„Harter Brexit wird Milchwirtschaft in Europa schaden“

Nachdem sich die Milchmärkte nach dem Jahreswechsel gerade stabilisiert haben, drohen durch einen harten Brexit kaum kalkulierbare negative Folgen für die europäische Milchwirtschaft.

Der Milchindustrie-Verband (MIV) geht davon aus, dass ein möglicher harter Brexit enormen Schaden in der europäischen Milchwirtschaft anrichten wird. „Ich erwarte größtmögliche Toleranz und Lösungswillen bei allen weiteren Gesprächsversuchen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich, um den Schaden aus dem Brexit-Verfahren noch abzumildern“, sagte Eckhard Heuser, Hauptgeschäftsführer des MIV. Nach dem negativen Votum im britischen Unterhaus mit Ablehnung der Trennungsvereinbarung zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU27 herrsche große Unsicherheit über das weitere Vorgehen.

Es stehe viel auf dem Spiel: Das Vereinigte Königreich ist ein großer Nettoimporteur bei Milch und Milcherzeugnissen und kauft insbesondere in der Republik Irland viele Lebensmittel wie Milchprodukte ein. Wenn das Vereinigte Königreich nun bei einem harten Brexit Drittlandszölle gegenüber EU-Ware erhebt, müssten die Produktpreise deutlich angehoben werden. Der Handel drohe dadurch zum Erliegen zu kommen. Nicht nur Deutschland habe Sorgen um seinen direkten Export nach Großbritannien. Es müsse auch betrachtet werden, wohin andere Länder, nicht nur Irland, dann ihre für Großbritannien vorgesehenen Milcherzeugnisse verkaufen.

Darüber hinaus entstehe ein „Milchpool“ von Rohmilch in Nordirland, das zum Vereinigten Königreich gehört, der bisher zur Verarbeitung in die Republik Irland gebracht wurde. Beim harten Brexit müsse der irische Zoll nun diese Rohmilch ebenfalls mit hohen Zöllen belegen, was eine Weiterverarbeitung unrentabel werden lassen dürfte. Ein solcher „Milchpool“ hätte dann keinen Verarbeiter und die Milcherzeuger keinen Abnehmer mehr.

Im administrativen Teil des Verfahrens drohten nicht nur hohe Drittlandszölle, diese werden auch begleitet von der Notwendigkeit von Zollkontrollen mit einem hohen Zeitaufwand an der Grenze. Dazu würden die beiden Ex-Partner EU und VKR sich im Austausch von Gütern und Dienstleistungen zunächst wie Drittländer behandeln und auch wieder Veterinärkontrollen einführen.


Diskussionen zum Artikel

von Rainer Hoffmann

Große Frage ?

Wer hat den Deutschen Milcherzeugern bisher mehr geschadet, der MIV vorne weg u ob der Brexit schadet oder nicht mus sich mal rausstellen, da die Mengen die selben bei Verbrauch u Erzeugung in Europa u Drittländern bleiben ,halt nur anders verteilt bzw hintenrum rein . Ganz sicher ist ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

Die Niederländer sind uns schon wieder einen Schritt voraus

LTO fordert von ihrer Regierung 650 Mio € als Ausgleich bis 2023. Bei uns schafft man es ja nicht mal die Dürrehilfe bis wie zu gesagt Ende des Jahres auszuzahlen. Voraussichtlich erst im Mai und der Prozentsatz ist auch noch fraglich. Einfacher wäre gewesen den Milchpreis ... mehr anzeigen

von Eike Bruns

Nachtigal ick hör Dir..

seit Wochen kennt der Preis auf den Internationalen Märkten nur eine Richtung, Seit Wochen wird uns gesagt das die Menge nur knapp verfügbar ist etc. Jetzt kommt der MIV und nimmt den Brexit als Grund für die Gefahr des Preiseinbruches ein Schelm der Böses (niedrige Preise für ... mehr anzeigen

von Gerd Schuette

Der Brexit wird weder die Summe der Milcherzeugung noch die Summe des Verbrauchs wesentlich beeinflussen. Die Handelsströme werden sich andere Wege suchen und auch bei einem "No deal" Ausstieg wird es im Anschluss zu neuen Handelsabkommen der Briten mit der EU kommen. Die Situation ist ... mehr anzeigen

von Hans Nagl

Die Engländer

Werden weiter Milch trinken und Butter essen. Alles andere ist nur da um den Milchpreis zu senken.

von Ottmar Ilchmann

Versagen von Politik und Milchbranche

Das sind eben die Schattenseiten der Exportorientierung, sogar jetzt auf einen (ehemaligen) Absatzmarkt in einem EU-Land, wieviel mehr erst bei Drittlandsmärkten. Das Russlandembargo ist uns doch noch allen in unguter Erinnerung! Wenn dann bei politischen Verwerfungen keine ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

Es wird dann der Drittlandszoll

fällig - für die Britten verteuern sich die Milchprodukte- aber das wussten die doch vorher auch schon?!

von Willy Toft

Was jetzt genau wird, kann Keiner wirklich voraussagen!

Unter dem Strich wird es aber eher der Milchwirtschaft schaden! Geordnete Marktabflüsse sind nicht mehr gegeben, und es wird Phantasie von den Marktteilnehmern gefordert, um der Verteuerung(Zoll) entgegen zu wirken!

von Matthias Zahn

Keine Reaktionsmöglichkeiten

Das Problem liegt darin, dass auf die dann veränderte Nachfrage nicht reagiert, sondern weiter gemolken wird bis der Preis wieder unten ist....Insofern kann der Brexit zwar auslöser sein. Aber die Ursache des Problems einer nicht Marktkonformen Produktion liegt woanders.....

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