„Die Mehrkosten nicht beim Bauern abladen“ Plus

Die Schlachtbranche produziert derzeit vor allem Negativ-Schlagzeilen: Corona-Hotspot, Lockdown, Dumpinglöhne, Ausbeutung. top agrar hat die drei Vorstände der Westfleisch gefragt, was die Krise für Folgen hat und was das für Tierhalter bedeutet.

Die gesamte Fleischbranche steht derzeit unter Beschuss. Wie krisenfest ist die Westfleisch?

Carsten Schruck: Unser Unternehmen steht wirtschaftlich solide da. Nach den ersten fünf Monaten liegen wir sogar über den Planzahlen. Und darin sind die Belastungen durch die einwöchige Schließung des Schlachthofs Coesfeld im Mai voll enthalten. Das hat mehrere Millionen Euro gekostet.

Die Coronakrise scheint Ihnen nicht zu schaden. Ist alles halb so schlimm?

Schruck: Doch, natürlich schadet uns die Krise. Durch die ständig zunehmenden Anforderungen steigen unsere Kosten immens. Dazu sehen wir auch keine Alternative, denn wir müssen einen erneuten Lockdown eines Schlachtbetriebs unbedingt verhindern. Wir setzen uns daher ganz bewusst selbst noch höhere Standards.

Wo gehen Sie denn über die behördlichen Anordnungen hinaus?

Johannes Steinhoff: Wir testen beispielsweise täglich alle in der Produktion Beschäftigten auf das Virus. Das sind aktuell 5000 Personen. Alle müssen vor der Arbeit durch unsere Testzentren, um Doppelproben abzugeben. Schon nach wenigen Stunden liegen die Ergebnisse vor. Die Landesregierung schreibt Tests eigentlich nur zweimal pro Woche vor.

Wieso ziehen Sie Doppelproben?

Steinhoff: Das hat Kostengründe. Wir werten mit Poolproben fünf bis zehn Personen gleichzeitig aus. Bei einem positiven Befund können wir über die Zweitprobe die Person identifizieren.

Können Sie so neue Infektionsherde ausschließen?

Steinhoff: Absolute Sicherheit gibt es nie. Aber mit unseren anderen Maßnahmen wie größere Abstände, niedrigere Bandgeschwindigkeit, zusätzliche Sozialräume etc. erreichen wir ein sehr hohes Sicherheitsniveau. Wichtig ist auch die Reorganisation der Teams bis in die Unterkünfte. Personen, die am Schlachtband zusammenarbeiten, teilen sich auch die Wohnungen und fahren gemeinsam in einem Auto zur Arbeit.

Die Zerlegung und Lüftung sollen nun die Problembereiche sein. Wie sehen Sie das?

Schruck: Das müssen wir erstmal abwarten. Vorgestern waren es die Unterkünfte und Werkverträge. Jetzt soll es die...

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