Wahlkampf

Australien: Streit um Mindestpreis und Lieferbeziehung

Auch in Australien diskutiert die Milchbranche und Politik intensiv um einen Mindest-Milchpreis sowie die Milchlieferbeziehung.

Die zukünftige Milchmarktpolitik ist in Australien zum Thema im Wahlkampf geworden. Das neue Parlament in Canberra wird im Mai gewählt.

Um die Situation für die Milchfarmer zu verbessern, setzt die oppositionelle Labourpartei auf einen Mindestpreis für die Erzeuger. Deren agrarpolitischer Sprecher Joel Fitzgibbon warf der Regierung vor, keine neuen strukturellen Mechanismen auf den Weg gebracht zu haben, um die Rentabilität der Milchviehhalter zu verbessern. Ein für die Regionen festgelegter Mindestpreis werde hingegen die „Einnahmen für die Milchviehhalter verbessern und ihnen auch Sicherheit geben, sodass sie wieder Investitionen zur Steigerung der Produktivität tätigen“.

Landwirtschaftsminister David Littleproud von der liberal nationalen Regierung hält davon gar nichts und verwies auf eine Senatsuntersuchung, nach der ein Mindestpreis den Markt verzerren und die Produktivität der Landwirte beeinträchtigen könne. Zudem würde die Wettbewerbsfähigkeit im Export leiden, der inländische Frischmilchverbrauch sinken und die Milchimporte steigen.

Dem Minister zufolge kam die australische Wettbewerbs- und Verbraucherkommission (ACCC) zu dem Schluss, dass die ungleiche Verhandlungsmacht zwischen Verarbeitern und Milchviehhaltern in Verbindung mit der ungleichen Verfügbarkeit von Informationen zu Marktversagen führe. Er habe deshalb den „verpflichtenden Milchkodex“ auf den Weg gebracht, der von Milcherzeugerorganisationen gefordert worden sei und nach Abstimmung 2020 in Kraft treten solle. Dieser sieht unter anderem vor, dass die Milchverarbeiter jährlich einen Vertrag anbieten, der die Lieferbedingungen und einen Preis für die Laufzeit der Vereinbarung beinhaltet. Verboten werden sollen rückwirkende Preissenkungen und Exklusivverträge, die die Erzeuger daran hindern, ihre überschüssige Milch an ein anderes Unternehmen zu verkaufen.

Untersagt werden soll den Molkereien auch die Zahlung unterschiedlicher Preise für die Milch desselben Landwirts. „Wenn den Landwirten mehr Flexibilität eingeräumt wird, um zwischen den Verarbeitern zu wechseln, wird dies einen Wettbewerb zwischen den Verarbeitern um den Rohstoff schaffen", erklärte Littleproud. Rückwirkende Preissenkungen nannte der Minister „unaustralisch“, weshalb sie unterbunden werden müssten.

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Diskussionen zum Artikel

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von Matthias Zahn

Sieh mal an......

Und bei uns behaupten immer noch einige, dass bei einer Mengenreduzierung im Krisenfall dann ausländische Milch rein kommt. Die gehen genauso am Stock wie wir!!! Ich frage mich WANN endlich Vernunft in der deutschen und europäischen Milchpolitik einkehrt und wir aufhören UNSERE eigenen Bauern dem Diktat des Weltmarktes zu opfern?

von Willy Toft

Die Milchviehbetriebe auf der ganzen Welt werden finanziell ausgehungert!

Die Gunstregionen werden uns nicht alle auf der Welt ernähren können!

von Gerd Schuette

Wenn der durchschnittliche Milchviehbetrieb im Schnitt der Jahre keine Kostendeckung (Vollkosten) hat, dann stimmt etwas in der Branche nicht.

von Christian Kraus

Ein Markt VOR den Molkereien

Das die Milchbauern feste Verträge mit Menge und Preis bekommen darüber wird hier zwar auch diskutiert aber das die nicht vertraglich festgelegte Menge zu jeder beliebigen Molkerei verkauft werden darf davon wird hier nicht mal nachgedacht. Bisher war es eher so angedacht das zwar für drei Viertel der Milch der Preis fest sein könne aber der Rest, der ja auch immer noch kommen wird, dann immer noch nach belieben gedrückt werden könnte. Das ist für die Molkereien natürlich super da sie nach wie vor JEDES Marktrisiko weiterhin auf die Bauern abwälzen können. Das die nicht vertraglich abgesicherte Milch dann aber frei gehandelt werden kann davon wollte noch keiner was wissen.

von Rudolf Rößle

Weltmarktpreise

sind viel zu niedrig. Das erkennen endlich viele Exportländer.

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