BMEL: „Wir wollen die Zuckerproduktion in Deutschland halten!“

„Wir wollen die Zuckerproduktion auch nach Ende der Quotenregelung in Deutschland und Europa halten.“ Das sagte Dr. Friedrich-Wilhelm Kuhlmann, der für den Zuckermarkt zuständige Referatsleiter im Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL), bei der Eröffnung des Workshops „Zuckermarkt nach 2017“ in dieser Woche in Bonn.

„Wir wollen die Zuckerproduktion auch nach Ende der Quotenregelung in Deutschland und Europa halten.“ Das sagte Dr. Friedrich-Wilhelm Kuhlmann, der für den Zuckermarkt zuständige Referatsleiter im Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL), bei der Eröffnung des Workshops „Zuckermarkt nach 2017“ in dieser Woche in Bonn. Vor den 120 Experten aus der gesamten Zuckerwirtschaft betonte der Vorsitzende der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ), Dr. Hans-Jörg Gebhardt, dass die Zuckerbranche bereit sei, sich den Herausforderungen des Quotenausstiegs zu stellen.

Voraussetzung seien allerdings faire Rahmenbedingungen für die deutschen Rübenanbauer und Verarbeiter.Brüssel und Berlin müssten hier noch einige Hausaufgaben machen. Es passe nicht zusammen, wenn sich die EU penibel an die WTO-Vereinbarungen halte, während andere WTO-Mitglieder mehr oder weniger ungestraft in ihre Zuckermärkte eingriffen und zudem über Freihandelsabkommen weitere Einfuhrzugeständnisse in Richtung EU drohten.

Aber auch innerhalb der EU gebe es über die Option gekoppelter Direktzahlungen für Zuckerrüben, die 10 Mitgliedstaaten nutzten, massive Verzerrungen zulasten der deutschen Rübenanbauer. Dieses Geld solle besser in den EU-weiten Restrukturierungsfonds fließen, mit dem man seit 2006 gute Erfahrungen gemacht habe.

EU-Agrarreform wird nicht aufgeschnürt

Dr. Jens Schaps von der EU-Kommission machte den Anwesenden allerdings wenig Hoffnung auf ein baldiges Ende der gekoppelten Direktzahlungen für Rüben. Es sei zwar nicht ausgeschlossen, dass dieser Punkt bei der Überprüfung der Agrarreform in 2017 auf den Tisch komme. „Die vom Agrarministerrat zur Begleitung des Quotenausstiegs eingesetzte Expertengruppe hat allerdings kein Mandat, die Entscheidungen zur EU-Agrarreform wieder aufzuknüpfen“, so der Marktexperte von der Generaldirektion Landwirtschaft.

Solange es die internationalen und europäischen Wettbewerbsverzerrungen gebe, müsse der EU-Außenschutz für Zucker fortbestehen, betonten Bernhard Conzen, Präsident der Europäischen Rübenanbauer und Markus Neundörfer von der Südzucker gleichermaßen. Beide sprachen sich auch eindeutig für den Erhalt des kollektiven Verhandlungsmandats der Anbauerverbände aus.

Den Zuckernachfragern geht die Liberalisierung des EU-Zuckermarktes nach dem Ende der Quote dagegen noch nicht weit genug. „Auch nach dem Ende der Zuckerquote wird sich die Süßwarenindustrie über die europäische Zuckerindustrie mit Rohstoff versorgen. Die Süßwarenindustrie ist aber besorgt, dass in Zeiten rapide steigender Weltmarktpreise auch nach dem Ende der Quote noch immer keine ausreichende Rohstoffversorgung haben“, befürchtet zum Beispiel Karsten Daum vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie.

Deshalb müsse der extrem hohe Außenschutz abgesenkt und die Möglichkeit geschaffen werden, wenn nötig Zucker unbürokratisch aus Drittstaaten beziehen zu können. „Wenn das nicht gelingt, drohen Produktionsverlagerungen nach Übersee“, ergänzt Artur Müller von Evonik. Bei der Herstellung von Fermentationsprodukten auf Basis von Zucker sei dieser Trend schon zu beobachten. 

Die zehn wichtigsten Ergebnisse des BMEL-Workshops

  1. Der EU-Zuckerpreis wird nach Ende der Quote fallen.
  2. Die Branche muss sich künftig auf stärker schwankende Zuckerpreise einstellen. Die EU-Zuckerproduktion wird aber gehalten oder sogar steigen, allerdings regional sehr unterschiedlich.
  3. Bei volatilen Preisen gewinnen die Terminmärkte für Zucker künftig an Bedeutung. 
  4. In Deutschland wird die Produktion in Abhängigkeit vom Preis stärker schwanken als bisher. Bei Isoglucose droht der Verlust von Marktanteilen.
  5. Unterm Strich werden die Margen bei der Zuckerproduktion für Anbauer und Verarbeiter enger.
  6. Deshalb ist es wichtig, die Produktionseffizienz zu heben. Züchterisch gibt es bei Rüben noch erhebliche Ertragspotenziale.
  7. Rübenanbauer und Verarbeiter drängen auf den Abbau europäischer und internationaler Wettbewerbsverzerrungen.
  8. Gegenwärtig sieht es aber so aus, als würden die gekoppelten Direktzahlungen für Zucker mindestens bis 2020 bestehen bleiben. 
  9. Auf der Nachfrage-Seite macht sich die zuckerverarbeitende Industrie trotz Wegfall der Zuckerquote Sorgen um die Versorgung mit Rohstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen und fordert den Abbau des strengen EU-Außenschutzes.
  10. Entscheidend für den Absatz von Zucker ist auch sein künftiges Image. Die Branche tut alles, dieses zu halten und zu fördern.