Absatzkrise

Brauereiwirtschaft sendet Hilferuf an Politik

Durch den Corona-Lockdown droht immer mehr Brauereien, Brauereigaststätten und Fachgroßhändlern die Pleite, mahnt die Branche in einem gemeinsamen Brief an die Regierung.

Brauereien aus ganz Deutschland machen in einem Offenen Brief auf die angespannte Lage der Brauwirtschaft in der Corona-Krise aufmerksam. Sie warnen vor Insolvenzen und fordern staatliche Hilfe.

„Von Woche zu Woche geraten immer mehr Brauereien, Brauereigaststätten und Fachgroßhändler unverschuldet in existenzielle Not und sind von Insolvenz bedroht“, heißt es in dem Schreiben, das mehr als 300 Brauereien unterzeichnet haben, darunter die Bitburger Braugruppe, Veltins und Krombacher.

Die monatelange Schließung der Kneipen und Restaurants hat für Brauereien nach Darstellung des Branchenverbandes schwerwiegende Folgen, berichtet dazu die Fachzeitschrift Lebensmittelpraxis. „Ware im Wert von 4 Mio. €, deren Haltbarkeitsdatum überschritten wurde, musste bereits vernichtet werden“, heißt es. Feste als Verkaufsort für Fassbier fehlten ebenfalls. Bei den Hilfsprogrammen gingen die 1.500 Brauer nach eigenen Angaben bisher weitgehend leer aus.

NRW: SPD-Rettungspaket für kleine Brauer

Mit einem Rettungspaket will die SPD in Nordrhein-Westfalen regionale Brauereien und kleine Hausbrauereien vor dem Aus bewahren, so die Lebensmittelpraxis weiter. „Für die regionale Brauwirtschaft ist jetzt dauerhaft Fastenzeit, und das schon seit Monaten“, sagte der Fraktionschef der oppositionellen SPD im Landtag, Thomas Kutschaty. Die Umsatzeinbrüche seien gerade für kleine und mittlere Brauereien dramatisch, die einen hohen Fassbieranteil hätten und stark von Veranstaltungen abhängig seien.

Zu dem wenige Punkte umfassenden Konzept gehörten die Erstattung der Biersteuer für kleine und regionale Brauereien in NRW über drei Jahre, das Ausweiten der Bundeshilfen auf diese Betriebsgrößen und das Abwenden von Insolvenzen mit Landesmitteln. Kutschaty kündigte an, für dieses Rettungspaket im NRW-Landtag werben zu wollen.

Laut Statistischem Bundesamt verkauften die Brauer allein im vergangenen Jahr 5,5 % weniger Bier als 2019. Die Branche fordert eine Erstattung für verderbliche Ware, die nicht verkauft werden kann, eine Ausweitung von Hilfen auf Brauereigasthöfe, Erleichterungen bei Steuern und KfW-Krediten sowie eine Öffnungsstrategie für die Gastronomie.

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Die Warsteiner Brauerei hat 16,2 % weniger Bier abgesetzt. Entlassungen seien aber nicht geplant. Ab dem zweiten Quartal erwartet man verbesserte Bedingungen für die Gastronomie und Veranstaltungen.

Die Krombacher-Gruppe blickt trotz der großen Coronabedingten Einbußen zufrieden auf 2020 zurück. Der Gesamtausstoß war um 2,5 % auf 7,403 Mio. Hektoliter gesunken.

Die Radeberger-Gruppe ist die größte Brauerei bei uns, noch vor Anheuser-Busch Inbev und der Bitburger. Alle Ranking-Plätze hier in unserer Grafik.

Die Verbände der Brauwirtschaft fordern im zweiten Lockdown klare Perspektiven, denn immer mehr Unternehmen stehen an der Grenze der Existenz.


Diskussionen zum Artikel

von Rudolf Rößle

Nur eine Möglichkeit

Für ein Jahr lang Umbenennung in Lehman brothers/Lufthansa. Der Staat kommt.

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