DBV fürchtet jetzt auch um die Ackerbauern - Ernteergebnisse enttäuschen

Die Getreide- und Rapsernte fällt in diesem Jahr enttäuschend aus und bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück. Auf Grund wiederholter Regenschauer ist sie auch immer noch nicht abgeschlossen. In seiner Erntebilanz weist der Deutsche Bauernverband (DBV) auf eine sich zuspitzende Lage der Ackerbauern hin.

Die Getreide- und Rapsernte fällt in diesem Jahr enttäuschend aus und bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück. Auf Grund wiederholter Regenschauer ist sie auch immer noch nicht abgeschlossen. In seiner Erntebilanz weist der Deutsche Bauernverband (DBV) auf eine sich zuspitzende Lage der Ackerbauern hin.

Für Deutschland zeichnet sich eine Getreidemenge von 43,5 Millionen Tonnen ab. Damit wird das Vorjahresergebnis um 5,3 Millionen Tonnen bzw. 11 Prozent verfehlt. Auch die Rapsernte fällt mit 4,5 Millionen Tonnen deutlich niedriger als im vergangenen Jahr aus. Dies geht aus dem dritten und letzten Erntebericht des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hervor, den der Verband heute auf Basis der Meldungen der Landesbauernverbände über die bisher geernteten Flächen und Mengen in Berlin präsentierte. "Vielen Ackerbauern geht jetzt auch das Geld aus und sie reihen sich bei den Milch- und Schweinebauern ein", sagte DBV-Präsident Joachim Rukwied bei der Präsentation in Berlin.

Ertragseinbußen in diesem Ausmaß habe er so nicht erwartet, kommentierte  Rukwied das Ergebnis der diesjährigen Ernte weiter. „In diesem Jahr standen die Feldbestände in weiten Teilen Westdeutschlands regelrecht in übersättigten und damit kalten Böden. Zudem fehlte durch die ständigen Niederschläge und die Unwetterereignisse die für die Ertragsbildung wichtige Sonneneinstrahlung,“ erläuterte Rukwied. Im Nordosten hätten dagegen die Folgen von Auswinterungsschäden und eine sich anschließende Trockenheit für massive Ertragsminderungen von bis zu 30 Prozent bei den wichtigen Winterkulturen Weizen, Gerste und Raps geführt.

Rukwied sendet ein Plädoyer für den Pflanzenschutz aus

Auch Betriebe auf Hochertragsstandorten sind in diesem Jahr von besonders deutlichen Ertragsrückgängen betroffen. Wegen der Nässe gab es Probleme mit der termingerechte Durchführung von Pflanzenschutzmaßnahmen. Ertragseinbußen verursachte in Folge dessen der erhöhte Krankheits- und Schädlingsdruck, hieß es beim DBV weiter. "Das wir in diesem Jahr überhaupt etwas ernten können, verdanken wir dem Pflanzenschutz", betonte Rukwied in der Erntepressekonferenz.

Zwiewuchs beim Getreide, durchwachsendes Unkraut und ins Lager gegangene Getreidebestände erschweren aktuell den Fortgang der Erntearbeiten. In den wenigen regenfreien Stunden trocknen die Bestände nicht ausreichend ab und müssen mit zu hohen Feuchtigkeitsgehalten gedroschen werden. Abgeknickte Ähren können nicht mehr geerntet werden und führen zu weiteren Ertragsverlusten.

Nach DBV-Einschätzung wurden folgenden Mengen geerntet:

Winterweizen ist mit einer Anbaufläche von 3,14 Millionen Hektar die in Deutschland am häufigsten angebaute Getreideart. Die widrigen Erntebedingungen haben dazu geführt, dass verbreitet erst drei Viertel der Fläche geerntet werden konnten. In Schleswig-Holstein, den Küstenregionen Niedersachsens und in Sachsen steht noch deutlich mehr Winterweizen auf dem Halm. Die bisherigen Druschergebnisse sind sehr unterschiedlich und streuen breit, in manchen Regionen liegen sie 20 bis 25 Prozent unterhalb des Vorjahresertrages. Der Durchschnittsertrag dürfte 7,3 Tonnen pro Hektar erreichen. Damit liegen die Winterweizenerträge nicht nur 11 Prozent unterhalb des Vorjahresergebnisses, sondern fallen auch gegenüber dem bundesweiten Fünfjahresdurchschnitt in Höhe von 7,9 Tonnen pro Hektar ab. Hinzu kommt der Rückgang der Anbaufläche um zwei Prozent. Insgesamt verringert sich die Erntemenge gegenüber dem Vorjahresergebnis um knapp 3,3 Millionen Tonnen auf rund 22,9 Millionen Tonnen.

Die Qualität des Winterweizens fällt sehr unterschiedlich aus. Vor allem die Fallzahlen nehmen aufgrund der ungünstigen Witterungsbedingungen und der folglich verzögerten Ernte immer weiter ab. Die Landwirte sind laut DBV in Sorge, ihren noch zu erntenden Weizen nur als günstigeren Futterweizen vermarkten zu können. Um weitere Qualitätseinbußen zu vermeiden, nehmen Landwirte mittlerweile in Kauf, den Winterweizen mit Feuchtigkeitsgehalten von mehr als 18 Prozent zu ernten. Die auf Grund dessen notwendige Trockung verursacht bei den ohnehin nicht wirtschaftlichen Preisen von 140 bis 155 Euro pro Tonne Weizen zusätzliche Kosten, heißt es beim DBV.
 
Die Ernte der Wintergerste konnte bereits abgeschlossen werden. Auf einer gegenüber dem Vorjahr knapp zwei Prozent größeren Anbaufläche von 1,28 Millionen Hektar ist eine Gesamtmenge von 8,7 Millionen Tonnen Wintergerste herangewachsen. Die Erntemenge des Jahres 2015 in Höhe von 9,6 Millionen Tonnen wird somit um fast 900.000 Tonnen verfehlt. Wie auch beim Winterweizen ist dies auf die massiven Ertragseinbußen um regional mehr als ein Drittel gegenüber der letztjährigen Ernte zurückzuführen. Im Bundesdurchschnitt liegt der Wintergerstenertrag bei 6,8 Tonnen pro Hektar (minus 11 Prozent gegenüber Vorjahr), was in etwa dem Durchschnittsertrag der Jahre 2011 bis 2015 entspricht, so der DBV.
 
Bei der Sommergerste ist der Anbau zur Ernte 2016 um knapp acht Prozent (minus 27.800 Hektar) auf 341.000 Hektar eingeschränkt worden. Mit Erträgen von 5,3 Tonnen pro Hektar (minus 3 Prozent gegenüber 2015) werden in diesem Jahr leicht unterdurchschnittliche Erträge erzielt. Bedingt durch die deutliche Einschränkung der Anbaufläche fällt die Erntemenge auf rund 1,8 Millionen Tonnen Sommergerste zurück. Gegenüber der bundesweiten Durchschnittsernte der Jahre 2011 bis 2015 in Höhe von fast 2,3 Millionen Tonnen entspricht dies einem Rückgang von über 20 Prozent.
 
Auch Roggen verfehlt mit einer Erntemenge von rund 3,1 Millionen Tonnen das Vorjahresergebnis von 3,5 Millionen Tonnen (minus 12 Prozent). Zurückzuführen ist dies laut DBV gleichermaßen auf die Verringerung der Anbaufläche und auf die schlechteren Erträge. So wurde die Anbaufläche um fast 41.000 Hektar auf gut 575.000 Hektar verringert. Im Bundesdurchschnitt verfehlen die Erträge mit 5,3 Tonnen pro Hektar das letztjährige Ergebnis um sechs Prozent. Je nach Region bewegen sich die Mindererträge auch beim Roggen in Größenordnungen von 15 Prozent bis 20 Prozent.
 
Die Anbaufläche von Winterraps beträgt zur Ernte 2016 1,33 Millionen Hektar. Im Vergleich zur letztjährigen Ernte wurde der Anbau von Winterraps somit wieder um 50.000 Hektar ausgedehnt. Auswinterungsschäden im wichtigsten Rapsanbaugebiet Mecklenburg-Vorpommern und die sich anschließende Trockenheit in den nord- bzw. nordöstlichen Landesteilen führten dort zu Ertragseinbrüchen von bis zu 40 Prozent. Im Bundesdurchschnitt werden Rapserträge von lediglich 3,4 Tonnen pro Hektar erreicht, was gegenüber der vergangenen Ernte einem Ertragsrückgang von 14 Prozent gleichkommt. Ursächlich hierfür sind der hohe Krankheits- und Schädlingsdruck während der Vegetationsperiode bei gleichzeitig ungünstigen Witterungsbedingungen zum Zeitpunkt der erforderlichen Pflanzenschutzmaßnahmen bzw. das Fehlen geeigneter Pflanzenschutzmittel wie die neonicotinoide Saatgutbeizung, schlussfolgert der DBV. Vor diesem Hintergrund beträgt die diesjährige Rapsernte nur 4,5 Millionen Tonnen. In Relation zum letzten Jahr entspricht dies einem Rückgang um 11 Prozent, der Mittelwert der Jahre 2011 bis 2015 wird sogar um 13 Prozent verfehlt.

Mais und Zuckerrüben warten auf Sonne

Für Mais und Zuckerrüben hofft der DBV noch auf eine entsprechende Sonneneinstrahlung, welche den Kornertrag des Körnermaises und den Zuckergehalt der Zuckerrüben noch positiv verändern kann. Sofern die Maisbestände nicht unter zu hohen Niederschlagsmengen leiden, haben die Bestände in ihrer Entwicklung nach dem relativ kühlen Frühjahr zuletzt deutlich aufgeholt. Allerdings fehlen den wärmeliebenden Maispflanzen vor allem höhere Temperaturen und die zur Kolbenausbildung notwendige Sonneneinstrahlung. Auch die Zuckerrüben lassen derzeit nur eine durchschnittliche Ernte erwarten. Regional leiden die Bestände unter der übermäßigen Wasserversorgung, weswegen Fäulen auftreten. Ein „Goldener Oktober“ könnte sich bei den spät zu rodenden Beständen jedoch noch positiv auf den Zuckergehalt auswirken, so der DBV.

Wirtschaftliche Situation der Ackerbaubetriebe spitzt sich zu

Die Erzeugerpreise für Getreide sind laut dem DBV seit geraumer Zeit nicht wirtschaftlich. Erschwerend komme hinzu, dass die Erträge deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben und die Ernte durch den schleppenden Fortgang der Druscharbeiten und die notwendige Trocknung des Getreides arbeits- und kostenintensiv ist. Die desaströse Weizenernte in Frankreich könnte den deutschen Landwirten für gute Weizenqualitäten zwar Exportchancen in Richtung Nordafrika – den klassischen Exportdestinationen Frankreichs – eröffnen. Das durch die massiven Ertragseinbußen in Frankreich und in Deutschland verringerte europäische Weizenangebot kann auf den internationalisierten Getreidemärkten jedoch kaum Preissteigerungen bewirken, so der DBV.

Da Getreide und Ölsaaten intensiv gehandelt werden, lässt sich ein hierzulande verringertes Angebot leicht durch die Rekordernten in den USA und in der Schwarzmeerregion ausgleichen. Hinzu komme, dass sich die weltweiten Märkte nach mehreren aufeinanderfolgenden hohen Weizen- und Maisernten durch hohe Lagerbestände auszeichnen, lautet die Markteinschätzung des DBV abschließend.

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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