Dezentrale Fleischerzeugung

Hessen wünschen sich wieder eigenen Schlachthof

Die Bauern in Hessen haben in den vergangenen Jahrzehnten viele Schlachtstätten verloren und hängen nun am Tropf der Großabnehmer, wie etwa Tönnies. Das lässt Gedanken aufkommen, ob das so gut ist.

Da viele hessische Bauern ihre Tiere nach Nordrhein-Westfalen zu der dortigen Schlachtwirtschaft liefern, werden zunehmend Stimmen laut, die wieder eigene Schlachthöfe im Land fordern.

Patricia Andreae von der Rhein-Main-Zeitung hat beim Hessischen Bauernverband (HBV) erfahren, dass dortige Schweinemäster nach der Schließung von Tönnies in Rheda bisher auf andere Standorte der Tönnies-Gruppe umgeleitet werden. In Hessen selbst gebe es laut Verband kaum noch nennenswerte eigene Schlachtkapazitäten.

Im Schwalm-Eder-Kreis befindet sich noch ein größerer Regionalschlachthof. Ansonsten schlachten einige kleinere Betriebe selbst, wie etwa Fleischer. Der letzte große Betrieb, der Frankfurter Schlachthof am Deutschherrnufer, einst einer der größten Deutschlands, schloss 1993. Er habe u.a. auch über 10 % der Schweine aus Bayern genommen. Angeblich sei er geschlossen worden, weil er zu wenige hessische Tiere geschlachtet habe und zuviel aus anderen Bundesländern beziehen musste.

Wie Andreae in ihrem Artikel weiter schreibt, habe auch die Agrarpolitik an der Entwicklung hin zu wenigen Großschlachthöfen in Deutschland ihren Anteil. Immer schärfere Auflagen könnten heute nur noch von Großbetrieben wirtschaftlich erfolgreich eingehalten werden. 1975 wurden laut HBV noch mehr als 1,6 Mio. Schweine in Hessen geschlachtet, 2019 seien es 370.000 gewesen.

Auch die Schweinehaltung in Hessen sei entsprechend zurückgegangen; es soll in Hessen nur noch 800 Schweinehalter mit gut 500.000 Tieren geben (2 % der deutschen Schweinehaltung). Gesetzesverschärfungen um Kastenstand, Stallbau und Kastration erhöhen die Kosten und befeuern den Trend, berichtet Verbandssprecher Bernd Weber gegenüber der Zeitung. Auf der anderen Seite verdienen die Landwirte auf Fleisch immer weniger. Bei 10 Euro Gewinn pro Tier sei klar, wieviele man halten müsse, damit das wirtschaftlich ist.

Weber warnt, wie wichtig eine eigene regionale Fleischerzeugung ist: Wenn die Landwirte hier nicht mehr vernünftig arbeiten können, dann komme das Fleisch demnächst aus China. Und auch wenn Tönnies dichtmacht, sei das ein Riesenproblem, so Weber in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.


Diskussionen zum Artikel

von Reinhard Arndt

Fairer Preis für das Fleisch

Das geht nur ohne Supermarkt oder LEH . Vom Landwirt bis zum Verbraucher muss es klare regeln auch über den Preis und die Spanne der jeweiligen verarbeiter fest geschrieben werden, den der Verbraucher auch kennt. Der Dorfmetzger vor 40 Jahren, hat am Montag geschlachtet, am Dienstag und ... mehr anzeigen

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