Dünger aus Pflanzenkohle soll Veredelungsregionen entlasten

Bleser, Gerber Staatssekretär Peter Bleser (links) informierte sich bei Pyreg-Geschäftsführer Helmut Gerber über die Produktion von Pflanzenkohle.
Bild: Neumann

Wie lassen sich Probleme mit Nährstoffüberschüssen in Veredelungsregionen lösen, Nährstoffverluste auf dem Weg vom Stall bis zur Pflanze reduzieren und gleichzeitig der Klimaschutz verbessern? Die Lösung scheint in der Produktion von „Pflanzenkohle“ und der Vermarktung von „Karbondünger“ zu liegen. Um den Weg von Gülle und Mist bis zu einem handelsfähigen Dünger mit gleichzeitiger Klimaschutzwirkung darstellen zu können, arbeiten seit gestern mehrere Partner in Rheinland-Pfalz in dem Projekt „Karbondünger aus phosphorreichen Wirtschaftsdüngern durch Karbonisieren mit Stickstoffrückgewinnung“ zusammen. Der Startschuss für das Projekt fiel in Dörth, dem Standort der Pyreg GmbH. Pyreg ist Hersteller von Anlagen zur Produktion von Pflanzenkohle mithilfe von Pyrolyse.

Ziel des dreijährigen Projektes ist es, einen kohlenstoffhaltigen Stickstoff-Phosphor-Dünger herzustellen. Hierzu sollen Gülle und Mist über eine Pyrolyse-Anlage in einem neuartigen Verfahren zu Pflanzenkohle verarbeitet werden. Am Ende soll ein Handelsdünger in granulierter oder pelletierter Form entstehen. Das Besondere: es handelt sich um mit Nährstoffen angereicherte Karbonisate. „Der kohlenstoffhaltige Dünger soll dazu beitragen, Nitrate im Oberboden zurückzuhalten“, sagte Prof. Claudia Kammann von der Hochschule Geisenheim, die sich im Rahmen des Projektes mit der Kohlenstoff-Wirkung der Karbonisate beschäftigt. Die Produktion von Pflanzenkohle sei eine wichtige Klimaschutzmaßnahme, um aktiv CO₂ aus der Atmosphäre zu binden und dauerhaft im Boden anzureichen. „Bislang wissen wir, dass Kohle als Bodenverbesserer Nitrat in den Poren anreichert und zurückhält. Jetzt wollen wir untersuchen, wie sich die Kohle als Dünger verhält“, erklärte die Wissenschaftlerin. „Gleichzeitig wollen wir einen wirtschaftlichen Weg finden, um die Nährstoffe aus Veredelungsregionen in Nordwestdeutschland in unsere vieharmen Ackerbauaregionen z.B. in Rhein-Hessen verlagern zu können“, ergänzte Prof. Thomas Appel von der Technischen Hochschule Bingen, ebenfalls Partner in dem Projekt.

Das Verfahren dazu soll die Pyreg GmbH entwickeln. In einem neuen Verfahren soll die flüssige Gülle mithilfe der Abwärme der Pyrolyseanlage getrocknet und anschließend in dem bereits etablierten Verfahren zu Pflanzenkohle verarbeitet werden. „Wir wollen ein wertvolles Produkt entwickeln, mit dem Landwirte Geld verdienen können. Es soll ein standardisierter, hygienisch einwandfreier Dünger werden, der allen Anforderungen des Düngemittelrechts genügt“; stellte Appel in Aussicht.

„Die Bindung von Nährstoffen, der verminderte Austrag von Nitrat ins Grundwasser und von Ammoniak in die Luft sind hochpolitische Fragen. Daher ist das Forschungsprojekt existenziell und für die Zukunft der Landwirtschaft von großer Bedeutung“, unterstrich auch Peter Bleser, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, der gestern das Projekt mit der Übergabe der Fördermittel offiziell einläutete. Das Bundeslandwirtschaftsministerium stellt für das Forschungsprojekt insgesamt 578.000 € zur Verfügung. Neben der Hochschule Bingen und der Hochschule Geisenheim ist auch die Universität Gießen mit Pflanzenversuchen beteiligt. Als Industriepartner arbeitet neben Pyreg die Firma Klass-Filter mit, die die Technologie für die Gülleseparation liefern wird.

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2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Wilhelm Gebken · 1.
    @Harald Finzel, Danke für den Link

    anmerken möchte ich, dass die Pflanzekohle gerade für die Verelungsregionen interessant ist. Denn der Grund für die Tierhaltung dort sind doch die schwachen Böden, die durch Pflanzenkohle aufgewertet werden könnten und sei es nur mit geringen Mengen pro Jahr. Es muss also gar nichts exportiert werden. Über lange Zeiträume ließen sich so auch dort von jährlichen Güllegaben unabhängige Böden erzeugen. Problem ist die DüngeVO. Dazu muss man wissen, dass die Pflanzenkohle ähnlich wie Aktivkohle alle möglichen Moleküle in seiner riesigen inneren Oberfläche andockt und nicht mehr frei gibt. Das bedeutet, dass eine "am Entzug orientierte Düngung" überhaupt keine Wirkung mehr hat, da sämtlicher Dünger (bis zur Sättigung) in den Kohlepartikeln verschwindet. Eine Erfahrung die auch die Weltverbesserer ständig machen, wenn sie "Terra Preta" herstellen. Aus diesem Grunde empfehlen sie doch, die Kohle mit "Mikroorganismen" zu impfen und lange in einer Jauche/Kompostmischung zu tränken. Auf den ha Ackerfläche umgerechnet würden dabei jährliche Stickstoffmengen von einigen hundert kg N, ZUSÄTZLICH zur normalen Entzugsdüngung heinzukommen., was dem schwachen Karneickelsand nur gut tun würde. Eine Auswaschung ist aufgrund der Kohlestruktur nicht zu erwarten.

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  2. von Harald Finzel · 2.
    Lesetipp für Interessierte (254 Seiten!)

    https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/publikationen/texte_04_2016_chancen_und_risiken_des_einsatzes_von_biokohle.pdf ("Chancen und Risiken des Einsatzes von Biokohle und anderer „veränderter“ Biomasse als Bodenhilfsstoffe oder für die C-Sequestrierung in Böden") --- Das Umfassendste, was mir bisher zum Thema untergekommen ist. Allerdings sollte man skeptisch bleiben, insbesondere was das mengenmäßige Potential angeht. Nach meiner Meinung ist das mittelfristig bestenfalls für Flächen mit sehr hoher Wertschöpfung wie z.B. im Gartenbau interessant. Der Rest der Landwirtschaft kann sich dann von den Weltverbesserern vorhalten lassen, wie doof er ist, seine Getreideflächen nicht zu "Terra Preta" umzuwandeln....

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