„Biodiesel hilft den Bauern und den Bienen!“

Ohne Biokraftstoffe lassen sich die ambitionierten Klimaziele der EU im Verkehr nicht erreichen. Deshalb muss die Politik höhere Biokraftstoffmengen vorgeben, fordert Wilhelm F. Thywissen, scheidender Präsident von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland, im Gespräch mit top agrar online.

Ohne Biokraftstoffe lassen sich die ambitionierten Klimaziele der EU im Verkehr nicht erreichen. Deshalb muss die Politik höhere Biokraftstoffmengen vorgeben, fordert Wilhelm F. Thywissen, scheidender Präsident von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland, im Gespräch mit top agrar online.
 
Wie hat sich die Verbandsarbeit in den vergangenen 20 Jahren verändert?
Thywissen: Früher ging es stärker um die Sache, heute dominieren Emotionen die Diskussionen. Früher diskutierten nur die Fachleute miteinander, heute ist jeder ein Experte und kann mitreden. Vor 20 Jahren wurden die Agrarmärkte liberalisiert. Da ging es um neue Chancen, die auch die Weltmärkte bieten. Heute sprechen wir vor allem über Grenzen und Begrenzungen. Das hat große Auswirkungen auf die Art der Verbandsarbeit.  

Welche?
Thywissen: Wir kommunizieren ganz anders. Wir stellen uns jetzt viel stärker der öffentlichen Diskussion auch über die Expertenebene hinaus.

Wie hat sich der Umgang mit den Entscheidungsträgern der Politik entwickelt?
Thywissen: Die für die Agrar- und Ernährungspolitik zuständigen Politiker sind nicht mehr per se qua Herkunft oder vorheriger Tätigkeit mit dem Fachbereich verbunden. Sie haben daher nicht automatisch vertiefte Kenntnisse über die Branche, kennen nicht unbedingt die wirtschaftlichen Abläufe und Abhängigkeiten. Problematisch wird es dann, wenn das fehlende Wissen auf romantische Vorstellungen einer Bullerbü-Landwirtschaft trifft. Für die Arbeit von OVID heißt das, wir müssen viel mehr erklären und auf Zusammenhänge und Abhängigkeiten hinweisen.

Gelingt Ihnen das?
Thywissen: Darum bemühen wir uns. Der Erfolg ist mal größer und mal kleiner.  

Wir stark beeinflussen NGOs heute politische Entscheidungen?
Thywissen: NGOs haben oft einfache und emotionale Botschaften. Die gehen nicht immer konform mit wissenschaftlichen Ergebnissen. Denn allen Unkenrufen zum Trotz verhindert der Ökolandbau nicht den Hunger in der Welt, hat das Waldsterben nicht stattgefunden, ist die Gentechnik nicht gesundheitsgefährdend, wird das Bienensterben nicht durch das Verbot von Neonics verhindert und ist Glyphosat nicht krebserregend bzw. ein Artenkiller. Trotzdem kommt es mitunter zu politischen Entscheidungen, die wissenschaftlich nicht nachvollziehbar sind. Damit tun wir uns in der Agrar- und Ernährungswirtschaft sehr schwer.

Warum verfängt die Argumentation der NGOs?
Thywissen: Weil die wissenschaftlichen Ergebnisse oft zu komplex und zu sperrig sind. Die einfachen schwarz-weiß-Botschaften der NGOs sind da leichter zu verkaufen. Und auch die Politik geht immer wieder den einfachen, den opportunistischen Kurs. 

Wie gut arbeitet OVID mit den Umweltverbänden und den anderen NGOs zusammen?
Thywissen: Die Zusammenarbeit ist schwierig, weil wir sehr unterschiedliche Ziele haben. Hinzu kommt, dass die NGOs gerne Maximalforderungen stellen, während wir Kompromisse suchen und zur Not auch kleine Schritte gehen. Für die Zukunft würde ich mir mehr...