Zweiter AgrarSlam beschäftigte sich mit Kritik an Landwirtschaft

Teilnehmer beim AgrarSlam 2015 der Westfalen Initiative, Jürgen Krämer bekam die höchste Bewertung.
Bild: Westfalen Initiative

„Wir halten Milchkühe und Feriengäste.“ In einem Satz erklärte Jürgen Krämer beim 2. AgrarSlam der Westfalen-Initiative am 25. November, womit auf seinem Hof das Geld verdient wird.
 
Im großen Hörsaal der Westfälischen Hochschule in Bocholt erläuterte er gekonnt seiner Handpuppe Horst das Unwissen der Städter über das Landleben im Allgemeinen. Außerdem klärte er Horst über die Feinheiten der künstlichen Besamung bei Kühen im Besonderen auf. Damit hatte er die Lacher auf seiner Seite und sicherte den Sieg des diesjährigen AgrarSlams.
 
Doch auch die anderen vier kurzweiligen Wettbewerbsbeiträge sprühten vor Witz und vermittelten doch zugleich ernste Aspekte, etwa im Zwiegespräch von Barbara Seier und Heiner Schenke. In der Rolle eines Verbrauchers diskutierte der Leiter Einzelhandel der Agri V Raiffeisen EG aus Bottrop-Kirchhellen mit der Landwirtin aus Raesfeld über Produktionsmethoden, Preise, Nachhaltigkeit und Marktmechanismen. Gemeinsam kamen sie zu dem Ergebnis, dass höchste Qualität nicht zu niedrigsten Preisen zu haben ist.
 
Das Thema beschäftigte auch Vorjahressieger Hendrik Ruwisch in seiner Vision „Landwirt 2016“. Der junge Bauer aus Versmold fühlte sich zwar als „Schnitzelkönig“, weil die 570.000 Kilogramm Fleisch, die seine 2.000 Schweine jährlich liefern, den Jahresbedarf einer fünfstelligen Menschenzahl deckt. Zugleich musste er bilanzieren, dass trotz weiter steigender Produktion für den Landwirt unter dem Strich immer weniger übrig bleibt.
 
Weil der Unterschied zwischen einem Bauern und einem Terroristen darin besteht, dass Letzterer „noch Sympathisanten hat“, will Manfred Darscheid das Agrar-Image aufpolieren. Kernige Marketingsprüche brauche es. Der Bühnenakteur lieferte gleich ein Beispiel, an was er dabei denkt: „Kinder, bringt die Sau zum Decken, weil die Ferkel so gut schmecken.“
 
Im Vergleich dazu schlug Friedo Petig eher feine und leise Töne an. Er trat als letzter Künstler vor das Publikum und überraschte mit einer gereimten Zusammenfassung des zuvor Gesehenen und Gehörten, führte das Höfesterben und den damit einhergehenden Konzentrationsprozess in der Landwirtschaft vor Augen und wehrte sich gegen einen kontinuierlich wachsenden Dokumentationszwang auf den Höfen: „Auf Zwei, die arbeiten, kommen Acht, die kontrollieren.“ Das fachkundige Auditorium spendete zustimmenden Applaus.
 
Eine unterhaltsame Zusammenfassung der Beiträge haben wir hier für Sie:

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