Lidl führt vierstufige Haltungskennzeichnung bei Frischfleisch ein

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Bild: Lidl

Die Handelskette Lidl kennzeichnet ab April seine eigenen Frischfleischprodukte (Schwein, Rind, Pute, Hähnchen) mit einer vierstufigen Haltungskennzeichnung: Stallhaltung, Stallhaltung Plus, Auslauf oder Bio. Lidl nimmt sich damit verbunden als erster Händler konkrete Ziele für eine tierwohlgerechtere Sortimentsgestaltung vor.

"Unser Ziel ist es, dass sich langfristig das Haltungs- und Tierwohlniveau in der gesamten Branche hebt und Lidl das komplette Eigenmarkensortiment im Bereich Frischfleisch auf mindestens Stufe 2 'Stallhaltung Plus' umstellt", erklärt Jan Bock, Geschäftsleiter Einkauf bei Lidl Deutschland. Wichtig ist Lidl dabei, dass alle Akteure der Lieferkette mitgenommen werden und insbesondere Landwirte unterstützt werden, sukzessive den Standard in Sachen Tiergesundheit und Tierwohl zu steigern.

4-Stufen-Modell analog zur Eierkennzeichnung

Der Lidl-Haltungskompass orientiert sich am einfachen und bereits dem Verbraucher bekannten System zur Eierkennzeichnung. Insgesamt vier Stufen zeigen an, wie das Tier, dessen Fleisch in der Kühltruhe liegt, gehalten wurde:

Lidl Haltungskennzeichnung 2018

  • Stufe 1 "Stallhaltung": entspricht den gesetzlichen Bestimmungen
  • Stufe 2 "Stallhaltung Plus": gewährt Tieren mehr Platz sowie Beschäftigungsmaterial, das gekennzeichnete Fleisch stammt nachweislich aus Betrieben, die diese Zusatzkriterien erfüllen
  • Stufe 3 "Auslauf": gewährt Tieren zusätzlich mehr Platz, Tiere werden gentechnikfrei gefüttert und haben Zugang zu Außenklimabereichen
  • Stufe 4 "Bio": entspricht den gesetzlichen Bestimmungen für Bio-Fleisch Alle Frischfleischprodukte (Schwein, Rind, Pute, Hähnchen) im Sortiment des Unternehmens sollen zukünftig diese Haltungskennzeichnung tragen.

Konkrete Ziele von Lidl sind:

  • Einführung des Lidl-Haltungskompass ab April 2018,
  • Anfang 2019 sollen bereits rund 50 Prozent der Frischfleischprodukte mindestens auf Stufe 2 "Stallhaltung Plus" und
  • langfristig soll das komplette Frischfleischsortiment der Lidl-Eigenmarken mindestens auf Stufe 2 "Stallhaltung Plus" umgestellt werden.

Greenpeace feiert Ankündigung als eigenen Sieg

Greenpeace Greenpeace
Bild: Logo
Als Erfolg der eigenen Kampagnen verbucht Greenpeace diesen Schritt des Unternehmens. Der Lebensmitteldiscounter reagiere damit auf über 400 Protestaktionen, mit denen Greenpeace-Aktivisten seit vergangenem April vor Lidl Märkten mehr Transparenz für Verbraucher gefordert und auf "miserable Zustände in der Haltung" hingewiesen hatten, erklärt die Organisation.

"Endlich können Lidl-Kunden selbst entscheiden, welche Haltungsbedingungen sie mit ihrem Einkauf unterstützen", sagt Stephanie Töwe, Landwirtschaftsexpertin von Greenpeace. "Transparenz für Verbraucher ist ein wichtiger Schritt hin zu einer besseren Tierhaltung. Wenn dem Discounter Gesundheit und Wohl der Tiere wirklich wichtig sind, muss Lidl Fleisch aus tierschutzwidriger Haltung langfristig ganz aus dem Sortiment nehmen."

Die Tierschützer fordern aber weiterhin eine bundesweite Regelung, mit der die Herkunft frischen Fleischs kenntlich gemacht wird. Die nächste Bundesregierung müsse auf den Wunsch der Verbraucher nach mehr Transparenz und besserer Tierhaltung reagieren und eine Kennzeichnungspflicht auflegen. Andernfalls drohe ein unübersichtlicher Label-Dschungel, in dem Verbraucher leicht getäuscht werden können, so Töwe.

Tierschutzbund hätte Nummern wie beim Ei besser gefunden

Lob kommt auch vom Deutschen Tierschutzbund. „Konventionelle Produkte, die keinen Mehrwert im Vergleich zum gesetzlichen Standard bieten, sind nun als solche auch erkennbar. Und der Mehraufwand der Landwirte hin zu besseren Haltungsbedingungen in den Ställen wird durch diese Kennzeichnung transparenter", schreibt der Verein in einer Pressemitteilung.

Der Tierschutzbund hätte sich nur gewünscht, dass sich Lidl an der vom Verbraucher bereits gelernten Staffelung bei den Eiern orientiert: sprich 0 Bio bis zu 3 Käfighaltung. Dass Lidl nun 0 unten ansetzt und Bio mit der Ziffer 4 verknüpft, trage nicht zur Verbrauchersicherheit bei.

Grüne wollen gesetzliche Kennzeichnungspflicht im Koalitionsvertrag

Anton Hofreiter Anton Hofreiter
Bild: Grüne Woche
Grünen-Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter hält es unterdessen für ein "Armutszeugnis für die Bundesregierung", dass einzelne Handelsketten ein eigenes Fleischkennzeichnungs-System entwickeln müssten. "Die Regierung Merkel sperrt sich seit Jahren gegen ehrliche Informationen der Verbraucher über die Haltung von Tieren. Wir brauchen endlich eine verständliche und einheitliche Tierhaltungskennzeichnung auf Fleischprodukten. Eine solche Haltungskennzeichnung, wie sie bei Eiern bereits seit Jahren funktioniert, ist auch bei Fleisch möglich." Seine Partei erwarte, dass Union und SPD das Thema in ihren Koalitionsgesprächen angehen und die Einführung einer gesetzlichen Kennzeichnungspflicht im Koalitionsvertrag verbindlich festhalten."

Bioverbände: "Wie groß muss das Vakuum sein?"

Das sieht auch Bioland-Präsident Jan Plagge so: „Der Handel  ist offenbar näher an den Fragen der Bürger, als es die Bundespolitik derzeit ist. Anstatt abzuwarten handelt der Handel. Wir begrüßen den Vorstoß von Lidl. Ein solch sinnvolles System hätte allerdings längst von der Politik kommen müssen. Schließlich wird an der Kennzeichnung von Wurst- und Fleischprodukten seit Jahren geforscht und gearbeitet."

Plagge hofft, dass weitere Händler nachziehen und den Verbrauchern ebenfalls vollständige Transparenz bieten. Die Bundesregierung müsse zum Wohl der Verbraucher, Umwelt und Nutztiere nun auch endlich eine verpflichtende Haltungskennzeichnung einführen.
 
Peter Röhrig, der Geschäftsführer des Bio-Dachverbandes Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), fragt sich dagegen, wie groß das Vakuum sein müsse, das die Politik gelassen hat, wenn der Handel nun eine eigene Tierhaltungskennzeichnung startet.

Katrin Wenz,  Agrarexpertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), erklärte ihrerseits, dass der Haltungskompass in die richtige Richtung weist, jedoch keine staatlich verbindliche Haltungskennzeichnung ersetzen könne. "Der Discounter ist hier weiter als die Politik. Die Mehrzahl der Verbraucher ist laut Bundeslandwirtschaftsministerium bereit, mehr zu bezahlen, wenn die Tiere besser gehalten werden- Die Verbraucher wollen mehr Tierwohl. Es ist gut, dass der Handel nun auf den Druck der Konsumenten reagiert."

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13 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Hans-Paul Sierts · 1.
    Meine Empfehlung an die Verbraucher:

    Stufe 1 kaufen weil dieses Fleisch vollkommen ok ist! Ich gehe davon aus das dieses QS-zertifiziert und nach anerkannter guter landwirtschaftlicher Praxis produziert ist. Der produzierende Betrieb wird alle Anforderungen zur Gewährung der EU-Direktzahlungen erfüllt haben und vielleicht noch einiges mehr. Viele dieser Tiere waren sicherlich auch zeitweise auf der Weide. Wie will man das eigentlich kontrollieren? Aber es heißt ja sehr allgemein "Zugang zu Außenklimabereichen", wie auch immer diese aussehen sollen. Ich habe mir hier Gedanken gemacht aus der Sichte des Rinderhalters, zur Schweine- und Geflügelhaltung sollen sich andere äußern.

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  2. von Rudolf Rößle · 2.
    Lidl

    wichtig ist, dass man sein Label ausloben kann. Es kommt sogar von Hausherrn selbst. Die Preisdifferenzen werden zeigen, wie der Erzeuger reagieren wird. Ich denke auch,wer sich nicht bemüht von der ersten Stufe sich absetzen zu können, wird in Zukunft , sofern es sich für Lidl rechnet schlechte Karten haben. Aus Stufe zwei wird später Stufe eins.

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  3. von Anke Möbius · 3.
    Super !

    Was wir Bauern und die Politiker nicht schaffen, macht eben der Handel.

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  4. von Bernhard ten Veen · 4.
    Langsam aber sicher

    werden die innerdeutschen Mastbetriebe, denen es nicht möglich ist eben diese "Masttiere" aus den Ställen auf das Land zu schicken,wegrationalisiert. Jahre lang haben die Bauern ihre Haltungsbedingungen über grosse Investitionssummen verbessert, die "Meisten" von Ihnen sich dem Kontollsystemen QS (oder wie sie alle heissen) angeschlossen, (auch so ein korruptes, von der Fleischindustrie aufdiktiertes Bürokratiemonster) und dann kommen solche Marktgiganten wie LIDL daher, kaufen sich über Sponsorengeld bei den Extremisten BUND ein, tun so alsob sie mit ihrem selbst verfassten "Haltungskompas" als Allheilmittel der "Agrartechnisch bedingten Tierquälerei eine Weltbewegende Veränderung herbei zaubern würden. Das einzige was sie bewirken ist das noch mehr Bäuerliche Familienbetriebe sterben werden. Unlauterer Wettbewerb zu Ungunsten der Bauern und zur Konzerneigenen Gewinnmaximierung. Verbraucherverdummung und -täuschung. Woher wollen sie denn eben diese verlangte und angepriesene Ware bekommen? doch nur im Ausland...zu "Überhauptkeinen Produktionsstandarts". getreu dem Moto - LIDL ist billiger - LIDL ist und bleibt ein Fall für die Obersten Wettbewerbshüter, die Ethikkommission, die Kirchen(Mischen sich ja sonst auch überall ein), die Antikorruptionsbeauftragten und nicht zuletzt das Finanzamt. Und dem BUND sollte SOFORT die Gemeinnützigkeit entzogen werden. Mit solchen Unlauteren Machenschaften tun sie niemandem einen Gefallen.

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  5. von Stefan Nieberg · 5.
    Ich bin mal gespannt

    wo das Fleisch der Stufe 4, Bio herkommen soll, das ist doch jetzt schon knapp. Oder kommt das aus dem Ausland wo nicht so genau hingeschaut wird, wie bei vielen anderen Bioprodukten...

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  6. von Jörg Meyer · 6.
    Endlich ein Feldversuch

    mit belastbaren Ergebnis, wenn es denn so umgesetzt wird. Ich freue mich schon heute auf die Ergebnisse! Wichtig für mich: Kein Fleisch darf mit Rabatt unter Einkaufspreis angeboten werden, sondern die anfängliche Preisdiffernez muss kontinuierlich gewahrt bleiben! Neben den gekauften Produkten im Laden muss auch die Verwertung nach Ablauf der Haltbarkeit dokumentiert werden! Man darf auf die Ergebnisse gespannt sein.

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  7. von Gerhard Steffek · 7.
    Die Zeit wird es bringen

    Das Vorhaben LIDL's ist jetzt zwar großspurig angekündigt, aber wie aus den anderen Kommentaren zu recht angemahnt wird die Umsetzung nicht leicht werden. Es würde in der Tat eine getrennte Erfassung der Tiere bedeuten. Zumindest eine genaue Dokumentation der Haltung des einzelnen bis hin zur verpackten Ware in der Theke. Für die kleinen Betriebe wird es dadurch nicht leichter, schließlich sind die Erfassungskosten bei diesem geplanten System auch zu verrechnen. Auf alle Fälle wird sich dadurch der "Verbraucherwille" sehr schnell dabei wieder feststellen lassen. Zumal der Verbraucher heutzutage doch über die Haltungssysteme in keinster Weise keine Ahnung hat, nur "viel" Meinung und nicht weiß was den Unterschied zwischen den einzelnen Haltungsarten wirklich ausmacht. Die "Verbildung" unserer "Tierschützer" war ja da sehr erfolgreich. Nur beim Geld hört sich dann wie so üblich doch die Freundschaft auf.

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  8. von Harald Finzel · 8.
    Ohne Zahlen ist die Meldung von Lidl nichts wert.

    Wie hoch ist der Aufpreis für den Lidl-Kunden? Wie viel Aufschlag kommt beim Tierhalter an? Und: Gelten die Label-Kriterien nur für die Mast, oder werden auch Ferkelerzeugung bzw. Elterntierhaltung mitgenommen? --- Die Vermutung liegt nahe, dass wie üblich bestenfalls die "optimistisch" kalkulierten Mehrkosten weitergereicht werden, und der Großteil der Teilnehmer an solchen Programmen letztlich draufzahlen wird.

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  9. von Heinrich-Bernhard Muenzebrock · 9.
    Nachvollziehbarkeit

    Es ist doch für Lidl gar nicht nachvollziehbar woher die Ware stammt. Wer glaubt, dass Wiesenhof und Andere ihre Bänder anhalten um eine Differenzierung der einzelnen Chargen sicher zustellen, der irrt. Lidl wird die Ware ganz einfach entsprechend auszeichnen ohne die genaue Herkunft zu kennen. Hauptsache der Kunde ist zufrieden und die Kasse klingelt. Es grenzt an Verbrauchertäuschung.

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  10. von Johannes Krane · 10.

    Ich bin sehr gespannt, und dann auch noch innerhalb eines Jahres? Da muss ordentlich Geld auf den Tisch gelegt werden, oder es muss viel Druck auf die Landwirte ausgeübt werden. ( Das macht mir Angst!) Und wenn der Verbraucher demnächst überall Haltungskennzeichnungen sieht, lässt er dann die Freilandeier wieder liegen? Die kennt er ja schließlich schon! Frage an die Redaktion : Haben sie Greenpeace, den Tierschutzbund, die Grünen, Bioland, den BÖLW, und den BUND einzeln um eine Stellungnahme gebeten, oder geben die schon "fast" gemeinsam Presseerklärungen ab? Das würde mir noch mehr Angst machen als der zu erwartende Druck der Schlachtindustrie!

    Anmerkung der Redaktion:
    Die Stellungnahmen von Grünen, Natur- und Tierschutzverbänden kommen immer ungefragt und sehr zeitig, oft schon bevor z.B. etwas beschlossen ist. Was Öffentlichkeitsarbeit angeht, sind die auf Zack; sind ja auch drauf angewiesen, ins Gespräch zu kommen.

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  11. von Bernhard ten Veen · 11.
    wieder nur "Margenoptimierung"

    welche vor den Hoftüren der innerdeutschen Bauern halt macht. Lass die LIDL verantwortlichen erstmal die Karten offen auf den Tisch legen woher aus der globalen Produktion und zu welchen "auch nur annähernd vergleichbaren" Bedingungen diese Ware überhaupt stammt... aber ich glaube, dass LIDL sich damit komplett aus dem vertrauenswürdigen Marktsegment schiessen würde. -!!!- Wieder alles NUR Augenwischerei und letztlich Verbrauchertäuschung zu Gewinnzwecken.-!!!- ...Nirgendwo auf der ganzen welt werden Nutztiere in besseren Haltungsbedingungen aufgezogen als hier in Deutschland. Sollten sich doch die "mündigen Verbraucher" einmal bewusst und unvoreingenommen die Betriebe anschauen. wer schauen möchte und nicht gleich einen krieg anzetteln will dem stehen doch überall die Stalltüren offen...

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  12. von Heinrich Albo · 12.
    Schauen wir mal

    Wie lange ,wieviel oder ob sie dafür überhaupt mehr BEZAHLEN wollen. Wenn das Geld beim Landwirt ankommt ..kein Problem...Es muss für alle Beteiligten insbesondere dem kleinen Landwirt FREIWILLIG sein......Hatten wir vor 20 Jahren schließlich alles schon mal beim größten Einzelhändler....hieß damals "Gut Fleisch". Der Verbraucher zahlt eben nicht mehr weil auch damals schon die Qualität des konventionellen Fleisches sehr gut war und das teurere keineswegs besser war....

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  13. von Andreas Puckert · 13.

    Woher hat Lidl die Infos über Fütterung und Haltung der Tiere? Von den Landwirten oder von den Schlachthöfen? Auf den Lieferscheinen ist zumindest nichts vermerkt! Wo bleibt der Datenschutz?

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