Betriebsergebnisse

Einkommen: Baden-Württemberg wieder Schlusslicht im Bundesvergleich

Die Unternehmensergebnisse der landwirtschaftlichen Betriebe in Baden-Württemberg haben sich im Durchschnitt auf niedrigem Niveau erholt.

Landesbauernverband Baden-Württemberg hat die Betriebsergebnisse für das vergangene Wirtschaftsjahr 2017/18 vorgestellt. Sorge bereitet Verbandspräsident Joachim Rukwied, dass die ohnehin niedrigen Einkommen in einzelnen Betriebszweigen, wie beispielsweise in der Veredlung, weiter gesunken sind. Im Schnitt verdient die Familienarbeitskraft 36.320 Euro. Trotz einem Anstieg von 16,3 Prozent gegenüber dem Wirtschaftsjahr 2016/17 ist Baden-Württemberg im Bundesvergleich erneut Schlusslicht bei den Bauerneinkommen.

Immerhin konnten die Bauernfamilien in einigen Sparten ein höheres Einkommen erzielen. Laut Rukwied ist eine Steigerung für die Betriebe dringend notwendig, um Kredite zu bedienen, notwendige Investitionen zu tätigen und für schlechte Jahre vorzusorgen. "Dennoch bereitet uns das niedrige Einkommensniveau vor allem der Ackerbauern sowie das Minus bei den Veredlungs- und Dauerkulturbetrieben Sorge."

Veredlungsbetriebe rutschen wieder ab

In den vergangenen Jahren hat bei den Schweine haltenden Betrieben im Land ein starker Strukturwandel stattgefunden. "Seit 2010 haben rund 40 Prozent dieser Betriebe aufgegeben", zeigt Rukwied auf. "Bei den Ferkelzuchtbetrieben lag die Aufgaberate sogar bei 55 Prozent, was einem Strukturbruch gleichkommt. Desaströse Schweinepreise in Verbindung mit höheren Umwelt- und Tierschutzauflagen haben zu den Betriebsaufgaben geführt." Der Veredlungsbereich musste im abgelaufenen Wirtschaftsjahr einen Rückgang der Einkommen um 19,5 Prozent auf 37.393 (2016/17: 46.420) Euro je Familienarbeitskraft verkraften.

Milchgeld lässt Bauerneinkommen steigen

Die Unternehmensergebnisse der Milchviehbetriebe haben um 55,5 Prozent auf 52.589 (33.819) Euro je Familienarbeitskraft zugelegt. Dieser Anstieg lässt sich vor allem auf den stabilen Milchmarkt und das ausgezahlte Milchgeld zurückführen. Futterbaubetriebe mit Rindermast und Mutterkühen erwirtschafteten ein Plus von 41,3 Prozent auf 27.268 (19.304) Euro je Familienarbeitskraft. "Die Steigerung bei den Futterbaubetrieben reicht weiterhin nicht aus, um die vergangenen schlechten Jahre auszugleichen", stellt Rukwied fest.

Wetterbedingte Einbußen bei den Sonderkulturen

Der Aprilfrost vergangenes Jahr hatte die Wein- und Obstbaubetriebe massiv getroffen. Die Frostschäden sind ursächlich für den Rückgang der Unternehmensergebnisse beider Sparten. Weinbaubetriebe verbuchen mit einem Minus von 29,9 Prozent auf durchschnittlich 25.832 (36.842) Euro je Familienarbeitskraft den höchsten Ergebnisrückgang. Im Obstbau sind die Unternehmensergebnisse um durchschnittlich 24,1 Prozent geschrumpft. Die Obstbaubetriebe erwirtschafteten nur 25.878 (34.071) Euro je Familienarbeitskraft.

Ackerbau auf niedrigem Niveau

Mehrere Jahre in Folge verharren die Unternehmensergebnisse der Ackerbaubetriebe auf niedrigem Niveau. Für das vergangene Wirtschaftsjahr konnten die Betriebe zwar ein Plus von 15,8 Prozent verzeichnen, erwirtschafteten aber nur 27.889 (24.094) Euro je Familienarbeitskraft. "Die Ackerbauern warten immer noch auf eine Verbesserung ihrer Einkommenssituation", sagt der Bauernpräsident. "Die Erlöse für die meisten Ackerfrüchte sind weiterhin zu niedrig, um rentabel zu wirtschaften."

Steuerliche Risikoausgleichsrücklage bleibt Dauerbrenner

Die Bundesregierung plant weiterhin keine Einführung einer steuerlichen Risikoausgleichsrücklage für landwirtschaftliche Betriebe, obwohl die Bundesländer dieses Instrument zur Selbsthilfe befürworten. "Langanhaltende Preistiefs beispielsweise bei Veredlung, im Ackerbau oder in der Vergangenheit auch bei Milch reißen immer wieder tiefe Löcher ins Betriebsbudget", erklärt der LBV-Präsident. "Die von uns seit Jahren geforderte steuerliche Risikoausgleichsrücklage würde uns Bauern in die Lage versetzen, in ertragsstarken Jahren etwas für schlechtere Jahre zurückzulegen."

Unternehmensergebnisse der einzelnen Betriebsformen

  • In den Milchviehbetrieben stieg das Unternehmensergebnis 2017/18 im Durchschnitt um 55,5 Prozent auf 52.589 (33.819) Euro je Familienarbeitskraft.
  • Die Futterbaubetriebe mit Rindermast und Mutterkühen verbuchten eine Ergebnissteigerung um 41,3 Prozent auf 27.268 (19.304) Euro je Familienarbeitskraft.
  • Die Ackerbauern erwirtschafteten ein Plus um 15,8 Prozent auf durchschnittlich 27.889 (24.094) Euro je Familienarbeitskraft.
  • In der Veredlung sanken die Unternehmensergebnisse 2017/18 im Durchschnitt um 19,5 Prozent auf 37.393 (46.420) Euro je Familienarbeitskraft.
  • Der Weinbau muss den höchsten Ergebnisrückgang verbuchen. Die Unternehmensergebnisse sanken um 29,9 Prozent auf durchschnittlich 25.832 (36.842) Euro je Familienarbeitskraft.
  • Der Obstbau musste im Durchschnitt ein Minus von 24,1 Prozent verkraften. Die Obstbaubetriebe erwirtschafteten 25.878 (34.071) Euro je Familienarbeitskraft.
  • Bei den Gemischtbetrieben nahm das Ergebnis um 20,7 Prozent auf 29.051 (24.065) Euro je Familienarbeitskraft zu.

Arbeitskräfte (AK): Der Arbeitskräfteeinsatz je ausgewertetem Betrieb liegt bei 2 Arbeitskräften je Unter­nehmen oder 2,7 AK je 100 Hektar (Familien-AK: unverändert 1,5 Familienarbeitskräfte/Betrieb). Der durchschnittliche AK-Besatz, bezogen auf die Fläche, liegt damit in Baden-Württem­berg bei rund 29 Prozent über dem Bundesdurchschnitt (2,1 AK je 100 Hektar).

Fläche: Die landwirtschaftlich genutzte Fläche der ausgewerteten Betriebe beträgt knapp 71 Hektar pro Betrieb. Der Anteil der Pachtflächen liegt im Durchschnitt dieser Betriebe bei 70 Prozent (rund 50 Hektar). Die durchschnittlichen Pachtkosten der ausgewerteten Betriebe betragen rund 13.000 Euro pro Jahr (ca. 260 Euro je Hektar).

Eigenkapitalbildung: Im Wirtschaftsjahr 2016/17 konnte von den ausgewerteten Betrieben rund 8.900 Euro Eigenkapital gebildet werden. Dieser Wert war im Vergleich zum Vorjahr rückläufig (Wirtschaftsjahr 2016/17: + 10.100 Euro). Im Hinblick auf eine dauerhafte Sicherung der betrieblichen Existenz be­trägt die anzustrebende Zielgröße mindestens 10.000 bis 15.000 Euro je Betrieb.

Investitionen: Die Bruttoinvestitionen, das heißt der gesamte Zugang an Vermögensgegenständen, nahmen im Wirtschaftsjahr 2017/18 um circa fünf Prozent zu und lagen bei 44.200 Euro je Unter­nehmen. Die Investitionen in Maschinen nahmen ebenfalls zu (um knapp zehn Prozent auf circa 25.500 Euro). Die Nettoinvestitionen stiegen im abgelaufenen Wirtschaftsjahr erheb­lich (+ 432 Prozent) und lagen im Durchschnitt der baden-württembergischen Haupter­werbsbetriebe bei 3.600 Euro.

Betriebe im Land nach der amtlichen Statistik: In Baden-Württemberg gibt es nach der amtlichen Statistik 39.800 Betriebe. Die durchschnittliche Betriebsgröße be­trägt knapp 36 Hektar pro Betrieb (D rund 62 Hektar). Die überwiegende Mehrheit (89 Prozent) der landwirtschaftlichen Betriebe wird als Familienbetrieb, als sogenanntes Einzelunter­nehmen, geführt. In Baden-Württemberg wirtschaften ein Drittel dieser Einzelunternehmen im Haupterwerb und knapp zwei Drittel im Nebenerwerb. Gemeinschaftliche Betriebs­formen gewinnen zunehmend an Bedeutung, darunter Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR) mit einem Anteil von knapp neun Prozent (Statistisches Landesamt 2017).


Diskussionen zum Artikel

von Josef Doll

Nun

wenn ich die Agrarzeitungen so lese müssen die zukünftigen Betriebe 500 ha und mehr haben. Ich war da mal bei einem Vortrag von Horsch und und auch der Denkt das wir unsere Betriebe zusammenlegen sollten um die Technik bezahlen zu können die die Auflagen und Auslastung der zukünftigen ... mehr anzeigen

von Albert Maier

Diese Rummschmiererei ....

.... der UNTERNEHMENSEINKOMMEN gibt es nur in der Landwirtschaft, stimmt hinten und vorne nicht und bringt schlussendlich niemand weiter! Es gäbe wichtigeres zu tun, BV.

von Gerhard Steffek

Schlußlicht!!

und das im gelobten Lande eines grünen Ministerpräsidenten. Abgesehen davon, sollen die mir mal diese Auswertungsergebnisse erläutern. Da sind mir zu viele Ungereimtheiten drin.

von Gerd Uken

Man bedenke

Vom Betriebsergebnis 2016 zu 2017 bei stabilen Milchpreisen auf stabilem Niveau! Wie war das noch Herr Schmal mit Weihnachten und 39 cent??

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen