Schmidt: "Wir brauchen keine Agrarwende!"

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt will notwendige Veränderungen in der Landwirtschaft behutsam vornehmen. „Wir bleiben bei der Agrarentwicklung und brauchen keine Agrarwende“, sagte der Minister letzte Woche bei der Bundestagsdebatte zum Agrarbericht.

Schmidt kritisierte erneut, dass die gesellschaftliche Debatte über die heimische Lebensmittelerzeugung nach wie vor über die Köpfe der Betroffenen hinweg geführt werde. „Ich fordere dazu auf, mit den Landwirten zu reden und nicht über sie“, so der Minister.

Eindringlich warnte der CSU-Politiker vor Pauschalisierungen in der agrarpolitischen Diskussion. „Patentrezepte gibt es nicht“, sagte Schmidt zu aktuellen Forderungen nach einer erneuten Mengensteuerung auf dem Milchmarkt. Instrumente, die bereits früher nicht funktioniert hätten, seien auch heute keine Lösung. Notwendig sei „ein Netzwerk, das Leitplanken schafft und Krisenreaktionen beinhaltet.“

Schmidt bezeichnete den Bodenmarkt als „Baustelle, an der wir arbeiten müssen“. Die zu verzeichnenden Pachtpreissteigerungen und die zunehmende Flächenkonzentration stellten eine Gefährdung für die bestehende Agrarstruktur dar.

Hinsichtlich des angestrebten Bürokratieabbaus will es der Minister nicht bei Lippenbekenntnissen belassen. Künftig werde sein Haus alle zwei Jahre in einem Bericht darüber Auskunft geben, wie sich die Belastung der Betriebe durch europäische und nationale Regelungen entwickelt habe.

Opposition wirft Schmidt Untätigkeit vor

Dr. Kirsten Tackmann Dr. Kirsten Tackmann
In bislang nicht gekannter Schärfe hat die Opposition daraufhin Schmidt attackiert. Sowohl die Agrar-Sprecherin der Linken, Dr. Kirsten Tackmann, als auch Grünen-Agrarsprecher Friedrich Ostendorff warfen dem Minister Untätigkeit in wesentlichen Politikbereichen vor.

Tackmann beklagte das Fehlen eines Agrarleitbildes der Bundesregierung und damit einhergehend eine richtungslose Agrarpolitik. Insbesondere den aus ihrer Sicht gefährlichen Entwicklungen auf dem Bodenmarkt schaue der Minister tatenlos zu.

Auch Ostendorff vermisst schlüssige Antworten auf die Frage, wohin sich die hiesige Landwirtschaft entwickeln solle. Der Minister werde „zwischen Münchner Staatskanzlei und Bauernverband pulverisiert“. Der Grünen-Politiker rief Schmidt dazu auf, einen Masterplan zum Tierhaltungsumbau vorzulegen. Für den Milchmarkt verlangt Ostendorff eine aktive Mengensteuerung, „damit nicht weiterhin jedes Jahr 4 % der Betriebe aufgeben müssen“.

CDU/CSU setzt auf Lösungen statt Verbote

Franz-Josef  Holzenkamp (Bild: Büro Holzenkamp) Franz-Josef Holzenkamp (Bild: Büro Holzenkamp)
Die Sprecher der Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD, Franz-Josef Holzenkamp und Dr. Wilhelm Priesmeier, bekräftigten ihr Bekenntnis zu einer wettbewerbsfähigen Land- und Ernährungswirtschaft. Holzenkamp bezeichnete wettbewerbsfähige landwirtschaftliche Betriebe als „das Rückgrat der ländlichen Räume in Deutschland“. Notwendige Veränderungen dürften daher „nur mit den Landwirten und nicht gegen sie“ vorgenommen werden.

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12 Leserkommentare Kommentieren

  1. von kuhrios · 1.
    Und wir...

    brauchen keinen Schmidt.

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  2. von Franzi13 · 2.
    Mit solchen Dinosauriern und Seilschaften, Filz und Küngelei

    ist auch keine Agrarwende zu schaffen. Dies ist völlig Sinn -und Zwecklos.Ttatsache ist , das diese industrielle Landwirtschaft in Deutschland vom deutschen Bürger nicht mehr akzeptiert wird. Wer das nicht einsieht ist leider auf dem Holzweg.

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  3. von jubodo12 · 3.

    Eigentlich sollten wir die Diskution über die Ernährungsproduktion , welche die Grünen entfacht haben aufnehmen und zu Ende führen . Die Argumentation der Grünen kann man leicht auseinander nehmen , fachlich ist da nichts . Wenn wir es richtig machen werden wir Bauern wahrscheinlich auch als Sieger da rausgehen . Durch die Aktion Veggiday ist noch mehr Fleisch konsomiert worden . Wenn die ganze Wahrheit über Vegane Ernährung und die Blausäurekonzentration in Sojaprodukten bekannt wird , hat sich das auch bald erledigt . Das schwierigste wird sein , aber notwendig , Preise zu erzielen die eine Tiergerechrte und Umweltschonende Erzeugung zulässt .

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  4. von lürade · 4.
    Schmidt kommt inTritt

    oder hättet ihr lieber einen Minister,der sich im Strom treiben lässt. Die Spitzenpolitiker der Grünen turteln bei WHES. Ist euch dieses traurige und unrealistische Gesülze lieber und zukunftsweisender ?

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  5. von berndlohse · 5.
    Unser LW-Minister

    Nachplappern kann er ja, aber ansonsten : setzen 6!!! Die aktuelle Preismisere im Milch- und Schweinefleischbereich ist sehr wohl hausgemacht und soll vom unseren Obersten mit den selben Mittel bekämpft werden, mit denen sie entstanden sind ! Wachstumsförderung und Mengenausweitung haben in einem übersättigten Markt rein gar nichts verloren !!!

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  6. von Erwin.Schneiderbauer · 6.
    Nein wir brauchen einen Minister der seinen Namen verdient!!

    Keine Wachsfiguren, die sich bei geringer Wärmebildung in sämtliche Formen verwandeln, aber so ist halt gewünscht von Mutti Merkel.... Mir grauts

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  7. von klaus1618 · 7.
    Agrarpolitisches (SCHÖN)WETTERLEUCHTEN

    Realisiert man im eigentlichen nicht, dass wir hier in Deutschland kaum mehr 100.000 Vollerwerbsbetriebe haben, die die Ernährung des deutschen Volkes größtenteils sichern!? - Sämtlichste Agitatoren innerhalb der LW, nun wieder einmal in hochoffizieller Mission, insbesondere in einer Selbstdarsteller-Absicht dieser Tage publicityträchtig unterwegs, sehen einzig und allein einen allseits „beglückenden“ Exportmarkt als die erstrebenswerte höchste Zielsetzung an. Gesteht man damit allerdings nicht unterschwellig fast schon resignierend ein, dass wir unsere in sämtlichsten Sektoren AUSSCHLIESSLICH für den Nahrungsmittelbereich erzeugten Bauernprodukte nicht wirklich gewinnbringend an bereits haltlos übersättigten freien Märkten zu platzieren vermögen; in schlussendlicher Konsequenz kann das im Ergebnis für die Bauern nur dazu führen, dass selbige ihre kosten- u. arbeitsintensiven Erzeugnisse zu Ramschpreisen verschleudern müssen. Da platzen regelmäßig, im eigentlichen bereits gewohnheitsmäßig D/Bauern(?)/V-Träume brutalst wie Seifenblasen, ...und diese leidige „Seifenblasen-Oper“ wird nach wie vor von unserer hochintelligenten Verbands-Vordenkerschaft euphorisch als insbesondere von Seiten des kleinen Bäuerleins mittlerweile dringend hinterfragungswürdiges „Bauern-Erfolgsmodell“ der Zukunft gefeiert!?****Unsere Milchflut z.B., um hier EIN hochaktuelles, äußerst brisantes Exempel herausgreifen zu wollen, will keiner in solchen Mengen haben, unabhängig davon, wie hoch angesiedelt hier die jeweiligen Qualitätsstandards sind. Es spricht doch Bände, dass 1 Liter BIER auf dem Münchner Oktoberfest nunmehr die 10,00-Euronen-Marke krisenfest locker geknackt hat und der nebenan auf der grünen Wiese erzeugte Liter MILCH im Bayerischen Voralpengebiet für noch nicht einmal mehr 30 CENT von den Bauern einem vermittelt „begierigen“ Markt angedient werden müssen. Vorstehendes sind jedoch gerade für die Bauern die absolut desillusionierenden Fakten!!!! Kann/darf man darüber einfach ignorant hinwegsehen wollen, wenn man für sich in Anspruch nimmt, dass man für seine vielen, geistig wohl als gemutmaßt minderbemittelt angesehenen Bauernschäfchen (...und bitte, ich möchte hier keinen einzigen meinen Kollegen beleidigen wollen, ich bekenne mich selbst auch zu dieser Spezies!) in einer Für- und Vorsorgeverpflichtung stehend dieser selbigen auch gewissenhaft nachkommt!? Der elitäre Verbandsgeist verhält sich hier doch umgekehrt proportional zur erzeugten gigantischen Milchmenge pro Kuh / pro Bauer. Die marktpolitische Diskrepanz schlägt so eindeutig brutalst zurück, dass ein ignorantes WEGSCHAUEN schon wahrhafter Zauberkünste bedarf.****Das Geschwafel sämtlichst aktuell um ein Tierwohl bemühter ehrgeiziger Verbands- und Agrarpolitiker mitsamt der beratend begleitenden Wissenschaft soll augenscheinlich darüber hinwegtäuschen, WER(!) diesen STATUS QUO als Ergebnis einer Agrarpolitik der vergangenen Dekaden initiiert und federführend mitverantwortet hat, wo das schlichte Bauernhirn beileibe nun nicht in einer ALLEINVERANTWORTUNG steht. - An diesem Punkt nun angekommen, erwartet man im eigentlichen eine Horizonterhellung unserer geistigen Eliten, alternative Produktionen, die die Zukunft der deutschen Bauern auf ihren Höfen zu sichern vermögen, um sich konkurrenzfähig auch einem internationalen Wettbewerb stellen zu wollen, überhaupt zu können. WO SIND DIESE ALTERNATIVEN - ALLES FEHLANZEIGE!!?? Zitat Holzenkamp: „...Bauern mit wettbewerbsfähigen Betrieben als Rückgrat der ländlichen Räume.“ - Herr Holzenkamp in Schulterschluss mit Herrn Dr. Priesmeier „zwangsbeglücken“ mit ihrer GroKo doch zementiert die Bauern auf ihren Höfen mit staatlichen „antidemokratischen“ Folterinstrumentarien, der sich keine andere Berufssparte innerhalb deutscher Grenzen politisch unterstellt sehen muss. Keine Ver-/Gebote(?), kein Zwang(?), sondern vielmehr LÖSUNGEN(!!!), ...werter Herr Holzenkamp, werter Herr Dr. Priesmeier; wie einfach sich doch bloße Worthülsen enttarnen lassen!!!!! Sind Ihre Intentionen nicht ganz anderer Natur!? WACHSEN UND WEICHEN, noch mehr arbeiten lautet die Devise für unsere Bauernkinder, die ihr eigenes Schicksal NOCH auf den Höfen sehen. Bereits heute aber sind die Bauern an einer physischen und psychischen Belastungsgrenze angelangt, nur um haltlos übersättigte Märkte noch effizienter u. weitaus billiger fluten zu können!? - DER KUNDE IST UNSER KÖNIG! Wie können Sie unseren Bauern zumuten wollen, dass sie sich auch noch stetig gegen eine eindeutige Mehrheit der Bevölkerung medial positionieren sollen/müssen!? Diesem Druck ist doch kein Mensch auf Dauer gewachsen. Der BAUER wird dabei geflissentlich zwischen den Fronten der Interessensgegensätze sprichwörtlich zermalmt - und das nur für den schnöden Mammon, um die wenigen Konten unserer Agrarmacht fluten zu wollen!!?? Ist ein Umdenken hier nun weiterhin tatsächlich verzichtbar!? / Noch mehr Bauern-Einbahnstraßen ohne Wiederkehr!?

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  8. von detmarkleensang · 8.
    Bürokratieabbau

    wurde immer vom Deutschen Bauernverband gefordert. Bürokratieaufbau wurde immer vom Deutschen Bauernverband gefördert. Immer mehr Bürokratie für uns Bauern durch den Bauernverband. Beispielsweise durch sein QM, QS und Initiative Tierwohl. Sprich: Wasser predigen, Wein saufen. Wer wirklich Bürokratieabbau will sollte selber anders handeln!

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  9. von meyerpeter · 9.
    @ramsdorf

    Gibt es bei Dir etwas anderes als BDM? Schon mal an professionelle Hilfe gedacht?

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  10. von ramsdorf · 10.
    Die Pauschalierung der agrarpolitischen Diskussion

    ist aktiv vom BDM mit geschürt worden, und nun fangen die an "gute " Ratschläge zu verteilen? Das Wort Bürokratieabbau ist scheinbar auch nur ein Wort was eine Stelle im Duden füllt, aber sonst keinen Zweck erfüllt, bislang war es doch immer so wenn Seitens der Politik von Bürokratieabbau geredet wurde, ein Bürokratieaufbau dabei herauskam

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  11. von detmarkleensang · 11.
    Patentrezepte gibt es nicht

    Da hat Agrarminister Schmidt sowas von Recht! Aber wenn er schon vor Pauschalisierungen in der agrarpolitischen Diskussion warnt, warum geht er dann nicht mit gutem Beispiel voran und bringt Rezeptvorschläge? Da kommt dann aber auch von Schmidt leider nichts. Anstelle dessen mäkelt er mit hohlem Gewäsch über Vorschläge aus der Bauernschaft. Sagt lapidar, bereits früher nicht funktionierende Instrumente seien keine Lösungen. Wohlgemerkt abgezielt auf Instrumente der Mengensteuerung! Das die von seinem Ministerium eher befürworteten uralten Instrumente von Intervention und privater Lagerhaltung ebenfalls schon früher nicht (für die Bauern!) funktioniert hatten vergisst er dabei. Das Intervention und private Lagerhaltung ebenfalls eine Mengensteuerung darstellen, die er anscheinend ablehnt, begreift er auch nicht. Was die Bauern brauchen ist eine Mengensteuerung, um in Krisenzeiten die Produktionsmenge kontrolliert herunterfahren zu können, um unternehmerisch verantwortungsvoll am Markt wirtschaften zu können. Intervention und Lagerhaltung sind Mengensteuerungsinstrumente, die völlig unabhängig von den jeweiligen Marktverhältnissen die Produktionsmenge hoch halten. Dadurch werden Marktkrisen der Bauern nur leidvoll verlängert. Eine Anhebung des Interventionspreises stellt auch nur eine Insolvenzverschleppung dar, damit Betriebe ohne jede Marktverantwortung noch möglichst lange weiter liefern und leiden dürfen. Minister Schmidt sollte mal selber mit den Landwirten reden und nicht über sie! Anstatt dies nur anderen anzumahnen und sich dadurch als Marionette des Bauernverbandes zu outen, dessen Wortwahl er somit 1zu1 übernommen hat. Er sollte auch mal über das Gehörte nachdenken. Dann würde ihm auch klar werden, was für hohle Phrasen z.B. ein Herr Holzenkamp vom Stapel lässt: „wettbewerbsfähige Betriebe als das Rückgrat der ländlichen Räume“… Wie wettbewerbsfähig sind die landwirtschaftlichen Betriebe denn bei all den Subventionen, die sie bekommen? Wie wettbewerbsfähig sind sie, wenn der Deutsche Bauernverband meint, den „insbesondere Wachstums- und Pachtbetrieben" schon Bürgschaften anbieten zu müssen? Eine Bürgschaft braucht man doch erst dann, wenn sonst keine Bank mehr Geld gibt, weil etwa der gesamte Betrieb schon über Gebühr schuldenbelastet, sämtliches betriebliche Eigentum verpfändet ist. Womit jede Wettbewerbsfähigkeit längst den Bach runter ist. Glaubt Minister Schmidt tatsächlich die Holzenkampschen Märchen von der Wettbewerbsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe? Glaubt Minister Schmidt tatsächlich den Märchen des Deutschen Bauernverbandes, es würde nur noch über die Bauern statt mit ihnen geredet? Wo er selber nicht mal mit den Bauern redet, sondern nur über sie? Glaubt Minister Schmidt tatsächlich, eine Produktionsmengen erhaltende und ausweitende Mengensteuerung, die früher schon nicht funktioniert hat, würde besser funktionieren als eine Mengensteuerung, die dem Markt angepasst auch mal Produktionsmengen einschränken könnte? Wenn die Wähler anfangen zu glauben, ein CSU-Minister wie Herr Schmidt würde all dies tatsächlich glauben, dann sehe ich schwarz für die Schwarzen bei den nächsten Wahlen.

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  12. von ZieglerB · 12.
    Vielen Dank...

    ...Herr Minister! Es gibt doch noch Politiker, die uns Bauern als Menschen sehen und nicht als Verbrecher, die mit aller Gewalt zwangsbeglückt werden müssen.

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