So soll der Rückbau von Windkraftanlagen gelingen

Windrad Windräder stehen nicht ewig: Das IPH rechnet mit der ersten Rückbauwelle in zehn Jahren.
Bild: Neumann
Im Rahmen des Repowerings müssen laut Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) in den kommenden Jahren Tausende Windkraftanlagen demontiert und ersetzt werden. Denn zwischen 2001 und 2003 gab es einen regelrechten Bauboom. Und die Lebensdauer einer Windenergieanlage liegt bei etwa 20 bis 25 Jahren. Daher rechnet das IPH mit einer ersten Rückbauwelle in ca. zehn Jahren.

Mit dem Rückbau kommen auf die Windparkbetreiber Kosten in Millionenhöhe zu. Rechtzeitig vor der großen Rückbauwelle wollen die Wissenschaftler des IPH erforschen, wie der Rückbau schnell, günstig und umweltfreundlich gelingen kann.

Momentan dauere der Rückbau einer einzigen Windenergieanlage rund vier Wochen. Dazu werden die Rotorblätter, die Gondel und der Generator per Kran vom Turm gehievt und anschließend in ihre Einzelteile zerlegt. Vieles davon lässt sich laut IPH wiederverwerten, wie z.B. das Kupfer aus den Kabeln oder der Stahl aus den oberen Turmsegmenten. Am aufwändigsten ist jedoch die Demontage des Betonturms. Er wird vor Ort zersägt oder gesprengt. Das Material lässt sich für den Straßenbau verwenden. Die Rotorblätter werden in der Regel geschreddert und als Brennmaterial in der Zementindustrie genutzt.

Der Rückbau ist nicht nur aufwendig, sondern auch teuer: Er kostet nach Angaben des IPH zwischen 20.000 und 30.000 Euro pro Anlage. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Rohstoffe sind dabei schon eingerechnet. Bisher fallen die Kosten nicht stark ins Gewicht, da im Jahr 2015 nur etwa 250 Windanlagen abgebaut wurden.

Sobald die Räder im großen Stil demontiert werden müssen, werde sich die bisherige Demontage-Strategie nicht mehr lohnen, meinen die Forscher am IPH. Derzeit würden Windkraftanlagen komplett vor Ort zerlegt. Dafür müssten Spezialmaschinen zu den Anlagen geschafft werden – beispielsweise Schredderanlagen für die Rotorblätter und spezielle Filteranlagen, die dafür sorgen, dass kein Glasfaserstaub in die Umwelt gelangt.

Effizienter wäre es nach Ansicht der Forscher, sogenannte Demontagenetzwerke aufzubauen. Dann müsste die Windkraftanlage vor Ort nur noch grob zerlegt werden. Die Einzelteile könnten dann in spezialisierte Demontagefabriken transportiert werden, wo beispielsweise die Rotorblätter geschreddert, die Betonsegmente zerkleinert oder die Elektrokomponenten aus der Gondel zerlegt und recycelt würden. Statt die gesamte Infrastruktur an den Ort der Demontage zu bringen, würde das Windrad ins Demontagezentrum gebracht.

Unter welchen Bedingungen sich diese neue Strategie für Windparkbetreiber lohnt, erforscht das IPH im Projekt „DemoNetXXL – Demontagenetzwerke für XXL-Produkte“. Die Forscher wollen dabei klären, wie weit die Windkraftanlagen bereits vor Ort in ihre Einzelteile zerlegt werden müssten und welche Schritte im Demontagezentrum erledigt werden könnten. Denn je weniger vor Ort zerlegt wird, desto teurer ist der Schwerlasttransport in die Fabrik – dafür spart man die Kosten für Spezialmaschinen auf der grünen Wiese. Hier suchen die Forscher nach dem Optimum.
Zudem wollen sie herausfinden, wo die Demontagefabriken gebaut werden sollten – möglichst nah am Windpark oder vielleicht eher nah am Zementwerk, das die geschredderten Rotorblätter als Brennmaterial abkauft? Wie viele solche Demontagefabriken überhaupt benötigt werden und wie stark spezialisiert sie sein sollten, ist bisher ebenfalls unklar.

Das IPH ruft jetzt Windparkbetreiber und Logistikunternehmen auf, die sich für die neue Demontage-Strategie interessieren, sich am Projekt zu beteiligen. Die Forscher erhoffen sich von den Partnerunternehmen Daten aus der Praxis – etwa zum genauen Ablauf der Demontage –, um realistische Ergebnisse erzielen zu können. Interessierte Unternehmen können sich bis zum 1. April unter http://DemoNetXXL.iph-hannover.de melden.  

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