Neues Arzneimittelgesetz: Bürokratieflut im Stall verhindern

Derzeit beraten Bund und Länder über die Umsetzung des neuen Arzneimittelgesetzes. Dabei soll die Bildung von antibiotikaresistenten Keimen eingedämmt werden und eine staatliche Datenbank zum Antibiotika-Monitoring eingeführt werden. Ab 1. Juli 2014 müssen dann bereits Infos zu einzelnen Tieren und verabreichten Arzneimitteln gemeldet werden.

Der Bayerische Bauernverband (BBV) warnt nun davor, dass diese Dokumentation bei Rindern, Schweinen und Geflügel den Landwirte nicht überfordern oder Tierhalter gar zum Aufgeben zwingen dürfe. Es sei Unsinn, wenn Schnittstellen zu bestehenden Systemen wie QS nicht genutzt werden können, so der Verband.

Seiner Meinung nach muss es angemessene Untergrenzen geben, weil nur so der Aufwand in einem vertretbaren Rahmen bleiben könne und das Ziel – den Antibiotika-Einsatz zu optimieren und gegebenenfalls zu verringern – auch wirklich erreicht werden kann.

Mit der geplanten, viel zu komplizierten Umsetzung droht die Politik genau das komplett aus den Augen zu verlieren, kritisiert der Bauernverband. Er ruft daher alle Bauern auf, die verantwortlichen Politiker an das ursprüngliche Ziel zu erinnern und auf die Probleme bei der Umsetzung aufmerksam zu machen. Dies sei über die Seite www.meine-bauernfamilie.de möglich, wo Sie fertige Anschreiben ausfüllen und versenden können.

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4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von gonzo#002 · 1.
    All inclusive

    Zitat aus AHO-online Maastricht – Reisende, die sich in Südostasien und Indien aufgehalten haben und wieder in die Heimat zurückkommen, bringen als Urlaubsouvenir häufig auch Antibiotikaresistenzgene in ihrer Körperflora mit. Das berichten jetzt Wissenschaftler Universität Maastricht im Fachjournal „Emerging Infectious Diseases“. Für ihre Untersuchungen hatten sie 122 gesunde Studienteilnehmer vor und nach einer Reise nach Südostasien und Indien untersucht. Während nur 0,9 Prozent der Probanden vor Reiseantritt ESBL-Resistenzgene in ihrer Körperflora beherbergten, waren es nach der Rückkehr in die Niederlande 33,6 Prozent. Die Häufigkeit von Genen, die eine Resistenz gegen Reserveantibiotika aus der Gruppe Quinolone (sog. Gyrasehemmer) vermittelte, stieg je nach untersuchtem Gen von 6,6 bzw. 8,2% vor der Reise auf 36,9 bzw. 55,7 Prozent nach der Reise. Die Studie belegt noch einmal, dass Reisende zu den steigenden Resistenzproblemen in der Humanmedizin beitragen. Zu vergleichbaren Ergebnissen kam kürzlich niederländische Humanmediziner, die im Hafenkrankenhaus von Rotterdam Seeleute untersucht hatten. Auch hier fanden sie häufig antibiotikaresistente Bakterien (MRSA) (2). Bereits vor einigen Jahren wiesen Wissenschaftler auf die Tatsache hin, dass resistente Keime von Patienten nach Europa eingeschleppt werden, die sich in Indien einer Schönheitsoperation zum Schnäppchenpreis unterziehen. Nicht zuletzt können resistente Keime über Kräuter aus Indien und Südostasien nach Europa gelangen. Meine Anmerkung: Gleiches wurde von Soldatenberichtet, die aus Afganistan und dem Irak zurück kamen. Dieses Problem wird in der Politik völlig totgeschwiegen, weil man den eigenen Wähler ja nicht verprellen will, und wir müssen dann mal wieder dafür herhalten.

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  2. von arching · 2.
    Dokumentation

    Wenn man die miserable Dokumentation beim BBV selbst kennt, dann weiss man, warum sich der BBV gegen jegliche Dokumentation wehrt. Allerdings ist es ein Problem: die Juristen des Ministeriums wollen am liebsten in Papier ersticken, aber irgendwer muss es beschreiben. Der Landwirt darf nicht die Regelungswut abgehobener Ministeriumsmitarbeiter ausbaden. Politisch ist es allerdings schwierig, weil es immer wieder einzelne Landwirte (und Tierärzte)gibt, die Mist bauen und alle müssen dann die Folgen (noch mehr Kontrollen etc.) ausbaden!

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  3. von harley · 3.
    @ grubber7

    Besser hätte ich es auch nicht auf den Punkt bringen können!

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  4. von grubber7 · 4.
    Heuchelei der Politik

    Man will keine Megaställe, verlangt aber von den Betriebsleitern immer mehr Bürokratie, wobei der Aufwand bei größeren Betrieben je Einheit deutlich abnimmt. Dann setzt man in der Regel der Heuchelei noch die Krone auf, indem man argumentiert, dass ganz kleine Betrieb dieses Bürokratie nicht umsetzen müssen, weil das Gefahrenpotential, der Kontrollaufwand etc zu hoch sei. Die ganz kleinen sind nicht die Familienbetriebe, die täglich ums wirtschaftliche Überleben kämpfen, sondern Hobbybauern, Nebenerwerbler etc., die werden langfristig niemanden ernähren. Langfritig werden sich nur sehr große Betriebe durchsetzen können, die "logistische Mindestgrößen" (Ein LKW voll Schlachtscheine von einem Betrieb etc) haben. Ferner benötigen die Betriebsleiter ein entsprechendes Ausbildungsniveau mit entsprechenden Lohnanspruch, die wiederum eine hohe Arbeitsproduktivität vorraussetz, was nur in großen Betrieben leistbar ist, aber die will ja keiner.....Heuchelei bis zum Abwinken....irgendwann kommt unsere Essen aus Rußland oder Brasilien, ob wir dann noch bestimmen könne was drin ist?

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