DLG-Tagung

Zukunft der Landwirtschaft: Wenn morgen schon 2030 wäre

Auf der Jungen DLG-Veranstaltung zum Thema „Future of Farming“ in Magdeburg wagten am Dienstag ein Innovationsforscher, ein Landtechnik-Hersteller und ein Landwirt den Blick in die Zukunft.

Auf den DLG-Unternehmertagen in Magdeburg machte am Dienstagnachmittag die Junge DLG mit einer Podiumsdiskussion zu Zukunftsszenarien der Landwirtschaft den Auftakt.

Moderator Felix Hollmann (Junge DLG), Dr. Michael Wustmans, Prof. Peter Pickel und Thinus Glitz. (Bildquelle: Lenfers)

Schließen Google, Amazon und Co. bald Verträge mit Landwirten?

Auf die Annahme, dass „morgen schon 2030“ ist, stellte Dr. Michael Wustmans vom Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik der Universität Bonn seine Visionen aus Sicht eines Innovationsforschers dar. Beispiele aus dem Agrifood und IT-Sektor zeigen in vier Szenarien, wie durch die Digitalisierung die Branchengrenzen immer stärker verschwimmen. Im Szenario 1 geht man davon aus, dass sich Agrarunternehmen digitale Kompetenzen einkaufen. Im Szenario 2 treten dagegen IT getriebene Firmen in den Agrarsektor ein. Große Player in diesem Bereich seien Amazon oder Google. Amazon habe z.B die Unternehmen Wohle Foods und Monoprix gekauft. Mit den beiden Bio-Supermärkten, möchte Amazon Teil der Wertschöpfungskette Lebensmittel werden. In Szenario 3 gehen Agrifood- und IT-Unternehmen eine Kooperation ein. Im Bereich der künstlichen Intelligenz, kooperieren z.B. Alibaba und die Dekon-Gruppe, mit dem Ziel Schweinemastbetriebe zu digitalisieren.

Zudem gebe es die typischen Investments in Start-ups (Szenario 4). Der Konzern Bosch produziert beispielsweise zusammen mit dem Start-up „The Yield“ Sensorsysteme. Auf einer Farm im Süden von Australien probiert man mit Sensoriksystemen Daten zu gewinnen, um aus der Ferne den optimalen Zeitpunkt für die Ernte zu bestimmen. In Zukunft würden die unterschiedlichsten Unternehmen in unsere Wertschöpfungskette eintreten, so Wustmans. Für 2030 stellt sich der Innovationsforscher vor, dass Amazon oder Google noch einen Schritt weitergehen und mit Landwirten Verträge abschließen, um bestimmt Mengen und Qualitäten abzusichern.

Aus dem Zusammenspiel der unterschiedlichen Trends hat Wustmans einen Hof der nahen Zukunft konzipiert und malerisch dargestellt (siehe Teaserbild). Die Menschen aus der Stadt kommen mit ihrem Elektroauto auf den Erlebnisbauernhof und können von dem Landwirt selbstproduziertes Eis verköstigen. Das Elektroauto oder -fahrrad können am Hof wieder aufgetankt werden. Hightech ist auf dem Hof etabliert. Drohnen unterstützen bei der Arbeit. Die Insektenzucht ist ein neues Standbein. Der Landwirt kommuniziert über Social-Media-Kanäle nach außen.

Maschinengewicht wird begrenzender Faktor

Prof. Peter Pickel, Manager External Relations von John Deere, gab einen Einblick in die Landtechnik von morgen. Nachhaltiger Ressourceneinsatz, präzise Autonomisierungstechnik, Elektrizität und Cloudlösungen seien Themen, die die Branche beschäftigt. Nach Pickel ist die Zukunft der Landtechnikbranche am Maschinengewicht gebunden. Daher werden Roboter auch in 2030 eine entscheidende Rolle spielen. Der GridCON-Traktor von John Deere sei beispielsweise eine ungewöhnliche Lösung für elektrisch angetriebene Landmaschinen: Seinen Strom bekommt er per Kabel. Dieser könne in voll autonomen Betrieb 24 Stunden durchlaufen.

„Wir können die Maschinenleistung verdoppeln, bei gleichem Gewicht!“ - Prof. Pickel

Erneuerbare Energien können, je nach Kapazität auf dem Betrieb, bis zu 100 % genutzt werden. Mehrere autonome Maschinen würden zukünftig von einem Fahrer bedient, so der Manager.

Klasse statt Masse

Aus der landwirtschaftlichen Praxis berichtete Landwirt Thinus Glitz aus dem nordrhein-westfälischen Bad Driburg. Er bewirtschaftet einen Familienbetrieb mit 280 ha Ackerland und 4.700 Mastschweinen und versucht auf verschiedenster Weise den Hof zukunftsfähig aufzustellen. Aus seiner Sicht wird Deutschland in Zukunft mehr Klasse anstatt Masse produzieren. Sowohl im Ackerbau als auch in der Tierhaltung.

„2030 wird man nicht nur Erträge und Ware verkaufen können, sondern auch C0²-Zertifikate.“ - Glitz

Der 38-jährige Unternehmer sieht für seinen Betrieb für 2030 folgende Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten:

  • Intensivierung durch Innovationen, statt Wachsen um jeden Preis
  • Diversifizierung: Im Unternehmen, im Ackerbau und in der Fruchtfolge
  • Regenerative Landwirtschaft: Ökologischer und umweltorientierter Ackerbau
  • Bodenbearbeitung reduzieren und Bodenleben aufbauen
  • Aufbau von Dauerhumus
  • Maximale Effizienz bei Düngung und chemischen Pflanzenschutz (Precision-Farming und Applikationstechnik)
  • Reduzierung von chemischen Pflanzenschutz (Substitution durch biologischen und mechanischen)

Benzin, Diesel, Heizöl oder Gas werden teurer

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Artikel geschrieben von

Christina Lenfers

Redakteurin top agrar Online

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