Untersteller: „Ausschreibungssystem nachbessern!“

Pressegespräch gestern in Mannheim (v.l.): Franz Untersteller, Ralf Klöpfer (Vertriebsvorstand MVV Energie AG), Alexander Knebel (Agentur für Erneuerbare Energien, Moderator), Elmar Baumann (Geschäftsführer Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie), Felicitas Kubala (Bürgermeisterin Mannheim).
Bild: Neumann

Das Ausschreibungssystem für Windenergie an Land muss dringend nachgebessert werden. „Wir brauchen eine regionale Komponente, das Referenzertragsmodell reicht nicht aus“, betonte Baden-Württembergs Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, Franz Untersteller (Grüne), gestern (19.04.2018) bei einem Pressegespräch in Mannheim.

2017 ging Baden-Württemberg leer aus

Hintergrund ist, dass kein Windpark aus Baden-Württemberg bei den ersten drei Ausschreibungsrunden im Jahr 2017 einen Zuschlag erhalten hat, bei der ersten Runde im Februar 2018 war es nur ein Zuschlag für sechs Anlagen. „Wir haben u.a. aufgrund der hügeligen Struktur und einer starken Konzentration des Rotmilans höhere Erschließungskosten. Auch müssen die Türme 20 bis 25 m höher sein als beispielsweise im windstarken Schleswig-Holstein“, sagte Untersteller. Würden diese Nachteile nicht ausgeglichen, sei der weitere Ausbau der Windkraftnutzung im Ländle stark gefährdet. Daher habe der Minister dem neuen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier entsprechende Vorschläge bereits gemacht.

Die Idee ist nicht neu: Untersteller hatte sich nach eigenen Angaben bereits zur EEG-Novelle 2017 dafür eingesetzt. Bislang werden regionale Unterschiede nur über das Referenzertragsmodell ausgeglichen. Dabei geht es jedoch um den unterschiedlichen Windertrag an verschiedenen Standorten.

Windkraftnutzung war im Aufwind

Laut Untersteller sei die Windenergienutzung in Baden-Württemberg gerade erst in Gang gekommen. Bis zum Jahr 2011 hätte das Thema bei den Vorgängerregierungen keine Rolle gespielt. Das hatte sich nach dem Atomunglück in Fukushima im Jahr 2011 geändert. „Doch es hatte drei Jahre gedauert, bis die Entwicklung in Gang kam“, erklärte Untersteller. Im Jahr 2015 seien 53 Anlagen neu ans Netz gegangen, 2016 waren es bereits 120 Anlagen, 2017 insgesamt 128 Anlagen.

Auch Photovoltaik sei stark gewachsen bis zum EEG 2014. Dann gab es im Ländle wie überall einen starken Einbruch der Neuinstallationen. „Jetzt geht es zwar langsam wieder aufwärts, aber mit 200 MW pro Jahr sind die Neuinstallationen viel zu niedrig“, moniert Untersteller. Aus diesem Grund hat das Land eine Solaroffensive gestartet. Darin sollen u.a. Solar-Freiflächenanlagen auf benachteiligten Gebieten gefördert werden. Zudem gibt es eine Förderung für Photovoltaikanlagen in Kombination mit netzdienlichen Batteriespeichern.

Als wichtig für die Energiewende sieht Untersteller auch die Elektromobilität. Er plädiert an die Automobilindustrie, diese Technologie nicht zu verschlafen: „Unser Land ist eines der wichtigsten Automobilstandorte weltweit mit über 400.000 Arbeitsplätzen. Wir müssen bei neuen Antriebstechnologien vorn mit dabei sein“, forderte er.

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