Bodenpreise stiegen seit 2007 um mehr als 80 Prozent

Ob Kauf oder Pacht, für Ackerflächen müssen die Landwirte deutschland weit tief in die Tasche greifen.
Bild: Case IH

Die Pachtpreise haben in den vergangenen zehn Jahren eine Steigerung von etwa 80 Prozent hingelegt. Bei den Kaufpreisen hat es im selben Zeitraum sogar einen Anstieg von durchschnittlich 120 Prozent gegeben. Die Grünen kritisieren dafür die Bundesregierung.

Von 2007 bis 2016 stieg die durchschnittliche Jahrespacht für neu vergebene Ackerflächen in Deutschland um rund 80 Prozent. Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums (BMF) auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen hervor. Zahlten neue Pächter damals noch im Schnitt 238 Euro, so waren es zuletzt 430 Euro. Der Gesamtschnitt - also inklusive des Altbestandes - lag bei 328 Euro im Jahr. Der Preisanstieg ist vor allem in Ostdeutschland rasant. Dort ging es durchschnittlich um 86 Prozent nach oben auf zuletzt 266 Euro pro Hektar im Jahr.

Bei den Kaufpreisen war es noch drastischer. Dem Papier zufolge verdoppelte sich der Durchschnittskaufpreis pro Hektar zwischen 2006 und 2015 auf knapp 20 000 Euro. In Ostdeutschland waren es gut 14 000 Euro und damit um das Zweieinhalbfache des Standes von 2006. Für Mecklenburg-Vorpommern weist der Bericht einen Anstieg der Kaufpreise von 335 Prozent für den Zehnjahreszeitraum aus.

Bei einer Bewertung der Preissteigerungen hält sich die Bundesregierung zurück. „Die Frage, ob sich bei den genannten Pachtpreisen positive Deckungsbeiträge erwirtschaften lassen und entsprechend Pachten zu den genannten Preisen ökonomisch sinnvoll sind, haben die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen betriebsindividuellen Situation zu entscheiden“, heißt es in der Antwort des Bundesfinanzministeriums. Für Regeln gegen Preismissbrauch seien die Bundesländer mit den Grundstückverkehrs- und Landpachtverkehrsgesetzen zuständig, lässt das BMF weiter wissen.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Friedrich Ostendorff äußerte sich besorgt über die Preissprünge. Da immer mehr finanzkräftige Großinvestoren Agrarflächen kauften, sei ein Großteil der Flächen schon in Händen außerhalb der Landwirtschaft. Klassische Bauern hätten beim Wettbieten keine Chance mehr. Die schwarz-rote Bundesregierung sei für die Preisentwicklung mitverantwortlich. „Wir brauchen endlich eine Kehrtwende in der Bodenmarkt- und Agrarpolitik“, sagte Ostendorff.

Die für die Veräußerung staatlicher ostdeutscher Agrarflächen zuständige Bodenverwertungs- und verwaltungs GmbH (BVVG) bezeichnet Ostendorff als „Preistreiber auf dem Bodenmarkt“. Er forderte einen sofortigen BVVG-Verkaufsstopp. „Die verbleibenden Flächen müssen für bäuerliche Betriebe, Betriebsneugründungen und mehr Ökologie zur Verfügung stehen“, sagte Ostendorff. Für diese seien die Bodenpreise ansonsten nicht realisierbar.

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Leserkommentare Kommentieren

  1. von Dr. Lutz Hafner · 1.
    Leider hat Herr Ostendorff recht, aber

    Anstatt endlich zu handeln schieben die Regierenden den SCHWARZEN PETER hin und her. Wieder mal ein VERAGEN DER Politik AUF GANZER FRONT . Herr Draghi druckt Geld bis zum abwinken und es gibt immer mehr , die nur noch mit GELD GELD machen und keine Wertschöpfung betreiben . Die schleichen sich direkt oder indirekt in den Bodenmarkt. Das Produkt wird nämlich nicht mehr hergestellt und ist krisensicher. Na die Bauern können ja auch für die neuen Bodenbesitzer arbeiten -- Übrigens ! Bald ist Bundestagswahl!

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