stern TV erhebt schwere Vorwürfe gegen Betrieb Schulze Föcking

Christina Schulze Föcking Christina Schulze Föcking
Bild: Landtag NRW

„stern TV“ wirft dem Betrieb Schulze Föcking Tierschutzverstöße vor. Der Betriebsleiter räumt kurzzeitige Probleme mit Schwanzbeißen ein und legt eine umfassende Stellungnahme vor. Amtstierarzt findet bei Kontrollen keine Auffälligkeiten.

Das RTL-Magazin „stern TV“ hat am Mittwochabend schwere Tierschutzvorwürfe gegen die Schweinehaltung im Betrieb Schulze Föcking erhoben, an dem bis vor Kurzem noch neue nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking (40, CDU) beteiligt war. Das Filmmaterial zeigt massive Probleme mit Schwanzbeißen und Kannibalismus.

Zu sehen sind verdreckte Ställe, eine zu hohe Ammoniakbelastung und zum Teil schwer verletzte Tiere mit angefressenen und entzündeten Schwänzen und Gelenken. Außerdem dokumentiere das Material angeblich, "dass in zwei Nächten das Wasser in den Nippeltränken abgestellt war", behauptet Christian Adam von der Tierschutzorganisation "tierretter.de e.V.", dem das belastende Filmmaterial von nicht näher genannten Tierschützern übergeben worden sein soll.

Die als Expertin von „stern TV“ hinzugezogene Tierärztin Dr. Ophelia Nick, die bei der Bundestagswahl im Herbst auch als Direktkandidatin für die Grünen im Kreis Mettmann antritt, sprach von Verletzungen, die zu sehen seien, die über einen längeren Zeitraum entstanden sein müssten.

An der Live-Diskussion im Studio im Anschluss an den Filmbeitrag war auch der für den Kreis Steinfurt zuständige Amtsveterinär Dr. Christoph Brundiers beteiligt. Er sprach von bedrückenden Bildern, die aber offenbar nur eine Momentaufnahme darstellten. „Diese decken sich nicht mit meinen Erkenntnissen. Ich habe den Betrieb mehrfach kontrolliert. Dabei gab es keine Auffälligkeiten.“

Auf konkrete Nachfrage des „stern TV“-Moderators Steffen Hallaschka erklärte Brundiers, dass der Betrieb 2013, 2014 und 2017 amtstierärztlich überprüft worden sei. Diese Kontrollintervalle seien üblich. In der Zwischenzeit habe es darüber hinaus noch weitere anlassbezogene Kontrollen aus anderen Gründen gegeben. Brundiers nannte beispielhaft das Arzneimittelrecht. Immer hätten die Kontrollen keine nennenswerten Beanstandungen ergeben.  

Diese offiziellen amtlichen Kontrollen würden in aller Regel angemeldet, schon aus praktischen Gründen, damit die Landwirte auch vor Ort seien, versuchte Adam die Kontrollergebnisse von Brundiers zu relativieren. Demgegenüber stünden die nächtlichen Stallbesuche der Tierschützer, die ein anderes Bild zeigten.

Ehemann Schulze Föcking bestreitet Probleme nicht

Der Ehemann der Ministerin, Frank Schulze Föcking, bestreitet die Probleme mit dem Schwanzbeißen nicht. Er ist seit dem 1. Juli 2017 allein für die Betriebe Schulze Föcking verantwortlich und bereits seit Jahren mit der Bestandsbetreuung der beiden Schweinemastbetriebe (1. Juli 2012) und mit der Geschäftsführung der Schulze Föcking GbR (1. Juli 2015) betraut. Der Betriebsleiter hat der Redaktion von „stern TV“ dazu eine umfassende Stellungnahme zukommen lassen, die auch top agrar online vorliegt.

Darin heißt es, die „außergewöhnlichen Krankheitsverläufe“ seien „in einem kurzen Zeitraum des ersten Halbjahres“ aufgetreten. Zwei Ferkellieferungen hätten ein deutlich größeres Aggressionspotenzial gezeigt. In der Folge habe es über Nacht massives Schwanzbeißen in diesen Beständen gegeben. Der Betrieb habe aber sofort eine veterinärmedizinische Behandlung der Tiere veranlasst (z.B. Umstallen in Krankenbuchten, Versorgung der Wunden). In Absprache mit der Bestandstierärztin habe es in einzelnen Fällen auch Nottötungen geben müssen, um den Tieren unnötiges Leid zu ersparen. Diese Nottötungen seien fachgerecht durchgeführt worden, heißt es in der Stellungnahme.

Aggressive Ferkel durch neue Genetik?

Im Betrieb habe es eine umfassende Ursachenforschung gegeben. „Als einzig denkbare Abweichung bleibt aktuell ein Wechsel bei den Zuchtebern im Sauenbetrieb, von dem die Ferkel stammen, übrig“, lautet die Vermutung. Dieser Wechsel sei aufgrund von Lieferengpässen der Besamungsstation beim Sperma der bisher verwendeten Zuchteber notwendig gewesen.

Aktuell seien die Bestände gesund. Die tierärztlich behandelten Tiere seien nach Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen Wartezeiten untergewichtig verkauft worden, um einen erneuten Ausbruch der Problematik zu verhindern.

QS und Amtstierarzt bescheinigen tadellose Betriebsführung

Der Betrieb Schulze Föcking legt in seiner Stellungnahme darüber hinaus alle relevanten Bestands-, Befund- und Auditdaten offen. Danach lag die Verlustrate im Wirtschaftsjahr 2015/16 mit 1,54 % nur gut halb so hoch wie im Mittel des entsprechenden Arbeitskreises der Landwirtschaftskammer (2,84 %). Es habe auch keine auffälligen Befunde mit Schwanznekrosen am Schlachtband gegeben.

Alle Auditprüfungen für die QS-Zertifizierung seien beanstandungsfrei und nahezu mit Höchstpunktzahl durchlaufen worden. Ein Sonderaudit habe dieses am 8. Juli nochmals bestätigt.

Darüber hinaus habe am 7. Juli 2017 eine amtstierärztliche Routine-Kontrolle durch das zuständige Veterinäramt des Kreises Steinfurt stattgefunden. Auch der Amtsveterinär, Dr. Christoph Brundiers, habe keine Probleme feststellen können, was der Amtstierarzt live in der Sendung bestätigte.

Die auf den Bildern von „stern TV“ zu sehenden Verletzungen an den Flanken einiger Tiere führt der Betrieb auf die Ebermast zurück. Beim Aufreiten der Tiere könne es zu Verletzungen durch die innere Afterklaue kommen. Das sei aber ein bekanntes Problem in der Ebermast.

Dass seine Tiere nicht ausreichend mit Wasser versorgt worden seien, bestreitet der Betriebsleiter. „Eine funktionierende Wasserversorgung ist für einen guten Mastverlauf“ erforderlich, schreibt er dem Sender.

Woher stammt das Filmmaterial?

Wer „stern TV“ das verwendete Filmmaterial zugespielt hat, sagen die Redaktion und Christian Adam von „tierretter.de“ nicht. Offensichtlich kommt es von Personen, die sich rechtswidrig Zugang zu den Ställen der Familie Schulze Föcking verschafft haben, vermutet der Betriebsleiter. Davon hätten er und seine Familie nichts bemerkt.     

Unabhängig von den beschriebenen und eingestandenen Problemen sieht sich Frank Schulze Föcking in seiner Privatsphäre verletzt. „Ich missbillige solche Recherchemethoden ausdrücklich“, macht er deutlich. Das Sicherheitsgefühl der Familie, die noch junge Kinder hat, sei durch diese Vorgänge erschüttert. „Wir gehen davon aus, dass „stern TV“-Redaktion selbst eine kritische Distanz zu diesem Vorgehen hat“, macht der Betriebsleiter seine Erwartungen an einen unabhängigen, fairen und neutralen Journalismus deutlich.

Machen Sie sich selbst ein Bild: hier die komplette Stellungnahme des Betriebes Schulze Föcking an „stern TV“.    Download Stellungnahme Schulze Föcking
 

Mehr zum Thema:

Empfehlen Sie den Artikel weiter:

Das interessiert Sie bestimmt auch:

8 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Erwin Schmidbauer · 1.
    Die Tierrechler, der Stallbesuch und die Seuchen

    Angeblich soll ja der "Stallbesuch" der Tierrechtler bereits im März stattgefunden haben und die Familie hat anscheinend nichts davon bemerkt. Die seuchenhygienische Problematik solcher unkontrollierter Stalleinbrüche ist nicht zu unterschätzen. Langsam kommt mir ein Verdacht, wenn ich die massiven Aktivitäten der Tierrechlerszene in den letzten Monaten und den größten Vogelgrippesuchenverlauf im letzten Winter betrachte, bei denen große Stallanlagen mit guter Biosicherheitsmaßnahmenpaket ungewöhnlich oft betroffen waren: Könnte die Verschleppeung der Vogelgrippe in solch gut gesicherte Anlagen auch durch "Stallbesuche" der Tierrechtler gefördert worden sein, sei es nun unbewusst oder sogar vorsätzlich?? Zumindest ein Thema, dass das FLI mal beleuchten sollte!

    Das meinen unsere Leser:
  2. von Michael Behrens · 2.
    Kommentarregeln??? Oder Mainstream???

    @Hubert@Danke Hubert! Scheint so, dass Top Agrar auch schärfer zensiert? Für mich ist und bleiben Menschen die sich widerrechtlich Zutritt verschaffen kriminelle! Der heutige Außenminister und frühere Wirtschaftsminister hat sich mal mit den Worte "rechtes Pack" geäußert! Da ging es um einen Rechten Protest! ...scheint "linkes Pack" wohl zu hart formuliert? Was sind diese fragwürdigen Tierschützer denn? Liebe Top Agrar!

    Das meinen unsere Leser:
  3. von Hubert Dabbelt · 3.

    Ich verstehe nicht warum der erste Kommentar gelöscht wurde. Warum ist es gegen die Etikette, wenn man feststellt das der Stern zum linken Pamphet verkommen ist, oder ist man bei Topagrar auch schon auf dem linken Auge blind!

    Das meinen unsere Leser:
  4. von Eike Bruns · 4.
    War vorhersehbar. Konventionell, Tierhalter = folge Peta etc.

    Astrid Grotelüschen, Schulze Föcking. Wer wird der /die nächste sein. Darf nur ein Biobauer bei den Grünen Agrarpolitik machen oder ein konvi ohne Tierhaltung dafür aber mit Vertragsnaturschutz und Ponyhof. Es gibt ein Gesetzt zum Schutz von Minderheiten so ganz langsam sollten wir Bauern uns mal den Inhalt zu Gemüte führen und darüber nachdenken wie es und helfen kann.

    Das meinen unsere Leser:
  5. von Burkhard Krueger · 5.

    10 Filme aus Schweineställen. Hallo Schweinehalter. Dreht doch mal nachts 10 oder mehr Filme in Schweineställen in denen alles in Ordnung ist. Gebt noch an, dass heimlich gedreht wurde. Vielleicht machen ja auch Biobetriebe mit. Schickt dann alles an Stern-tv oder andere Sendeanstalten und bittet darum das es zu einer Sendung verarbeitet wird. Die Wahrscheinlichkeit dass es gesendet wird liegt bei etwas über 0%. Denn positive Nachrichten zur Tierhaltung bringen keine Aufmerksamkeit und somit schlechte Zuschauerzahlen. Auch ist es keine Wahlwerbung für Linke und Grüne die auf Kosten der Landwirtschaft auf Stimmenfang sind. Das Spendenaufkommen für Tierschutzorganisationen leidet natürlich auch bei positiver Berichterstattung. Wenn in Deutschland ausgewogen berichtet werden würde, müsste Positives eigentlich auch gesendet werden.

    Das meinen unsere Leser:
  6. von Susanne Mairhörmann · 6.
    Umdenken, Nachdenken

    schlimme Sache für die Familie und den Betrieb, sollte uns alle zum Nachdenken und Umdenken anregen. Wie in der Milchbranche geht es auch bei den Schweinebetrieben ums überleben. Größere Bestände müssen von den Betriebsleitern gemanagt und versorgt werden um überhaupt Gewinn zu machen, die Zucht wird intensiviert usw. Doch wie weit kann hier gesteigert werden? Dass in der Masse nicht immer Klasse liegt und vor allem solche Probleme wie Schwanzbeisen immer wieder vorkommen können sollte mal denen erzählt werden die sich aufregen, aber dann doch das billigste Stück Fleisch in der Theke mitnehmen. Wie auch bei der Milch müssen Preis, Laufzeit und Liefermenge zu einem anständigen Preis festgelegt werden. Doch leider möchte an dieses Thema niemand ran, immer schön billig will es der Handel haben und der Bauernverband verkauft unsere Landwirtschaft weiterhin als heile Welt und wir Bauern stemmen das schon. Aber wie lange noch? Das komplette System muss sich ändern. Die konventionelle Landwirtschaft wird weiterhin der Prügelknabe vieler Tierretter sein. Ich finde diese Menschen sollten mal 8Wochen die Verantwortung für diese Anzahl Tiere übertragen bekommen, Jeden Tag Samstag Sonntag versorgen, bei Nacht raus usw. und bitte nicht krank werden, da könnte evtl. gerade so ein Problem wie das Schwanzbeisen nicht gleich entdeckt werden. Warum machen wir Bauern das Wachsen so mit? Weil vielen keine andere alternative bleibt? Es eine Doppelbelastung ist mit 5 Standbeinen? Weil wir an unseren Höfen hängen und unsere Betriebe über Generationen überlebt haben und wir nicht diejenigen sein wollen die Scheitern, weil wir keine wieviel hundert und tausendTiere versorgen können, es aber von uns verlangt wird? Aktuell hängt an vielen Höfen das Schild "Es ist mir eine Ähre für sie...zu produzieren... Es ist eine Schande sich die Arbeit zu machen egal bei Milch bei Schwein und bei Getreide um dann einen elenden Preis zu bekommen und Prügel einzustecken......aber der Verbraucher brauchts billig....Handel verdient sich ne goldene Nase weil Gewinne nicht ausreichend an Bauern weitergereicht werden.....am Ende des Jahres kommt der sehnsüchtig erwartete Zuschuss um Rechnungen bezahlen zu können....und im nächsten Jahr wird aufgestockt weils dann vielleicht besser umgeht???........ Vorraussetzungen für Umstellung auf Bio ist nicht bei allen möglich, aber wenn es alle machen kommen wir auch dort in eine angespannte Situation wie jetzt die konventionellen Landwirte. Also....wo liegt die Lösung....es müssten die Menschen mal wieder Hunger bekommen und der Staat muss die Stallgrößen begrenzen oder an die Fläche binden??? Die Landwirte brauchen in ihren Vermarktungsgremien unabhängige Vertreter die ohne Verflechtung ehrlich unsere Belange umsetzen. Leider sind wir davon noch weit entfernt. Alle haben für diese aktuelle Situation in der Landwirtschaft Verantwortung Landwirt, Handel, Verbraucher.

    Das meinen unsere Leser:
  7. von Gerhard Steffek · 7.
    Gegenfrage -

    sind die Bilder tatsächlich aus dem Betrieb Schulze-Föcking? Kann das Stern-TV beweisen, einwandfrei belegen?

    Das meinen unsere Leser:
  8. von Michael Behrens · 8.
    (gelöscht, bitte halten Sie sich an unsere Kommentarregeln)

    Linkes (...) (gelöscht, bitte halten Sie sich an die Komentarregeln! top agrar-Redaktion) In Hamburg konnte man gut sehen was dabei herauskommt, wenn der Linke Mop entfesselt versucht die ganze Stadt zu terrorisieren, es ist der Polizei zu verdanken, dass es keine Toten gegeben hat! Da erhebt der Stern schwere Vorwürfe gegen die Polizei!

    Das meinen unsere Leser:
Ihre Meinung

Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!

Sie sind neu hier?

Als Abonnent kostenlos registrieren