Landwirtschaftliche Betriebe mit Vieh werden immer größer

Der Strukturwandel führt zu weniger Betrieben mit Tierhaltung, dafür halten die verbleibenden Betriebe mehr Tiere.
Bild: John Deere

Der Strukturwandel führt in Baden‑Württemberg zu immer weniger landwirtschaftlichen Betrieben, die Vieh halten. Gleichzeitig werden die Tierbestände in den einzelnen Betrieben immer größer. Das gilt für fast alle Tierkategorien.

In Baden-Württemberg gibt es nach den Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung 2016 immer weniger landwirtschaftliche Betriebe, die Vieh halten. Gleichzeitig werden die Tierbestände in den einzelnen Betrieben nach Feststellungen des Statistischen Landesamts immer größer. Diese Entwicklungen lassen sich für alle im Rahmen der Agrarstrukturerhebung erfassten Tierkategorien feststellen, wobei es Unterschiede im Detail gibt, heißt es beim Landesamt weiter.

Im Frühjahr 2016 gab es im Land 14 740 landwirtschaftliche Betriebe, in denen insgesamt 984 363 Rinder gehalten wurden. Gegenüber 2010, dem letzten Jahr mit einer vergleichbaren Erhebung, hat sich die Zahl der Rinder haltenden Betriebe um nahezu ein Fünftel verringert (−18,1 Prozent), während der Rinderbestand vergleichsweise moderat (−3,0 Prozent) eingeschränkt wurde. Die durchschnittliche Bestandsgröße stieg von 56 auf 67 Rinder je Betrieb. Der wichtigste Zweig in der Rinderhaltung sind die Milchkühe. In diesem Betriebszweig hat die Zahl der Betriebe zwischen 2010 und 2016 deutlich stärker abgenommen als die Zahl der Rinderhalter insgesamt (−29,7 Prozent auf 7 572). Die Zahl der Milchkühe ist dagegen nahezu unverändert geblieben (−1,9 Prozent auf 346 936 Milchkühe). Der durchschnittliche Milchkuhbestand wuchs von 33 auf 46 Milchkühe.

Die Haltung von Schweinen wurde innerhalb von nur sechs Jahren in fast vier Zehnteln der Betriebe eingestellt (−39,6 Prozent). Das ist die stärkste Abnahme von allen Tierkategorien. Im Jahr 2016 waren es daher nur noch 5 250 landwirtschaftliche Betriebe, in denen insgesamt 1 875 626 Schweine gehalten wurden. Der Schweinebestand wurde demzufolge gegenüber 2010 um gut ein Zehntel (−12,1 Prozent) verringert. Im Durchschnitt hält ein Betrieb Anfang 2016 357 Schweine, im Jahr 2010 waren es noch 245 Schweine.

Im Vergleich zur Rinder- und Schweinehaltung war die Entwicklung bei den Schafen und Ziegen deutlich gemäßigter. Die Zahl der Betriebe mit Schafen hat zwischen 2010 und 2016 um −7,0 Prozent auf 2 716 abgenommen, der Schafbestand hat sich geringfügig verändert (–2,0 Prozent auf 243 558 Schafe). Die mittlere Bestandsgröße nahm von 85 auf 90 Schafe zu. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe mit Ziegen war zwar ebenfalls rückläufig (−2,8 Prozent auf 2 502), dagegen ist für den Bestand an Ziegen sogar eine positive Veränderungsrate festzustellen (+18,1 Prozent auf 29 776).

Ebenfalls positiv entwickelt hat sich der Bestand an Hühnern und sonstigem Geflügel. Bei Hühnern ist gegenüber 2010 eine Zunahme um 20,9 Prozent auf gut 4,3 Millionen zu verzeichnen, die höchste Zuwachsrate unter allen Tierkategorien. Bei sonstigem Geflügel, das sind Truthühner, Enten und Gänse, ist ebenfalls eine Zunahme zu verzeichnen (+12,4 Prozent auf 1,1 Millionen). Wie bei allen anderen Tierkategorien sind auch beim Geflügel die Halterzahlen rückläufig, bei Hühnern −26,9 Prozent auf 7 103 und bei sonstigem Geflügel −13,8 Prozent auf 976 Betriebe. Der durchschnittliche Hühnerbestand beziffert sich auf 606 Hühner (2010: 366 Hühner), bei sonstigem Geflügel sind es 2016 im Durchschnitt 1 161 Tiere je Betrieb, 2010 waren es 891 Tiere.

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12 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Andreas Thiel · 1.
    Unternehmertum

    Sehr geehrter Herr Gebken. Leider kann Ich ihrer These, die Fläche wandert zum besten Wirt nicht ganz folgen. Was hat es mit freiem Unternehmertum zu tun, wenn Flächen an Investoren abwandern, sind das die besten(Land) Wirte??? Oder liegt nicht gerade hier eine große Gefahr für die Landwirtschaft allgemein, sei es konventionell oder Bio, das fachfremde Unternehmer sich einmischen und den Berufsstand zwangsläufig weiter spalten und noch angreifbarer machen damit?

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  2. von Erwin Koch · 2.
    Schlecht, schlechter, am schlechtesten

    BAUERN; ist es nicht unnötig und einfältig darüber zu diskutieren wer die schlechtere und bauernfeindlichere Agrarpolitik macht und machte? Ob der Bauer durch Wettbewerbsideologien und Weltmarktsfantasien und dem "Recht des Stärkeren" in den wirtschaftlichen Ruin getrieben (CDU FDP) oder durch pseudo Schutzideologien, öffentlichen Herabwürdigungen und überzogenem Bürokratismus (Rot Grün) zur Aufgabe seines Hofes gezwungen, von seinem Land vertrieben (treffender Begriff aus feudalherrlicher Zeit ENTSETZT ) wird,ist für die Bewertung des politischen Farbenspiels sch...egal und das Ergebnis immer Gleich. Das Land der Bauer kommt immer mehr in die Hand des Staates und der Kapitalanleger. Sicherlich ist Frau Hendriks die größte Hasserin und Feindin der Bauern, sie ist aber Ministerin unter der CDU Kanzlerin Merkel und diese tut NICHTS gegen Hendriks und stimmt allen Bauern und Landwirtschaft schädigenden Gesetzen und Machenschaften dieser Ministerin und aller anderer Bauernhasser in politischen Ämtern zu! Da fehlt einem doch das Verständnis dafür, das es Bauern gibt die auf das heuchlerische Mitgefühl schwarzer und gelber Politiker für die armen Bauern und die "unglückliche Lage" der Landwirtschaft stehen, sie positiv sehen, sich blenden und emotionalisieren lassen. Es gilt der Bibelspruch: da ist keiner auch nicht einer der "Gutes tue" !

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  3. von Heinrich Esser · 3.

    Das sind klare Worte, wobei die breite CDU-Unterstützung seitens der Bauern immer noch schleierhaft ist. Das was dort betrieben wird, ist doch offensichtlich reine Heuchelei. Mal ganz zu schweigen vom DBV, der ja quasi deckungsgleich mit der CDU ist.

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  4. von Wilhelm Gebken · 4.
    Sehr gehrter Herr Esser, damit haben Sie Recht:

    Es interessiert Niemanden (ausser vielleicht in Bayern), wieviele landwirtschaftliche Betriebe noch ihre Tore schließen müssen. Bei CDU/FDP habe ich aber immerhin die Chance frei und selbstbestimmt zu wirtschaften und erhobenen Hauptes unterzugehen, während ich von Rot/Rot/Grün bevormundet, gegängelt, beleidigt, verleumdet, enteignet und in den bürokratischen Wahnsinn getrieben werde. Das Menschenrecht auf Streben nach Glück, in der Verfassung der USA niedergeschrieben, wird den deutschen Bauern von weltfremden Schul- und Studienversagern streitig gemacht.

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  5. von Heinrich Esser · 5.
    @Herr Gebken

    Keine Sorge, ich bin mit der der Marktwirtschaft bestens bekannt und ich habe auch nichts gegen Unternehmertum. Das früher oder später Betriebe aufgeben ist auch klar. Es ist auch sehr einfach das nur von der Landespolitik abhängig zu machen, Bundes- und Europapolitik sowie auch die kommunaler Ebene bestimmen ebenfalls den Schwund von Betrieben mit. Was mich aber stört ist folgendes Zitat von Rainer Deppe (CDU) aus der aktuellen LZ Rheinland und ihre Argumentation: "Unser Leitbild sind vor Ort verwurzelte, familiengeführte Betriebe. Alle politischen Maßnahmen sind darauf auszurichten, diese Betriebe zu erhalten und zu stärken." Sie dagegen sagen, die CDU steht für eine Politik, in der immer weiter Betriebe weichen müssen, um Platz für stetig wachsende Betriebe zu machen. Und solche Aussagen habe ich von vielen CDU-Politikern erlebt. Aber was stimmt denn nun? Familienbetriebe erhalten oder nicht? Anscheinend klaffen nicht nur bei den Grünen Wahlversprechen und Realität weit auseinander...

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  6. von Erwin Koch · 6.
    BW auf dem Weg in eine ""zukunfts-und wettbewerbsfähige Agrarstruktur""!!

    Strukturwandel = Stärkung der wettbewerbsfähigen Betriebe. Es läuft doch voll im Sinne einiger BV Leute in Württemberg und Berlin

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  7. von Gerhard Steffek · 7.
    Ein Trend,

    der sich unweigerlich fortsetzen wird. Nicht nur aufgrund politischer, sondern alleine schon durch die technische Entwicklung. Ich habe ein Bild meines Großvaters aus den 50er Jahren, sitzend auf einem von Ochsen gezogen Mähwerk. 1954 wurde bei uns der erste Schlepper gekauft, Leistung 15 Ps, Hier habe ich noch Bilder aus diesen Jahren, bei denen mein Vater den Schlepper fuhr und meine Mutter den Bindemäher steuerte. Leistung, Arbeitskraftbedarf pro Hektar ????? und heute welche Leistung hat man beim Mähdrusch heute? 2014 war es New Holland mit einem 653 PS starkem Gerät und 80 Tonnen die Stunde. Berücksichtigt man die alten Flächenangaben, Morgen, Tagwerk, so ergibt sich deren Bedeutung aus den alten Flächenleistungen der damaligen Zeit. Heute - heute wird ein vielfaches davon allein in einer Stunde erledigt. Auch in der Tierhaltung, Melkroboter, automatische Fütterungen und Entmistungen erledigen auch vieles selbstständig und oftmals besser als der Mensch und machen somit auch viele Menschen "überflüssig". Zu früheren Zeiten gab es aber zumindest gefühlt mehr Wertschätzung dem Bauern gegenüber. Da galt der Bauer noch was, da konnte man noch stolz auf diesen Beruf sein. Aber heute? Heute wird er doch zumindest in einigen Kreisen, die sich aus ideologischen Gründen die Agrarwirtschaft als ihre politische Spielwiese auserkoren haben, als Brunnenvergifter angesehen, wenn er nicht nach ihren Vorstellungen, so abstruß, fach- und weltfremd sie auch sein mögen, wirtschaftet. Den Gipfel des Abbaus der Wertschöpfung lieferte meiner Ansicht nach anno dazumal Gerhard Schröder. Dieser machte doch damals aus dem Landwirtschaftsministerium ein Dreifachministerium mit der Landwirtschaft am Ende, Leitung Renate Künast. Damals wusste ich jetzt ist die Landwirtschaft am "Ende". Die SPD hatte eh noch nichts dafür übrig und die Grünen wollen nur ihre Ideologie durchdrücken. Das haben wir heute noch. Das Ende der Fahnenstange ist aber deswegen noch nicht erreicht. Der Abbau geht auch aus gesellschaftlichen und finanzwirtschaftlichen Gründen weiter. Wer unter den Jungen macht bei der heutigen Wirtschaftslage und Wertschätzung in diesem Beruf weiter? Besonders als Familienbetrieb? Keinen Urlaub, 24 Stundenbereitschaft (Definition eines Selbstständigen: Selbst und ständig), Ansehen als Brunnenvergifter und, und, und. Dazu kommt noch die finanzelle Seite. Je größer die Betriebe, umso höher die Steuerlast bei der Übergabe. Ich denke alleine schon deshalb wird sich in den nächsten Zeiten eine Auflösung der familiären Betriebe ergeben. Bäuerliche Landwirtschaft ade, ob man will oder nicht und allen Beteuerungen zum Trotz.

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  8. von Wilhelm Gebken · 8.
    Sehr geehrter Herr Esser, das ist ganz einfach zu deuten:

    CDU und FDP stehen für eine marktwirtschaftliche Landwirtschaft. Sie wissen was das bedeutet? Jeder wirtschaftet so gut er kann, Innovationen werden belohnt und die Fläche wandert zum besten Wirt. Punkt! Unternehmertum gefällt nicht jedem, aber ohne sie wären wir wirtschaftlich nicht da wo wir sind. Die Grünen ignorieren diese grundlegenden Erkenntnisse und versprechen uns eine heile Welt, wenn wir alle nur ihren ideologisch motivierten Glaubenssätzen folgen und sie gewähren lassen. Nun, die Grünen hatten die Möglichkeit in BW zu zeigen was sie können. Dort sind sie so stark wie nirgendwo sonst, in einer der reichsten Regionen dieser Welt und sie haben kläglich versagt!!! Wie wollen diese "Rohrkrepierer" die Welt mit flächendeckender Biolandwirtschaft beglücken, wenn ihnen dies noch nicht einmal dort wo die allerbesten Voraussetzungen dafür vorliegen, auch nur ansatzweise gelingt?

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  9. von Wilhelm Grimm · 9.
    ROHRKREPIERER ? Es ist noch viel schlimmer !

    Alle, ob Bauern oder Städter, sind getäuscht worden und mit dümmlichen Sprüchen ist eine feindselige Stimmung zwischen Landwirten und Verbrauchern geschürt worden, sogar im Berufsstand selbst wurde Zwietracht gesät. Wer von unseren Berufskollegen diesen Rattenfängern geglaubt hat, ein Strukturwandel sei aufzuhalten, ist nicht nur schwer enttäuscht worden, der ist auch in seiner Lebensplanung beeinträchtigt worden.

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  10. von Hans-Hermann Nohring · 10.
    Strukturwandel

    Strukturwandel heißt für mich in aller erster Linie Resourcenallokation, aber nicht zum Nutzen der übrigbleibenden Bauern, sondern für ganz andere Bereiche (Kommunen, Investoren...). Nur ein Betrieb, der die Bewirtschaftung einstellt, verkauft auch.

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  11. von Heinrich Esser · 11.

    Naja wenn Sie das so sehen, Herr Gebken, hier die letzten Zahlen aus NRW: 2003: 44 633 Betriebe 2007: 39 276 Betriebe 2010: 35 750 Betriebe 2013: 34 303 Betriebe 2016: 33 688 Betriebe Dabei bestand von 2005-2010 die Regierung aus CDU und FDP. Wie deuten Sie denn das?

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  12. von Wilhelm Gebken · 12.
    So so, massive Betriebsaufgaben zwischen 2010 und 2016

    Seit 2011 regiert in dem Bundesland doch die Partei, die massivst für den Erhalt der bäuerlichen Familienbetriebe eintritt. Die Partei, die verspricht, dass sie dafür sorgen wird, dass alles besser wird, dass bald wieder, so wie früher, ganz viele glückliche Kleinbauernfamilien fröhliche Lieder singend, ihre Kühe über die Dorfstraße auf die biodiversiven Wiesen treiben. Ein Rohrkrepierer oder?

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