Feldtag: Neue Energiepflanzen zum Boden-, Klima- und Gewässerschutz

Feldtag Der Feldtag informierte über verschiedene Energiepflanzen und ihre Anwendungen.
Bild: TFZ

„Dauerkulturen bedecken den Boden nahezu das ganze Jahr über, mit ihren tiefen Wurzeln schützen sie den Boden und vermeiden Erosion. Haben sich diese Pflanzenarten erst einmal etabliert, sind sie pflegeleicht“, erläutert Wissenschaftlerin Dr. Anja Hartmann die Vorteile von mehrjährigen Energiepflanzen wie Riesenweizengras, Miscanthus und Durchwachsene Silphie.  Hartmann arbeitet am Technologie- und Förderzentrum (TFZ) im bayerischen Straubing, das sich u.a. mit dem alternativen Energiepflanzen beschäftigt. Am vergangenen Mittwoch (30. August 2017) informierte das TFZ auf einem Feldtag über diverse alternative Energie- und Rohstoffpflanzen. Im Fokus dabei stand, wie ein- und mehrjährige Kulturen Boden, Gewässer und letztendlich auch das Klima schützen können.

An Versuchsstandorten rund um Straubing erläuterten Wissenschaftler des TFZ die Eigenschaften der Pflanzenarten. „Miscanthus beispielsweise braucht sehr wenig Dünger, was das Gewässer und gleichzeitig den Geldbeutel schont“, betonte Hartmann. Die Durchwachsene Silphie blüht von Juli bis September leuchtend gelb und bietet so ausreichend Nahrung für Insekten. Für hohe Erträge braucht sie genügend Wasser und Nährstoffe. Geerntet wird Ende August bis Anfang September. Wegen ihres hohen Flächenertrags mit Energieerträgen bis zu 42.000 kWh je Hektar sei die Kultur interessant für die Biogasproduktion.

Am „Schaugarten TFZ“ befinden sich auch die Parzellen des Informations- und Demonstra- tionszentrums Energiepflanzenanbau, auf denen unter anderem Durchwachsene Silphie, Wildpflanzenmischungen, Sorghum und Amarant zu sehen sind. Hier konnten sich die Besucher zu verschiedenen alternativen Kulturen hinsichtlich Ertragssicherheit, Ertragsstabilität, Vegetationszeitbedarf, Trockentoleranz und Substratqualität unter bayerischen Standortbedingungen informieren.

Michael Grieb, stellvertretender Leiter des Sachgebiets Rohstoffpflanzen und Stoffflüsse des TFZ, stellte auf den Versuchsparzellen „Brunnenfeld“ die Ölpflanze Rizinus und die Faserpflanze Kenaf vor, die erstmalig in produktionstechnischen Versuchen angebaut wurden. „Das TFZ untersucht, wie sie sich am Standort Straubing entwickeln, um der steigen- den Pflanzenölnachfrage in Zukunft zu begegnen“, erklärte Grieb. Das Wolfsmilchgewächs Rizinus wurde Mitte Mai ausgesät und könnte sich auch als alternative Ölpflanze etablieren. Das Korn verfügt über Ölgehalte von rund 50 Prozent. Da das Rizinusöl zu rund 80 Prozent aus der dünnflüssigen Ricinolsäure besteht, lässt sich das Öl exzellent als Rohstoff für die Biokunststoffproduktion oder auch als Schmierstoff für Verbrennungsmotoren einsetzen. Grieb wies aber auch auf die Gefahr der Pflanze hin: „Acht Samenkörner reichen aus, um einen Menschen zu töten.“

Vom Kenaf waren fünf Sorten zu sehen. Dabei handelt es sich um eine tropische Faserpflanze aus der Familie der Malvengewächse, aus deren Samen sich auch Öl gewinnen lässt. Die Blattform erinnert an die des Hanfes und so lässt sich auch der Beiname „Cannabinus“ erklären. „Die Einzelfasern sind 1,5 bis zehn Millimeter lang, ähnlich wie die Jutefaser extrem belastbar und für die Verwendung im Automobilbau geeignet“, sagte Grieb und veranschaulichte, wie reißfest die Pflanze ist.

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