Kammern melden bedrohlichen Einbruch der Betriebsergebnisse auf den Höfen

Die Landwirtschaftskammern haben ihre Vorschätzung der Ergebnisse auf den Höfen für das laufende Wirtschaftsjahr 2018/19 vorgelegt. Und die sieht alles andere als rosig aus.

Aus Sicht der Landwirtschaftskammern verschlechtern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der landwirtschaftlichen Betriebe. Die Dürre des Jahres 2018 ist hier eine von vielen Ursachen.

Der Verband der Landwirtschaftskammern verweist zudem auf sinkende Milch-, Rindfleisch- und Schweinepreise, sowie auf weiter steigende Kosten. Im Ergebnis ließen sich in keiner Hauptausrichtung der Landwirtschaft die eingesetzten Faktoren voll entlohnen. Besonders hart treffe es die Schweinehalter, so der Bericht.

Witterung setzt der Landwirtschaft schwer zu

Bei Getreide betrug der Rückgang im Ertrag 2018 gegenüber dem Vorjahr bis zu 20 Prozent. Häufig mussten die Landwirte auf das ertragsschwächere Sommergetreide ausweichen, weil die Felder im Herbst 2017 zu nass und deshalb vielerorts schlecht befahrbar waren. Mehr noch trug aber die Dürre des Sommers 2018 zu diesen Mindererträgen bei. Für Raps melden die Kammern einen Ertragsrückgang um bis zu 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Bei den Zuckerrüben führte die Trockenheit zu kleineren Rüben mit sehr hohem Zuckergehalt. 2018 machten zudem Blattkrankheiten der Rübe regional zu schaffen, so dass auch hier Mengeneinbußen von bis zu 25 Prozent hingenommen werden mussten.

Die Kartoffeln litten ebenfalls unter der Hitze und der Trockenheit. So blieb deren Erntemenge um bis zu 30 Prozent hinter dem Vorjahresergebnis zurück. Auf nicht beregneten Flächen waren die Rückgänge durchaus noch deutlicher.

Gutes Grundfutter ist rar

Auf dem Grünland konnte in vielen Regionen nur der erste Schnitt des Jahres 2018 mengenmäßig zufrieden stellen. Danach war der Aufwuchs vielerorts nur noch mäßig. Teilweise verbrannte die Grasnarbe so sehr, dass eine Nach- oder Neuansaat des Grünlandes erforderlich wird.

Zudem verdorrte der Futtermais auf den Feldern und musste deshalb früher gehäckselt werden. Insofern lassen auch die Maiserträge stark zu wünschen übrig.

Als Folge der ungünstigen Witterungsbedingungen bestehen insbesondere für rinder-haltende Betriebe vielfach große Probleme bei der Grundfutterversorgung. Vielerorts müssen durch erhöhte Kraftfuttermengen fehlende Energiegehalte ausgeglichen werden.

Marktfrüchte mit durchwachsenen Preisen

Die globale Weizenernte lag um 6 % niedriger als im Vorjahr. In Verbindung mit einem schwachen nationalen Aufkommen zieht der Getreidepreis um gut ein Viertel an.

Angesicht der schwachen Rapsernte in Deutschland und der EU steigen die Kurse nicht in dem Umfang, wie man es erwartet hätte. Sie liegen höchstens auf Vorjahresniveau.

Trotz einer geringeren Ernte an Zuckerrüben sind die Zuckerpreise so niedrig wie nie zuvor. Nach dem Wegfall der Rübenquote hängt der Rübenpreis von den Entwicklungen am internationalen Markt ab. Weltweit bestimmt günstiges Zuckerrohr die Versorgungslage. Durch billige Importe ist der europäische Zuckermarkt nun überversorgt.

Die Dürre betraf nicht allein den deutschen Kartoffelanbau, sondern den europäischen im Ganzen. So sind im Wirtschaftsjahr 2018/19 die höchsten Kartoffelpreise seit fünf Jahren zu verbuchen, die sich im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppeln.

Milchpreise geben nach - Rindermarkt unter dem Einfluss der Dürre

Die Milchpreise in Deutschland liegen merklich unter Vorjahresniveau. Für die zweite Hälfte des Wirtschaftsjahres 2018/19 erwarten die Landwirtschaftskammern eine Stabilisierung. Im Mittel des Wirtschaftsjahres wird von durchschnittlichen Milcherlösen (circa 34 Cent/kg) ausgegangen.

Auch für den Schlachtmarkt bei Rindern verursacht die Dürre des vergangenen Sommers deutliche Auswirkungen. Wegen der Futterknappheit wurden Altkühe vorzeitig geschlachtet, da viele Landwirte ihre Bestände mit weniger Grundfutter versorgen müssen. Der Angebotsdruck im zweiten Halbjahr 2018 kann die Stabilität der Vorjahrespreise nicht gewährleisten. Das relativ große Angebot wirkt sich auch auf die Preise der Jungbullen aus, die das erfreuliche Vorjahresniveau nicht wiederholen können. Auch die Färsen- und Kälberpreise stehen unter Druck.

Schweinefleisch- und Ferkelpreise weiter auf Talfahrt

Seit Beginn des Wirtschaftsjahres geben die Notierungen für Schweinefleisch stark nach. Im November wurde der vorläufige Tiefststand erreicht. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ergab sich so ein Preiseinbruch von bis zu sechs Prozent. Mit einer deutlichen Verbesserung rechnen die Landwirtschaftskammern nicht. Im Mittel des Wirtschaftsjahres wird von unterdurchschnittlichen Erlösen für Schlachtschweine ausgegangen.

Im Fahrwasser sinkender Erlöse der Schweinemäster bewegen sich auch die Ferkelnotierungen deutlich nach unten. Die Landwirtschaftskammern erwarten, dass sich die Kurse auf einem um bis zu 20 Prozent niedrigerem Niveau einpendeln werden.

Tierzukäufe werden günstiger – Beregnung sehr teuer

Allein bei Tierzukäufen lassen sich Kosteneinsparungen im laufenden Wirtschaftsjahr realisieren, so die Kammern weiter. Als Spanne sind 5 bis 10 Prozent zu nennen. Die verbleibenden Positionen der Kategorie „Spezialkosten“ werden durchweg teurer. Einstellige Teuerungsraten dürften sich für Saat- und Pflanzgut, Pflanzenschutz, Strom, Heizstoffe und Wasser sowie für den Personalaufwand ergeben. Von ein- bis zweistelligen Teuerungsraten gehen die Landwirtschaftskammern für Düngemittel sowie für Treib- und Schmierstoffe aus. Als besonders kostenintensiv ist auch die Beregnung der Ackerflächen in Norddeutschland zu berücksichtigen.

Auch die Gemeinkosten präsentieren sich mit unterschiedlichen Tendenzen: Vor dem Hintergrund empfindlicher Gewinnrückgänge ist davon auszugehen, dass die Landwirte kaum Investitionen vornehmen und dass sie die Unterhaltung von Gebäuden und Maschinen auf das zwingend nötige Minimum reduzieren. Allein Pacht- und Mietausgaben werden voraussichtlich erneut um drei bis fünf Prozent steigen.

Gewinnsituation der Futterbaubetriebe wieder angespannt

Fallende Milchpreise und beachtliche Mehrausgaben für Futtermittel führen dazu, dass die Unternehmensergebnisse der Futterbaubetriebe zwischen 25 und 54 Prozent nachgeben. Erreicht werden absolute Gewinne zwischen 50.000 und 62.000 EUR. Auch die Nettorentabilität als Indikator für die Wirtschaftlichkeit bricht ein. Die Landwirtschaftskammern ermitteln Werte zwischen 66 und 83 %. Die eingesetzten Faktoren Arbeit, Kapital und Boden können somit nicht voll vergütet werden. Für eine voll beschäftigte Familien-Arbeitskraft bleibt damit ein Unternehmensergebnis zwischen 30.000 und 46.000 EUR übrig.

Ackerbau: Größte Unterschiede zwischen Nord und Süd

In Niedersachsen rutschen die Unternehmensergebnisse aufgrund der Dürre um 18 Prozent ab und erreichen nur noch 42.000 EUR. Noch schlechter ergeht es den Ackerbauern in Schleswig-Holstein. Nach einem Rückgang um 15 Prozent im Gewinn werden nur noch 34.000 EUR als Unternehmensergebnis prognostiziert. Die Nettorentabilität schwankt zwischen 43 Prozent in Schleswig-Holstein und 48 Prozent in Niedersachsen. Mehr als die Hälfte der Faktoransprüche können also nicht mehr bedient werden. Vor diesem Hintergrund errechnen die Landwirtschaftskammern ein Unternehmensergebnis für eine voll beschäftigte Familien-Arbeitskraft von 31.000 EUR in Schleswig-Holstein und von 36.000 EUR in Niedersachsen.

Im Südwesten war die Dürre des Sommers 2018 deutlich geringer ausgeprägt. So erreichten die Bauern in Rheinland-Pfalz und im Saarland überwiegend noch durchschnittliche Ernteerträge. In Verbindung mit guten Preisen für die meisten Marktfrüchte steigen die Unternehmensergebnisse in Rheinland-Pfalz (35 %) und für das Saarland (54 %) sogar an. Entsprechende Betriebe in Rheinland-Pfalz dürften mit 61.000 EUR abschneiden, die Berufskollegen aus dem Saarland erreichen sogar 71.000 EUR. Das korrespondiert mit einer Nettorentabilität von 96 % in Rheinland-Pfalz und 114 % im Saarland. Für eine voll beschäftigte Familien-Arbeitskraft ergibt sich damit in beiden Bundesländern ein Unternehmensergebnis von etwa 44.000 Euro.

Dramatische Einbußen in der Schweinehaltung

Nach den bereits rückläufigen Unternehmensergebnissen im Vorjahr kommt es im laufenden Wirtschaftsjahr noch wesentlich schlechter. Die meisten Schweine werden in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gehalten. Die berechneten Unternehmensergebnisse der Veredlungsbetriebe liegen im laufenden Wirtschaftsjahr in einem Bereich zwischen 19.000 EUR für Niedersachsen und 27.000 EUR für Nordrhein-Westfalen. Das korrespondiert mit einem Rückgang von 44 Prozent für NRW und mit 70 Prozent für Niedersachsen. Die Nettorentabilität der nordrheinwestfälischen Veredler wird auf 34 Prozent geschätzt und die der niedersächsischen Berufskollegen auf 22 Prozent. Für eine vollbeschäftigte Familien-Arbeitskraft ergibt sich so ein Unternehmensergebnis von weniger als 20.000 EUR.

Bedrohlicher Einbruch der landwirtschaftlichen Unternehmensergebnisse

Im Durchschnitt aller Betriebe, Betriebsformen und Regionen sind niedrigere Unternehmensergebnisse zu erwarten. Die südwestlich gelegenen Bundesländer Rheinland-Pfalz und Saarland sind jedoch weniger betroffen. Für beide Bundesländer werden Gewinne um die 54.000 EUR erwartet. Dort zieht der Ackerbau den Durchschnitt nach oben.

Im Norden hat die extreme Witterung tiefe wirtschaftliche Spuren hinterlassen. Die Landwirte in Schleswig-Holstein und Niedersachsen verlieren 35 bis 50 Prozent des vorjährigen Unternehmensergebnisses und müssen sich mit ca. 45.000 EUR begnügen.

Zu bedenken bleibt, dass auch gesetzliche Einschränkungen in der Schweinehaltung, im Baurecht und die Umsetzung der verschärften Düngeverordnung den Strukturwandel voraussichtlich weiter beschleunigen werden.


Diskussionen zum Artikel

von Gerd Uken

Da kommt die nächste Institution

Die den Milchpreis mit 34 Cent rechnen...... es kann ja nur noch besser werden! Wir brauchen ja auch nichts weiter als nur 365 Tage zu arbeiten der Rest kommt dann schon von allein Ach ja und der Milchpreis der wird von selbst steigen?

von Steffen Hinrichs

Da sollten wir auch mal unsere höheren Kosten weiterreichen

"Aber das will ja keiner "

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen