Danish Crown schleust tausende Besucher durch gläsernen Schlachthof

Während die Fleischunternehmen bei den deutschen Verbrauchern das Thema Schlachtung nach Möglichkeit nicht ansprechen, geht der dänische Fleischkonzern Danish Crown im eigenen Land radikal offen damit um. Im laut Eigenwerbung "modernsten Schlachthof der Welt" in Horsens werden täglich 20.000 Schweine geschlachtet.

Während die Fleischunternehmen bei den deutschen Verbrauchern das Thema Schlachtung nach Möglichkeit nicht ansprechen, geht der dänische Fleischkonzern Danish Crown im eigenen Land radikal offen damit um. Im laut Eigenwerbung "modernsten Schlachthof der Welt" in Horsens werden täglich 20.000 Schweine geschlachtet, zerlegt und verpackt; und selbst Schulklassen bekommen alle Schritte zu sehen, berichtet Spiegel Online nach einem Rundgang durch das Werk.

Das Unternehmen habe dazu einen Besucherrundgang gebaut, der immer vier Meter oberhalb der Arbeiter verläuft. Besuchsgruppenleiterin Agnete Poulsen führt hier jeden Tag hunderte Besucher entlang und erklärt jeden Prozessschritt. Jede Frage wird beantwortet, Fotografieren ist ausdrücklich erlaubt. "Wir erzählen hier keine Geschichten, wir zeigen, was ist", sagt Poulsen. "Das ist hier eine Industrie." Generell geht Dänemark mit Massentierhaltung und industrieller Nahrungsmittelproduktion anders um als Deutschland. Das pausenlose Schlachten, Zerlegen, Entbeinen auf der anderen Seite der dicken Glasscheiben, die die Besucher von der Halle trennt, bleibt dem Betrachter aber dennoch merkwürdig fern, heißt es im Spiegel weiter.

Nur bei den Eingeweiden erblassen die ersten Besucher, manche halten sich Tücher vor die Nase, denn der Geruch dringt selbst durch die Doppelverglasung hindurch. Es ist die einzige Stelle, an der die Realität rücksichtslos in das saubere Besuchsprogramm drängt.

Die Unternehmensführung soll denn auch zu Beginn der Planungen zu einem gläsernen Schlachthof skeptisch gewesen sein, die PR-Abteilung gar panisch. Zu Unrecht: Das Interesse ist riesig, in Reisebussen kommen Dänen und auch immer mehr ausländische Besucher zu den kostenlosen Führungen, so das Magazin weiter. Die Gesamtzahl der Besucher nähere sich der Marke von 200.000, ein Viertel davon Schulkinder. Alle gehen die gesamte Runde, stellt Agnete Poulsen klar. Soll heißen: vom Schwein bis zum Schinken, Tötung inklusive.

Dabeisagen muss man allerdings auch, dass dieser Schlachthof speziell für das Besucherauge gebaut wurde und ein Vorzeigebetrieb ist. Von außen gleicht der Flachbau einem Logistikzentrum. Innen könnte das schlichte Gebäude im kühlen Design, mit nackten Betonwänden, gedeckten Farben und großen Fenstern zu grünen Innenhöfen auch ein dänisches Architekturbüro sein. Im Zentrum der Zerlegung dominiert eine hocheffiziente, computergesteuerte und automatisierte Produktionsstraße: Auf einem Förderband fahren große Fleischteile langsam an Arbeitern mit blauen Schürzen, weißen Arbeitsschuhen und groben Kettenhandschuhen vorbei, die immer gleiche Schnitte machen. Vollautomatisch sortieren Maschinen die Kisten voller Fleischstücke und befördern sie zu den Packstationen. Binnen einer knappen Stunde werden hier lebendige Schweine zu Schinken und Koteletts verarbeitet.

Auf dem zweiten Teil des Rundgangs, im "schmutzigen" Teil des Schlachthofs - wo die Tiere getötet und ausgenommen werden - haben Maschinen das Kommando: In Brennöfen werden die Borsten abgeflämmt, Hydraulikscheren trennen die Schweinefüße für den Transport nach China ab, Sägeroboter zerteilen die Schweine vollautomatisch. Weiter hinten stehen kräftige Männer mit derben Schürzen, die am Fließband Eingeweide aus den Körpern schneiden und in riesige Plastikschüsseln werfen. Hier sitzen auch die meisten der 105 staatlichen Lebensmittelkontrolleure und Veterinäre, die - anders als in Deutschland - ständig in dem Betrieb beschäftigt sind.

Tatsächlich verlassen die Besucher den Danish-Crown-Schlachthof mit dem Gefühl, dass ihr Fleisch vernünftig produziert wird. Weil der Betrieb hochtechnisiert ist, werden weniger Menschen gebraucht, die deshalb verhältnismäßig gut bezahlt werden können. Nicht gesagt wird offenbar, dass auch Danish Crown die Branche unter Druck setzt und teilweise in Deutschland schlachten und zerlegen lässt. Derzeit kann kaum ein europäisches Land mit den geringen deutschen Schlachtpreisen mithalten, vor allem wegen der niedrigen Löhne. Das ist im dänischen Vorzeigeschlachthof weit weg. Das Unternehmen soll sehr zufrieden mit der bisherigen Resonanz sein.


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