Deutschlands geheime Lebensmittellager

In diesen Tagen wird viel über den Hunger in der Welt gesprochen. Und erst im Frühjahr hatten einige Fachleute davor gewarnt, dass es wegen der weltweiten Dürren zu neuen Engpässen in der Lebensmittelversorgung kommen könnte. Doch wie sieht es bei uns aus?

In diesen Tagen wird viel über den Hunger in der Welt gesprochen. Und erst im Frühjahr hatten einige Fachleute davor gewarnt, dass es wegen der weltweiten Dürren zu neuen Engpässen in der Lebensmittelversorgung kommen könnte. Doch wie sieht es bei uns aus?

Wie der Industrieverband Agrar (IVA) in einem Beitrag schreibt, geht Deutschland seit vielen Jahrzehnten auf Nummer sicher und hat Notvorräte angelegt. Grundlage sei das Ernährungssicherstellungsgesetz und das Ernährungsvorsorgegesetz. Diese würden vorschreiben, dass ständig Lebensmittel vorgehalten werden müssen, mit denen die Bevölkerung zumindest kurzfristig versorgt werden kann, um bei Engpässen Hamsterkäufe und Panikreaktionen zu vermeiden.

Zwischen 100 bis 150 Lagerhallen soll es bei uns geben, in denen die geheimen Notfallreserven für Krisenfälle aufbewahrt werden. Weizen, Roggen und Hafer liegen laut IVA in der Bundesreserve, Getreide sowie Reis, Erbsen, Linsen und Kondensmilch in der zivilen Notfallreserve.

Verantwortlich für den Einkauf der Ware, die Einlagerung und Abgabe der Vorräte nach einer bestimmten Lagerdauer ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), die nachgeordnete Behörde des Bundesagrarministeriums. Die BLE unterhält aber keine eigenen Lagerstätten, sondern schreibt diese öffentlich aus und wählt dann geeignete Hallen von Anbietern aus der Privatwirtschaft aus. Anders ist die Situation bei Kondensmilch. Die produzierenden Molkereien sind dazu verpflichtet, einen Teil der Erzeugnisse für Krisenfälle vorzuhalten, erklärt der Industrieverband.

Hohe Ansprüche an Hygiene

Weil die Lebensmittel bis zu zehn Jahre in den Hallen verbleiben, müssen sie vor dem Verderb geschützt werden. Das dies bei uns funktioniert, zeigen folgende Zahlen: In der Bundesreserve Getreide liegen die Verluste bei der losen Ware lediglich bei rund 0,1 %. In der zivilen Notfallreserve - gesackte Ware - gibt es keine Verluste. Zum Vergleich: Die weltweiten Lagerverluste für Getreide betragen nach Schätzungen der FAO 10 bis 30 %. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind für rund 80 % der Verluste Insekten wie Kornkäfer, Mehlkäfer, Getreideplattkäfer, Getreidekapuziner, Mehlmotte oder Milben  die Ursache. Die restlichen 20 % gehen auf das Konto von Vögeln, Nagetieren und Pilzen.

In Deutschland dagegen akzeptieren die Lagerhalter nur trockene und gereinigte Partien ohne sichtbaren Pilzbefall. Getreide  muss weniger als 14,5 % Kornfeuchte und eine Temperatur von weniger als 11 °C aufweisen, dann ist es im Normalfall dauerhaft lagerfähig. Insekten werden über eine einmalige Begasung abgetötet und anschließend herausgereinigt. Damit das auch so bleibt, schickt die BLE schickt alle vier bis sechs Wochen Kontrolleure in die Hallen. Sie prüfen Sauberkeit und bauliche Voraussetzungen sowie die Arbeit des Lagerhalters. Der ist verpflichtet, jederzeit gesunde und saubere Ware bereitzustellen, heißt es. Bislang wurden die Notreserven allerdings zum Glück noch nie benötigt. (ad)

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