Gentechnikfreunde fordern Neustart MON810

Befürworter der Pflanzenbiotechnologie verlangen eine zügige Aufhebung des in Deutschland und anderen EU-Ländern geltenden Anbauverbots für den Genmais MON810 von Monsanto. Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Innovative Landwirte (InnoPlanta AGIL), Karl-Friedrich Kaufmann, verlangt für den Anbau 2012 eine zügige Zulassung von Maissorten, die gegen Zünsler und Wurzelbohrer resistent sind.

Befürworter der Pflanzenbiotechnologie verlangen eine zügige Aufhebung des in Deutschland und anderen EU-Ländern geltenden Anbauverbots für den Genmais MON810 von Monsanto. Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Innovative Landwirte (InnoPlanta AGIL), Karl-Friedrich Kaufmann, verlangt für den Anbau 2012 eine zügige Zulassung von Maissorten, die gegen Zünsler und Wurzelbohrer resistent sind. „Auch aus ethischer Sicht ist eine intensive Pflanzenproduktion gefordert, die alle technischen Möglichkeiten nutzt“, mahnte Kaufmann beim 10. InnoPlanta-Forum in Üplingen in Sachsen-Anhalt. Dabei betonte er die globalen Anforderungen an die Landwirtschaft angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung einerseits und eines aus seiner Sicht rückläufigen Flächenpotentials der Landwirtschaft andererseits. Deutschland sieht Kaufmann wegen seiner guten Böden und günstigen Klimabedingungen besonders gefordert, wenn es um hohe Erträge im Ackerbau geht.
 
Wie auch die Koalition von Union und FDP in ihrem Koalitionsvertrag, so verlangt Kaufmann auf EU-Ebene eine Positivkennzeichnung der Grünen Gentechnik auf Lebensmittelverpackungen. Damit müssten auch Milch und Fleisch von Rindern, die über das Futter mit Gentechnik in Kontakt kamen, als Gen-Produkte gekennzeichnet werden.

Bestärkt durch Honig-Urteil

Durch das Honig-Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) sieht sich der Vorstandssprecher von InnoPlanta, Dr. Uwe Schrader, in den Forderungen nach einer Positivkennzeichnung bestätigt. „Vielleicht bewirkt das Urteil, dass den Menschen die Augen geöffnet werden, wie die Handelsströme laufen“, sagte Schrader. Nach seinen Schätzungen werden 80 % des Honigs auf dem deutschen Markt importiert, nicht zuletzt aus Ländern, in denen die Gentechnik auf dem Acker gang und gäbe sei, wie beispielsweise in Südamerika. Auch China sei ein wichtiger Lieferant. Laut Schrader wird die Europäische Union jetzt gezwungen sein zu handeln, wenn die Warenströme beeinträchtigt sind.

 
Anti-GVO-Haltung der Biolandwirtschaft „reines Marketing“

Ernüchtert über das EU-Genehmigungsverfahren für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) zeigte sich in Üplingen der Holländer Prof. Piet van der Meer vom Forschungsnetzwerk PRRI. „Das EU-System funktioniert nicht. Die Europäische Union verletzt ihre eigenen Regeln“, bilanzierte der Niederländer. So würden Zeitlimits nicht eingehalten. Bei einigen Entscheidungen aus Brüssel vermisst er die erforderliche wissenschaftliche Absicherung. Die meisten bislang vorgebrachten Verbesserungsvorschläge zur Regulierung der Gentechnik in Europa sind für van der Meer eher kosmetischer Natur. Nicht verwunderlich ist es daher für ihn, dass sich das Forschungstempo verlangsamt hat und Expertise nach Übersee abwandert. Für Prof. Klaus Ammann von der Universität Bern gibt es zwischen konventioneller Züchtung und GVO-Forschung auf Molekularebene keine Unterschiede. „Wir sind noch bescheidene Kopisten“, so der Forscher zum Vorgehen der Wissenschaft. Nach seiner Auffassung wären insektenresistente GV-Pflanzen ideal für die Biolandwirtschaft. Deren kritische Haltung zur grünen Gentechnik hält Ammann für „reines Marketing“. (AgE)
 

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