Heidl: Mehr Zeit für Ausstieg aus der Anbindehaltung

Anbindung "Wer ein Verbot der Anbindehaltung fordert, macht sich für das Prinzip ‚Wachsen oder Weichen‘ stark."
Bild: top agrar
Der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Walter Heidl, forderte mehr Zeit für die Umstellung der Anbindehaltung. Gleichzeitig will die Handelskette Real nur noch Milch akzeptieren, die nicht in Anbindehaltung produziert wurde.
 
Der Einzelhandel fordert eine rasche Umstellung. So will zum Beispiel die Handelskette Real laut ihrer aktuellen Einkaufsleitlinie künftig nur noch Milch akzeptieren, die nicht in Anbindehaltung produziert wurde.

Ein schneller Ausstieg aus der Anbindehaltung koste die von der Milchkrise ohnehin gebeutelten Bauern viel Geld, erklärte der BBV-Präsident Heidl. Oft seien die notwendigen Ausgaben so hoch, dass die Höfe nicht mehr rentabel arbeiten könnten. Das beschleunige den Strukturwandel hin zu immer mehr größeren Betrieben. „Wer ein Verbot der Anbindehaltung fordert, macht sich für das Prinzip ‚Wachsen oder Weichen‘ stark“, unterstrich der BBV-Präsident. Deshalb müssten Zwischenlösungen gesucht werden.
 
Leichter umsetzbar seien bessere Bedingungen für die vorerst noch angebundenen Tiere. Was die Finanzierung angehe, könnten Programme wie die Initiative Tierwohl zum Vorbild genommen werden, bei denen der Bauer die Kosten für verbesserte Haltungsbedingungen ersetzt bekomme. Die Fraktion der Freien Wähler im bayerischen Landtag pflichtete Heidl bei. Der Ausstieg aus der Anbindehaltung müsse von langer Hand geplant werden und bedürfe einer Übergangszeit von mindestens 15 Jahren.
 
Bereits im Dezember hatte Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner vor einem abrupten Ausstieg aus der Anbindehaltung gewarnt. Die Existenz der kleinbäuerlichen Landwirtschaft im Freistaat dürfe nicht gefährdet werden. In Bayern gibt es derzeit laut BBV-Angaben insgesamt rund 32 000 Milchbauern. Nur knapp 8 % der Betriebe hätten die Möglichkeit, im Sommer die Tiere auf die Weide zu bringen. Ein Drittel der bayerischen Kühe werde noch ganzjährig angebunden.

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7 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Erwin Schmidbauer · 1.
    Warum der Einsatz nur für Rinderhalter?

    Wo war der BBV in den letzten 30 Jahren, als die Haltungsvorschriften für Schweine fast im 5 Jahresrhythmus verschärft wurden. Viele Betriebe mussten investieren und so mancher hat aufgegeben. Das Bayern kein Schweineland ist, kann kein ausreichender Grund sein.

  2. von Hermann Stroemer · 2.
    Ein Drittel

    ganzjährige Anbindung? Ich bin mittelmäßig entsetzt um es auf den Punkt zu bringen. Bei den Betrieben sollte man in der Tat ansetzen mindestens im Sommer Wiedehaltung vorzuschreiben.

  3. von Doris Peitinger · 3.
    Politk des Wachsens und Weichens

    Auch mir erschließt sich nicht, was an Anbindehaltung mit Weidegang so schlecht sein soll. Daneben war doch die vergangene Förderpoltik ganz nach der "Wachsen oder Weichen" Politik so angelegt, dass ein Stall nur gefördert wurde, wenn er für wesentlich mehr Kühe gebaut wurde. Dass nicht jeder das Risiko eingehen wollte, sich und seine Kinder derart zu verschulden, ist logisch. Vor allem, nachdem der DBV alles dafür tut, damit der Milchpreis ja nicht kostendeckend ist. Und es jetzt gerade diejenigen Bauern am Härtesten trifft, die groß investiert haben. Wie ich sehe, will Herr Heidl von dem alten Schlagwort "Wachsen oder Weichen" nun plötzlich nichts mehr wissen. Dann folgen hoffentlich die entsprechenden Taten ebenfalls sofort: Einsatz für einen kostendeckenden Milchpreis und Umstellungsförderung ohne Zwang zu Vergrößerung! Ansonsten hätte er sich das Statement sparen können!

  4. von Karl-Heinz Mohrmann · 4.

    Die Bauern hätten mehr Geld wenn der BBV endlich anerkennen würde das das Milchangebot den Milchpreis bestimmt. Solange der BBV sich weigert das Angebot an die Nachfrage anzupassen verlieren deutsche Milchbauernfamilien in der nächsten Krise weitere Milliarden. Die an anderer Stelle besser investiert wären. Es braucht Verträge zwischen Erzeugern und Molkereien mit Menge Zeitraum Qualität und Preis so wie es in der freien Wirtschaft üblich ist. Nicht mal dafür setzt sich Herr Heidl ein . Alles andere ist jammern um abzulenken..

  5. von Martin Steinbach · 5.
    Gesetz ist vielleicht besser...

    Wenn man die heutigen Betriebe mit Anbindehaltung betrachtet, dann wird schnell klar, dass in einem Zeitrahmen von 10-12 Jahren jeder dieser Betriebe sowieso eine Entscheidung treffen muß. Die Ställe sind bereits in die Jahre gekommen. Die Betriebsleiter sind eher überdurchschnittlich alt und werden irgendwann in Rente gehen. Eine Übergangszeit von 10-12 Jahren könnte das Umstellungsproblem drastisch mildern. Ich glaube dass der LEH sich viel schwerer tut die "Laufstallhaltungsmilch" zu fordern wenn die Anbindehaltung explizit erlaubt ist. Ein Gesetz zum geplanten Ausstieg könnte ein Schutz für die oben genannten Betriebe mit Anbindehaltung sein. Übrigens: Ist die Laufstallhaltung in einem drastisch überfüllten Laufstall aus den 90er Jahren wirklich besser als ein gepflegter Anbindestall, der vielleicht sogar im Sommer Auslauf bietet? Was heißt eigentlich gut oder schlecht? Fürs Auge? Für die Milchqualität? Für das Tierwohl? Für das eigene Wohlbefinden?

  6. von Wilhelm Schulte · 6.
    Bauern werdet wach!!!

    Dieser Forderungswahnsinn hört erst auf , wenn die Landwirtschaft am Ende ist. Und der Verbraucher anfängt zu schmachten. Es sei denn die Bauern reagieren mal angemessen auf dieses ganze Theater

  7. von Rudolf Rößle · 7.
    Die Anbindehaltung

    steht vor dem Aus und als nächstes kommen die älteren Boxenlaufställe scharf in die Kritik.

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