Brexit: Wie geht’s weiter an der irisch-nordirischen Grenze?

Das hatten sich die Molkereien Ballyrashane aus Nordirland und Monaghan Creamery aus Irland im Sommer 2015 anders vorgestellt: Damals fusionierten sie, um den ganzen Nordwesten Irlands mit heimischen Milchprodukten schlagkräftig und wettbewerbsfähig versorgen zu können. Im Binnenmarkt der EU kein Problem.

Das hatten sich die Molkereien Ballyrashane aus Nordirland und Monaghan Creamery aus Irland im Sommer 2015 anders vorgestellt: Damals fusionierten sie zu LacPatrick, um den ganzen Nordwesten Irlands mit heimischen Milchprodukten schlagkräftig und wettbewerbsfähig versorgen zu können. Im Binnenmarkt der EU kein Problem.
 
Nur mit dem bevorstehenden Brexit ist inzwischen nicht einmal mehr klar, ob das Unternehmen bald Zölle auf Milch bezahlen muss, die in südirischen Ställen gemolken und in nordirischen Molkereien verarbeitet wird, berichtet Spiegel-Online. So gehe es etlichen mittelständischen Betrieben entlang der irischen Grenze. Manche würden sich vorsorglich aus dem anderen Landesteil zurückziehen, andere Dependancen eröffnen, wo sie bisher keine brauchten.

Seit dem Friedensschluss von 1998 existiere die Grenze nur noch in den Köpfen. Was Produktion, Arbeitsplätze oder den täglichen Einkauf angeht, sei die Insel längst zusammengewachsen, heißt es. Das habe auch die gegenseitige Abhängigkeit vertieft. Die Handelsbilanz zwischen den irischen Landesteilen fällt nach Spiegel-Informationen leicht zugunsten des Nordens aus. Im Augenblick sei das vorteilhaft, doch wenn es zu Zollzahlungen käme, wäre das schnell vorbei - der kleine Norden ist vom Süden weit abhängiger als umgekehrt.

Viele Geschäftsleute seien nun von der Hängepartie und den unsicheren Zukunftserwartungen genervt. Der Industrieverband der Hersteller soll bereits offen damit drohen, dass Firmen das Land Richtung EU verlassen könnten. Und Simon Coveney, Außenminister der Republik Irland, machte bereits in London klar, dass sein Land Zölle an der irischen Grenze nicht tolerieren werde. Wenn man eine harte Grenze vermeiden wolle, müsse es auch nach dem Brexit eine Sonderregelung für die irischen Landesteile geben.

Das Thema birgt allerdings gefährlichen Zündstoff für den längst beendet geglaubten Nordirland-Konflikt: Denn wer katholisch ist und sich als Ire fühlt, ist gegen den Brexit. Wer Protestant ist und die Union mit Britannien befürwortet, ist prinzipiell dafür, erklärt das Magazin weiter. Auch die rechtslastige nordirische Democratic Unionist Party DUP habe den Brexit unterstützt, wolle jetzt aber Nachteile genauso verhindern wie die katholisch-republikanische Sinn Fein Partei. Über allem stehe „das Gespenst einer Wiedervereinigung von Irland mit Nordirland“, heißt es in dem Artikel. Auch fast 20 Jahre nach dem Friedensschluss könnte sich daran der Konflikt neu entfachen, in dem sich DUP und Sinn Fein als Gegner gegenüberstanden.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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