausemmission senken zu wollen und die Regierung bei ihrem Ziel der Klimaneutralität zu unterstützen. DairyNZ-Geschäftsführer Tim Mackle forderte jedoch einen wissenschaftsbasierten Ansatz, bei dem die Reduktionsziele aufgrund der Wirkung auf die Erwärmung festgelegt werden. Die Einsparung von Methan in einem Bereich von 24 % bis 47 % bis zum Jahr 2050 basiere jedoch auf globalen Szenarien, die nicht zu Neuseeland passten und über wissenschaftliche Empfehlungen hinausgingen. Der Molkereiverband zeigte sich ebenfalls besorgt, dass die Produktion dadurch aus Neuseeland an Orte mit höheren Emissionen verlagert werden könnte. Das hätte weitreichende Konsequenzen, denn die Milchexporte machten 20 % der neuseeländischen Exporterlöse aus und der Milchsektor sei ein wichtiger Wirtschaftsbereich, hieß es.

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