Innovationsmagazin Öko-Trends 2021

Bio boomt – aber bleibt das so?

In den letzten Jahren war der Ökolandbau eine Erfolgsgeschichte. Conrad Thimm zeigt jedoch: Das Wachstum hängt stärker von den Märkten ab als von der Politik. Doch wohin entwickeln sich die Märkte?

So sehen Sieger aus, möchte man auf den ersten Blick meinen: Von 2015 bis 2019 ist das Bio-Ackerland in Deutschland von 445.000 auf 700.000 ha gewachsen. Das sind 14 % – pro Jahr!

2015/16 war der sprunghafte Anstieg der Nachfrage nach Futtergetreide im Rahmen der Milchumsteller-Welle ein wesentlicher Treiber auch für die Umstellung des Ackerbaus. Da die Molkereien nach 2016 nur noch wenige Umsteller aufnahmen, beruhigte sich auch die Nachfrage nach Umstellungs- und Bio-Futtergetreide.

Die neuen Ackerbauumsteller befriedigten die Futtergetreide-Nachfrage und verdrängten auch Bio-Futterimporte. Im Jahr 2020 sind dann die Umstellerzahlen auch in Folge eines Marktsättigungsgefühls deutlich zurückgegangen.

Zwei Herzen schlagen in der Brust überzeugter Ökos: Politisch wird mehr Ökolandbau gefordert. Die Praxis aber erweitert die Öko-Flächen eher differenziert und behutsam. Dabei ist die Meinung durchaus nicht einheitlich. Das hängt natürlich auch stark von den einzelnen Produkten ab.

Mähdruschfrüchte: Gemischte Gefühle

Die Umstellungswelle bei Marktfruchtbetrieben 2017 bis 2019 hatte dazu geführt, dass Bio-Roggen zeitweise schlecht abzusetzen war. Aber bei den anderen Getreidearten trafen größere Ernten auf eine höhere Nachfrage und verdrängten auch Importe.

Roggen, Weizen, Dinkel. 2019 waren in Deutschland 208.000 t Bio-Roggen geerntet worden. Davon wurde so viel überlagert, dass 2020 weder eine um 12 % geringere Ernte half, die Lagerbestände abzubauen, noch eine verringerte Importquote.

Inzwischen warnen erste Stimmen vor einem Roggen-Schweinezyklus. 2021 sind die Bio-Roggen-vorräte weitgehend abgebaut und auch der Anbau ist eingeschränkt, sodass hier Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist. Die Bio-Weizenernte hingegen stieg von 2018 bis 2020 um 40 % auf 360.000 t. Im Süden ist ein großer Teil davon als Backweizen geeignet, während der Norden und Osten aufgrund der Trockenheit im Mai nur Futterweizen ernteten. Umstellungs-Futterweizen war reichlich vorhanden; der Preis für frei flottierende Ware näherte sich dem konventionellen an.

2021 entspannt sich die Lage. Es stellen wieder mehr Betriebe mit Tierhaltung um; die Futternachfrage steigt wieder stärker. Sie trifft auf mehr anerkannten Futterweizen, weil die Ackerbauer-Umsteller-Welle inzwischen anerkannt ist, und auf weniger Umstellerware, weil derzeit weniger Ackerbauern auf Bio umstellen. Steigende Preise wurden erwartet, bis die für ganz Nord- und Ostdeutschland ungewöhnlichen Regenmengen im Mai die Ertragserwartungen wachsen ließ.

Bio-Dinkel legte in dieser Zeit sogar um fast 50 % auf 131.000 t zu. Trotzdem bleibt er gesucht und wird bestens bezahlt, denn im Markt werden Bio-Backwaren inzwischen sehr oft mit Dinkel gleichgesetzt. Bio-Dinkelsaatgut ist so knapp, dass erhebliche Mengen für den Nachbau zurückgehalten werden. Die Importstatistik unterscheidet nicht zwischen Weizen und Dinkel. Wurden 2018 noch ein Drittel des Bio-Weizens/Dinkels importiert, so waren es 2020 nur noch ein Fünftel.

2021 wird mehr Bio-Dinkel angebaut. Wer aus der Ernte verkaufen will, bekommt derzeit Kontrakte zu auskömmlichen Preisen. Wer lagern kann, kann auch spekulieren.

Hafer und Gerste. Die Ernte von Bio-Hafer wuchs von 2018 auf 2020 um über 50 % auf 168.000 t. Gleichzeitig sank die Importquote von 23 auf 18 %. Hier geht ein Großteil des Zuwachses auf den Bedarf für Haferdrinks zurück. Allerdings könnte der Importdruck besonders aus Skandinavien wieder zunehmen. 2021 ist der Bio-Haferanbau so ausgeweitet worden, dass die Preise etwas nachgeben und mindere...