Klöckner: Dumpingpreise für Fleisch ethisch nicht vertretbar

Julia Klöckner Julia Klöckner
Bild: Twitter @JuliaKloeckner

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat Rabattaktionen von Supermärkten für Fleisch und Milch als "ethisch nicht vertretbar" kritisiert. Im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte die CDU-Politikerin: "Der Handel sagt mir immer, der Verbraucher sei nicht bereit, mehr für Lebensmittel zu zahlen. Doch wer Fleisch verramscht, der verstellt den Blick auf die Wertigkeit der Ware."

Sie halte es nicht für richtig, dass im Bereich der Lebensmittel mit Dumpingpreisen geworben werde: "Dumpingpreise für Fleisch halte ich für ethisch nicht vertretbar." Tiere seien keine Wegwerfware, sondern Mitgeschöpfe. "Daher sollte man Fleischpreise auch nicht als Lockmittel nutzen."

Klöckner verwies in diesem Zusammenhang auf das freiwillige staatliche Tierwohllabel, an dem ihr Ministerium derzeit arbeitet. Mit dem dreistufigen Siegel soll künftig auf der Verpackung gezeigt werden, inwieweit Tierhaltung über dem gesetzlichen Standard hinausgeht. So eine Kennzeichnung sei der massive Wunsch der Kunden, so Klöckner.

"Die Verbraucher können zeigen, wie viel ihnen Tierwohl wert ist. Denn klar ist auch: Investitionen in mehr Tierwohl müssen sich für unsere Landwirte lohnen." Sie sehe eine Verpflichtung "von uns allen", Ansprüche an die Landwirtschaft auch zu honorieren. "Wir sitzen da in einem Boot", so die CDU-Politikerin.

Lesen Sie mehr

6 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Willi Kremer-Schillings · 1.
    Die Worte hör ich wohl...

    ...allein mir fehlt der Glaube. Die Kennzeichnung bei Eier ist doch ein schönes Beispiel: es kommen weiter Eier aus Käfighaltung aus dem Ausland. Von daher unterstütze ich den Vorschlag von Frau Wosnitza: Das Mercosur-Abkommen darf nicht zu Lasten der Bauern gehen. Wie Sie, Frau Klöckner, dass aber mit dem Wirtschaftsminister hinbekommen, darauf bin ich gespannt. Ist der nicht aus Ihrer Partei? Na, dann dürfte das doch kein Problem sein...Ich prophezeie aber, dass auf dem Altar der Exportnation Deutschland wieder einmal der Bauer geopfert wird. Und jetzt warten wir auf Fakten. Genug geredet.

    Das meinen unsere Leser:
  2. von John Nissen · 2.
    Nur die halbe Wahrheit

    Leider werden höhere Preise den Landwirten nur wenig nutzen. Bei 3 von 10 Landwirten wird wieder das "Gier frisst Hirn" -Prinzip durchkommen. Bessere Preise -> Pachten erhöhen -> neue Ställe bauen etc... Ergebnis: Das Geld wird den Verpächtern weitergereicht, das Angebot an Fleisch erhöht und der Preis fällt, weil Marktwirtschaft nun mal so funktioniert. Am Ende haben alle verloren. Die höheren Preise für höhere Standards sind die Nischen für kleinere Betriebe und einen kleinen Käuferkreis. Frau Klöckner könnte einfach die gesetzliche Mindestfläche je Tier im Stall erhöhen auf z.B. 1,5 qm je Schwein. Dann würde sich der Preis auch ändern.

    Das meinen unsere Leser:
  3. von Karlheinz Gruber · 3.
    Was interessiert die Ethik

    wenn es ums knallharte Geschäft geht. Doch nur so viel, wie benötigt wird, um Marktführer zu sein. Viele Labels in der Mode lassen in Billigstländern , wo Kinderarbeit herrscht produzieren. Der Verbraucher verdrängt es, weil er ja lieber dann in dieses Land fliegt zum Urlaub machen und nichts davon mitbekommt, weil er aus der All inclusiv Hotelburg nicht rauskommt. Nichts gesehen dort, also war es eine Falschmeldung... Bei uns in der LDW nicht anders. Nur mit einem Unterschied. Hier wird der Verbraucher von den NGOs unter Dauerbeschuß genommen, mit Bildern, die Suggerieren sollen, wie schlecht es den Tieren geht, wie krank unser System ist usw. und der Verbraucher wird zu Spenden aufgerufen. Die Konzerne reagieren mit Eigeninitiativen, die Politik mit Bundesauflagen und der Verbraucher dafür wieder mit Käufen beim Discounter unterhalb der Produktionskosten des Landwirtes. Und das mit gutem Gewissen. Denn er hat ja für die Ethik den NGOs, den Kämpfern für mehr Ethik, gespendet. Der Rest ist dem Verbraucher doch wurscht. Denn seine Ethik beginnt und Endet am Geldbeutel. Oder warum dümpeln die Ethikproduzenten denn immer noch hinter der konv. Landwirtschaft in Sachen Mengen hinterher? Wenn er es so wollte, braucht er nur mit mehr Geld das bezahlen. Aber es ist und bleibt eine Scheindebatte, Eine Lügenaussage, ein Alibiwunschdenken. Unseren Tieren geht es besser als je zuvor in der Geschichte in unseren Ställen (bei den rechtschaffen wirtschaftenden Bauern, nicht bei den schwarzen Schafen)! Das heißt nicht, das man auch bei uns nicht immer wieder was verbessern kann. Aber dafür sind die Praktiker eh immer offen. Denn Verbesserungen wirken sich auch bei uns über höhere, gesündere Tiere monetär aus.

    Das meinen unsere Leser:
  4. von Christian Bothe · 4.

    Diese Position ist sehr löblich Frau Klöckner. Aber was ist zu tun, um dieser Verramschung von Lebensmitteln entgegen zu wirken? Das staatliche Tierwohllabel ist wichtig und für den Produzenten muß das bezahlbar sein und es muß sich rechnen! Der LEH ist also in erster Linie gefragt, denn dort werden die Verarbeitungsprodukte gelistet, welche über Schlacht-und Milchhöfe, Wurstfabriken etc. dem Handel angedient werden. Werden dort anständige Preise erreicht,können diese an den Bauern weitergegeben werden bei entsprechenden DB, um Existenzen zu sichern! Soweit die Theorie. Ohne staatliches Eingreifen (Bsp.:Kartellamt, Preisabsprachen, EK usw.) wird das aber nicht gehen, freie Marktwirtschaft hin oder her! Bei diversen Kartoffelabpackern hat das funktioniert! Entscheidend dabei ist die Listung unter Einstandspreis, was kartellrechtlich bedenklich sein sollte! Ich spreche hier aus eigener Erfahrung, da ich einige Jahre mit meiner Fa. Kloßteig DLG,QS,QM,HKZ- zertifiziert, produziert habe und diesen im LEH gelistet hatte...Trotz aller Skepsis meinerseits, Frau Klöckner, machen Sie einen runden Tisch mit allen Marktteilnehmern um obiges Problem in einigermaßen geordnete Bahnen zu lenken, damit landwirtschaftliche Erzeugnisse nicht weiter unter Wert verkauft werden. Der Verbraucher sollte dann auch entsprechende Qualität bezahlen können.

    Das meinen unsere Leser:
  5. von Hans Nagl · 5.
    Dumpingpreise für Fleisch ethisch nicht vertretbar

    Ja, aber wo sind Lösungen gegen Dumpingpreise ?

    Das meinen unsere Leser:
  6. von Kirsten Wosnitza · 6.
    Die Glaubwürdigkeit von Ministerin Klöckner

    Wird an diesem Thema sichtbar werden. Wenn sie es ehrlich meint, wird sie sich in ihrer Regierung eindeutig gegen den Abschluss der Mercisur Abkommen stellen. Andernfalls müssten ihre Aussagen als Ablenkungsmanöver und Sonntagsreden gewertet werden.

    Das meinen unsere Leser:
Ihre Meinung

Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!

Sie sind neu hier?

Als Abonnent kostenlos registrieren