BVA: "Landwirte haben sich vom Getreidemarkt zurückgezogen"

Trotz des hohen Preisniveaus nach der Ernte 2012 haben Landwirte nur zögerlich von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, Vorkontrakte für die Ernte 2013 abzuschließen. Das stellte Bruno Fehse, Präsident des Bundesverbandes der Agrargewerblichen Wirtschaft (BVA) bei dem BVA-Pressegespräch in Bonn fest.

Trotz des hohen Preisniveaus nach der Ernte 2012 haben Landwirte nur zögerlich von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, Vorkontrakte für die Ernte 2013 abzuschließen. Das stellte Bruno Fehse, Präsident des Bundesverbandes der Agrargewerblichen Wirtschaft (BVA) bei dem BVA-Pressegespräch in Bonn fest. Er schätzt, dass rund 15 Prozent der diesjährigen Erntemenge bereits zu einem frühen Zeitpunkt vermarktet worden waren.
 
Konrad Weiterer, Vorsitzender des Getreideausschusses im BVA, erklärte im Pressegespräch, dass trotz des späten Vegetationsbeginns und der Hitzeperiode im Sommer die Ernte in Deutschland gut ausgefallen sei. Gute Witterungsbedingungen hätten eine problemlose Ernte und Erfassung des Getreides und Rapses ermöglicht. Überdurchschnittliche Erträge seien vor allem auf leichten Böden gedroschen worden. Nachdem die Vorkontrakte bedient und kleinere Mengen aus der Ernte heraus vermarktet wurden, hätten sich die Landwirte vom Markt zurückgezogen. Nach einem Jahr mit hohen Preisen sei Liquidität in den landwirtschaftlichen Betrieben vorhanden, so dass man sich nicht ohne Not von der eingelagerten Ware trennen müsse. „Die Landwirte haben Roggen, Gerste und Raps verkauft und versuchen nun, für den Weizen den optimalen Vermarktungszeitpunkt zu finden“, so Weiterer.
 
Der Vorsitzende des Ölsaatenausschusses des BVA, Bernd Kleeschulte, berichtete, dass die Rapsernte in diesem Jahr nach einem schwierigen Vegetationsverlauf unerwartet gut sei. Nach ersten offiziellen Schätzungen wurden rund 5,8 Mio. t Winterraps geerntet, ca. 1 Mio. t mehr als im Vorjahr (20 % mehr). Beim Winterraps hätten gute Aussaatbedingungen im Herbst 2012 dazu geführt, dass nach zwei Jahren mit einer verringerten Fläche der Anbau wieder ausgedehnt wurde. Ein kaltes Frühjahr verzögerte die Entwicklung der Bestände und erste Sorgen über die Erntemenge machten sich breit. Im Verlauf der weiteren Vegetation konnten die Wachstumsrückstände wieder aufgeholt werden.
 
Die Landwirte in Deutschland seien im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2012/2013 sparsam mit mineralischem Stickstoffdünger umgegangen. Mit 1,62 Mio. Tonnen habe der Absatz von N-Düngemitteln unter dem langjährigen Durchschnitt von 1,7 Mio. Tonnen gelegen, erklärte Dr. Horst Bremer, Vizepräsident des BVA. Eine etwas andere Tendenz sieht er bei den Grunddüngern. Hohe Erlöse für Getreide und Raps nach der Ernte 2012 seien von den Landwirten in die Nährstoffversorgung der Böden investiert worden. „Wir schätzen die Absatzsteigerungen für Phosphat auf etwa 10 Prozent und für Kali auf acht bis zehn Prozent ein“, erklärte Bremer.
 
Mitten in der Saatgutsaison sei von einer über alle Getreidekulturarten hinweg ausreichenden Versorgung der Landwirtschaft mit zertifiziertem Saatgut (Z-Saatgut) zur Herbstaussaat 2013 auszugehen, so BVA-Vorstandsmitglied und Saatgutspezialist Jörg Hartmann. Auch wenn es bei einzelnen Sorten aufgrund starker Nachfrage zu Engpässen komme, sei bei dem umfangreichen Portfolio an Sorteneine gute Verfügbarkeit an Saatgut gegeben. Dabei schafften frühzeitige Saatgut-Bestellungen Planungssicherheit für den Handel und sichern dem Landwirt die rechtzeitige Bereitstellung der Ware zum Aussaattermin.
 

Artikel geschrieben von

Andreas Beckhove

Redakteur Markt

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