Milchwirtschaft

Berchtesgadener Land zufrieden mit Geschäftsjahr

Konstant hohe Milchpreise, große Investitionsprojekte, keine Produktionsausfälle – so kam die Molkereigenossenschaft durch das von Corona bestimmte Geschäftsjahr.

Wie Andreas Argstatter, Vorstandsvorsitzender der Molkereigesellschaft berichtete, konnte die Genossenschaft in den beiden zurückliegenden Geschäftsjahren 2019 und 2020 wichtige Etappenziele erreichen: „Ob Plastikreduzierung, Tierwohlbemühungen oder der Einsatz von fair gehandelten Zutaten – unsere Philosophie trifft den Zeitgeist, ermöglicht höhere Abgabepreise und damit letztendlich überdurchschnittliche Milchpreise für uns Bauern.“ Wie schon in den Vorjahren führe die Molkerei die top agrar-Milchpreistabelle in Deutschland und Österreich, für konventionelle wie auch für Bio-Milch an. Der Milchpreis der Molkerei Berchtesgadener Land lag im Jahr 2020 bei durchschnittlich 42,11 Cent/kg bzw. 54,66 Cent/kg brutto für Biomilch (jeweils inkl. Landwirtschaftlicher Vorsteuer bei 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß).

Produktion trotz Corona stabil

Argstatter betonte, dass es dank der frühzeitig als Krise eingestuften Situation, der von Beginn an sehr strengen Auslegung der Corona-Auflagen durch die Molkerei und dem umsichtigen Verhalten aller Mitarbeiter und der Landwirte gelungen sei, dass Corona in der Molkerei zu keinen Produktionsausfällen geführt hat. Zusammen mit der Produktionsverlagerungen von Gastro-Großgebinden hin zu Verbrauchergebinden sei es zudem gelungen, die täglich rund 1 Mio. Kilogramm angelieferte Milch in Piding das ganze Jahr hindurch komplett zu verarbeiten.

Pflanzendrinks keine Alternative zu Milch

Bernhard Pointner, der Geschäftsführer der Molkereigenossenschaft, erklärte, dass sichere regelmäßige Einkommen das Grundfundament der landwirtschaftlichen Betriebe seien. Deshalb sei es ihm ein ganz wichtiges Anliegen, kontinuierlich hohe Milchpreise mit der Molkerei zu erwirtschaften. Das ermögliche Investitionen in Tierwohl, Gebäude und Maschinen auf den Höfen und schaffe die Basis, dass auch die Jungen bei der Landwirtschaft bleiben wollen.

Mindestens genauso wichtig sei es aber, dass die Landwirte selbst an ihren Beruf Milchbauer glaubten und sich dafür einsetzten, so wie die Molkerei. „Wir machen keine Pflanzenmilch, weil wir an die Kuhmilch glauben“, machte Pointner deutlich. Neben der gesundheitlichen Bedeutung der Milch betonte er die Bedeutung für die heimische Region. Erst die Kuh ermögliche es den Menschen, die in der Alpenregion typischen weitflächigen Grünlandflächen und damit unverdauliches Gras in wertvolle Lebensmittel wie Milch und Fleisch umzuwandeln. Die Milchwirtschaft habe damit über Jahrhunderte weg die heute so attraktive Kulturlandschaft in der Alpenregion geschaffen.

Landwirte sollen selbstbewusst auftreten

Auf den bäuerlichen Familienbetrieben in der Alpenregion erzeugte Milch sei und bleibe ein stark nachgefragtes gesundes Naturprodukt. In diesem Zusammenhang forderte Pointner die Landwirte auf, sich den vielen negativen Strömungen in der Gesellschaft mit Selbstbewusstsein positiv entgegenzustellen. So solle Landwirt zukünftig wieder ein gefragter Beruf und ein positives Lebensmodell werden.

50 Mio. Euro Investitionspaket für 2021

Im laufenden Jahr sollen erstmals in der Firmengeschichte 50 Mio. Euro in nur einem Jahr in die Molkerei investiert werden. Der Großteil des Investitionspakets fließt Pointner zufolge in die neue Glasabfüllanlage, mit der der Trend nach Mehrwegpackungen weiter bedient werden soll. Mit den anstehenden Investitionen werde der Molkereibetrieb wirtschaftlicher, gesetzliche Vorgaben werden erfüllt und die Qualität der Produkte nochmals gesteigert.

Wieder mehr Kühe auf der Weide und Hilfen beim Stallumbau

Mit der Entscheidung für Bewegungsprämien, die im Jahr 2017 als Laufstall-, Laufhof- und Weideprämien eingeführt worden seien, habe die Molkerei laut Sylvia Schindecker die richtigen Weichen gestellt. Heute treiben rund 1.000 Landwirte der Genossenschaft ihre Kühe wieder auf die Weide. Das erzeuge ein idyllisches Landschaftsbild – wichtig für eine Tourismusregion – und sei außerdem gut fürs Klima, so die Agraringenieurin, die seit dem vergangenen Jahr die Unternehmensstrategie der Genossenschaft mitgestaltet.

Ein besonderes Anliegen sei ihr darüber hinaus, so viele Betriebe wie möglich, die heute noch ganzjährige Anbindehaltung betreiben, beim Weg zum Stallum- oder Neubau zu begleiten. Die Milch dieser Betriebe wird seit Anfang 2020 separat erfasst, mit 2 Cent Milchgeldabschlag für den Mehraufwand belegt und nicht mehr in den eigenen Markenprodukten verarbeitet. Dazu werde die Molkerei Stallbauseminare und Rundfahrten anbieten sobald die Corona-Hygienevorschriften dies wieder zulassen.

Neu- und Wiederwahlen von Vorstand und Aufsichtsrat

Auf der 88. Generalversammlung der Molkerei Berchtesgadener Land wurden alle zur Wahl und Wiederwahl Anstehenden in Vorstand bzw. Aufsichtsrat gewählt. Josef Siglreithmayr aus Traunreuth, der fast 30 Jahre Aufsichtsratsvorsitzender der Molkerei war, wurde verabschiedet. Als Nachfolger wurde Anton Berger aus Teisendorf, als Vertreter Michael Holzmann aus Grabenstätt gewählt.

Anton Berger führte als neuer Aufsichtsratsvorsitzender dann auch gleich durch die Tagesordnung der 89. Generalversammlung, die nach 10 Minuten Pause im Anschluss an die 88. Generalversammlung abgehalten wurde. Auch in der Folgeversammlung wurden alle Ehrenämter, die zur Wahl anstanden, gewählt bzw. wiedergewählt. Der Vorstand besteht weiterhin aus 5 gewählten Vertretern, der Aufsichtsrat aus 13 aktiven Landwirten, die sich über das ganze Einzugsgebiet der Molkereigenossenschaft verteilen.


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