Wahlfreiheit bei Stoffstrombilanz

Gülledüngung Gülledüngung
Bild: Bröker

Nur fünf Wochen, bevor die ersten Landwirte im Rahmen der sogenannten Stoffstrombilanz-Verordnung (StoffBilV) ab 1. Januar 2018 mit der Bilanzierung ihrer Nährstoffeinträge und -abfuhren starten müssen, hat der Bundesrat die rechtlichen Grundlagen dafür geschaffen.

Konkret schreibt die Verordnung vor, dass bestimmte Betriebe ihre zugeführten und abgegebenen Mengen an Stickstoff und Phosphor saldieren und bilanzieren (nur Stickstoff) müssen. Anders als zunächst vorgesehen, können Landwirte künftig zwischen zwei Bilanzierungsmodellen wählen.

  • Bei der betriebsindividuellen Bilanzierung werden die konkreten „Nährstoffverhältnisse“ des Einzelbetriebes berücksichtigt.
  • Wird die Bilanz auf Grundlage einer bundesweit einheitlichen Obergrenze erstellt, dürfen die Landwirte einen N-Überschuss von maximal 175 kg je ha ausweisen.
An dieser Wahlmöglichkeit scheiden sich die Geister. Der Direktor des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Universität Kiel, Prof. Dr. Friedhelm Taube, sieht darin ein „verheerendes Signal“. Der Deutsche Bauernverband ist dagegen eher zufrieden, forderte von Bund und Ländern aber Fingerspitzengefühl bei der Umsetzung der Vorschriften zur Stoffstrombilanz. Kritisch äußerten sich die Umweltverbände.

Wie sich beide Bewertungsmodelle für Ferkelerzeuger und Mäster auswirken, lesen Sie in der aktuellen top agrar 1/2018 im Spezialprogramm Schweinehaltung ab Seite S6.

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4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Heinrich-Bernhard Muenzebrock · 1.
    Meinungsmache

    In der Bevölkerung sind die Landwirte schon als Sündenbock abgestempelt. Auf die einzelnen Vorwürfe muss ich hier nicht mehr eingehen. Sie sind allen bekannt. Dabei spielt der korrekte Sachverhalt überhaupt keine Rolle. Die Medien haben ihren Schuldigen ausgemacht: die konventionelle Landwirtschaft ist an allem schuld!!!. Somit schwindet das Ansehen der Landwirte und Ernährer der Gesellschaft immer mehr. Es wird Zeit die Wahrheit ans Licht zu bringen!!.

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  2. von Wilhelm Gebken · 2.
    @Albert Maier

    Sie haben völlig Recht, Danke!

    Das meinen unsere Leser:
  3. von Albert Maier · 3.
    @W. Gebken

    Absolut korrektes Statement Ihreseits. Allerdings sehe ich weniger Topagrar in der Pflicht als eher den Berufstand (DBV). Dieser müsste hier Sachkompetenz an den Tag legen, hat aber kläglich versagt wie in anderen Bereichen auch. Der DBV ist von seiner Sachkompetenz her für die heutige Zeit komplett falsch aufgestellt, das wird immer deutlicher und ist verheerend!

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  4. von Wilhelm Gebken · 4.
    Armutszeugnis für TopAgrar

    Ich habe mir die o. a. Seiten durchgelesen. Aufgefallen ist mir, dass selbst TopAgrar davon ausgeht, dass durch eine Reduzierung der Stickstoffdüngung die Nitratwerte im Boden sinken würden. M. E. hatte auch topagrar als Fachmedium mehrere Jahre Zeit sich mit dem Thema Nitrifikation/Denitrifikation zu beschäftigen. Also müsste auch TopAgrar wissen, dass der entscheidende Faktor für hohe Nitratwerte im Grundwasser nicht die Düngung und schon gar nicht die organische Düngung (abgesehen von der "Entsorgung") ist, sondern die Fähigkeit des Bodens zur Denitrifikation. Und die hängt ganz entscheidend von der Sauerstoffsättigung des Bodenwassers und von der Geschwindigkeit der Versickerung des Regenwassers ab. Am schlechtesten sind diese Werte auf leichten Sandböden. Lediglich Bayern hat dies erkannt und hat individuelle Maßnahmen an diesen "hotspots"ergriffen. Zeitgleich verschlechtern sich die Werte in der Umgebung von Trinkwasserbrunnen. Die Logik dahinter ist ganz einfach: Bevor dort Wasser gefördert wurde gab es dort langsam fließendes Wasser mit niedriger Sauerstoffsättigung, mit der Förderung fließt das Wasser schneller, der Sauerstoffgehalt steigt, anaerobe Bakterien sterben, die wenigen überlebenden anaeroben Bakterien haben weniger Zeit zur Nitratumwandlung. Diesen Tatsachen entsprechend müssen auch die Aussagen der Wasserlobby verstanden werden, wie "Wir sehen immer größere Nitratfahnen auf unsere Trinkwasserbrunnen zukommen". Das wird korrekt sein, nur ist die Ursache dafür nicht die Landwirtschaft, sondern die Wassergewinnung selber, die mit ihren Eingriffen die natürliche Fähigkeit der Böden zur Denitrifikation zerstört und jetzt die Folgen ihres eigenen Handelns den Bauern in die Schuhe schieben will.

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