Geflügelmäster diskutierten neueste Entwicklungen in der Hähnchen- und Putenhaltung

Berater Jule Schättler, Gerhard Schwetje, Carla Brüning, Dr. Ludwig Diekmann, Fabian Freese, Mathias Klahsen, Stefan Teepker, Dr. Peter Hiller und Hermann Hermeling
Bild: LWK Nds

„Dem Verbraucher muss bewusst werden, dass die Verbesserung des Tierwohls – wo immer sie machbar ist – mit höheren Kosten verbunden ist.“ Mit diesem Appell eröffnete Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen, am Donnerstag das 6. Fachforum Geflügelmast der LWK in der Cloppenburger Münsterlandhalle.

Rund 800 Besucher diskutierten dort über bessere Haltungsbedingungen für die Tiere und über die wirtschaftliche Situation der Branche. Auf der begleitenden Messe mit mehr als 60 national und international anerkannten Ausstellern informierte sich das Fachpublikum über neueste Entwicklungen in der Hähnchen- und Putenmast.

„Noch nie hat die deutsche und insbesondere die niedersächsische Geflügelwirtschaft über Tierschutz, Tiergerechtigkeit, Tierwohl und den Tierschutzplan Niedersachsen so intensiv gesprochen und diskutiert wie in den zurückliegenden zwei Jahren“, fasste Präsident Schwetje die Situation in den Betrieben zusammen. Die Landwirtschaftskammer befasst sich seit geraumer Zeit mit diesen Themen: In mehreren Vorträgen berichteten Fachleute der LWK über ihre Arbeit für Forschungsprojekte, die Gesundheit und Lebensbedingungen der Tiere verbessern sollen.

Erste positive Effekte sind zum Beispiel durch den Einsatz von aktivierter Pflanzenkohle im Futter von Masthühnern und Putenhähnen zu verzeichnen. Der Futterzusatz soll die Gesundheit von Darm und Fußballen stärken und damit den Einsatz von Medikamenten seltener nötig machen. Eine proteinreduzierte Fütterung, so das Zwischenergebnis eines anderen Forschungsprojekts mit Beteiligung der Kammer, kann Kosten sparen und in einem gut geführten Betrieb die Stickstoffausscheidungen senken.

Die Wirkung von Heukörben, Strohballen und anderen Extra-Angeboten im Stall steht im Mittelpunkt einer weiteren Untersuchung. Deren Ziel ist eine Geflügelhaltung, die es ermöglicht, die Tiere ihren Bedürfnissen entsprechend langanhaltend zu beschäftigen. Das soll verhindern, dass die Tiere sich gegenseitig verletzen. Um dies zu unterbinden, wurde ihnen bislang die Schnabelspitze gekürzt. Eine Prozedur, die künftig überflüssig werden soll.

Wie effizient die Hähnchenmast mittlerweile betrieben wird, wurde in den Diskussionen rund um wirtschaftliche Fragen deutlich. Masthähnchen sind gute Futterverwerter: Zur Produktion von einem Kilogramm Hähnchenfleisch bedarf es nur 1,6 Kilogramm Futter. Im Vergleich zu anderen Masttieren ist Hähnchenfleisch daher relativ preisgünstig zu produzieren. Zudem werden bei der Hähnchenmast weniger klimaschädliche Gase freigesetzt.

Auf dem Fachforum kamen auch die Risiken der Haltung zur Sprache: Ertragsschäden durch eine Tierseuche wie etwa die Geflügelpest ließen sich auch durch konsequenteste Einhaltung der Hygienevorschriften nie ganz ausschließen, hieß es in einem Vortrag über Ertragsschadenversicherungen.

Trotz technischer Innovationen in den Ställen wächst, so war in Cloppenburg zu hören, in der Branche die Sorge, dass die durch weitere staatliche Regulierung nötige, neuerliche Effizienzsteigerung nicht mehr zu erreichen ist. Der Preiswettbewerb um Hähnchenfleisch ist international. „Deutschland und vor allem Niedersachsen hat kein Alleinstellungsmerkmal“, betonte Kammerpräsident Schwetje. „Daher sollten alle Bundesländer gemeinsam und am besten zusammen mit der EU die hoch gesteckten Ziele realisieren.“

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